Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald  Die Taussendfüssler

 

 Heike Christ – Untertagemarathon in Merkers

 

Außentemperatur 5 Grad, Regen, im Laufe des Tages zieht das Sturmtief Xynthia auf. Nicht gerade ideale Bedingungen um einen Marathon zu laufen, zumindest für mich. Doch es geht Ende Februar auch anders, keine Wettereinflüsse und herrliche 21 Grad. Genau so stelle ich mir einen Marathon vor. Doch dafür sollte man eigentlich ins Flugzeug steigen oder ??? Es geht auch anders, beim Untertagemarathon in Merkers. (Thüringen). Vielleicht etwas ungewöhnlich, somit genau richtig für Heike und Udo. Am Samstagvormittag ging es los, wir wollten gegen 14.00 Uhr in Bad Salzungen sein, dort 2 Stündchen locker laufen und dann mit den Bottroper Adlern noch ins Keltenbad. WOLLTEN, leider „weinte“ Udo´s „Benz-Baby-Knut“ auf der Autobahn sehr heftig. Ein freundlicher Autofahrer nutzte den Stau um uns klar zu machen, dass der Kühler Wasser verlor. Also schnell auf die Standspur fahren und den ADAC anrufen. Das klappte dann auch, aber nicht so wie Udo das wollte. Es sollte ein Abschleppwagen kommen und uns in die Werkstatt bringen. So nicht!! Es gibt doch so Wundermittelchen die Kühler schnell wieder abdichten. Also Kommando zurück und ein „gelber Engel“ mit „heilenden Händen“ musste her. Okay, okay, er kam dann auch, aber lies fast 3 Stunden auf sich warten. Mich hat das nicht wirklich erschüttert, ich wollte doch schon immer mal einen Samstagnachmittag auf der Standspur der Autobahn verbringen ;-). Ein Nickerchen war angesagt und „Lagebesprechung“. Die Erstinformation zum Westweg nimmt Gestalt an!!! Gegen 17.00 Uhr waren wir dann endlich bei der Jugendherberge und warfen uns schnell in die Laufklamotten. Wenigstens noch ein paar Kilometer sollten es werden, gesagt getan, eine Stadtbesichtigung zu Fuß, immer eine tolle Angelegenheit. Bad Salzungen verfügt über eine schöne Altstadt und einen noch schöneren See, den Berg runter, durch`s  Städtle, ein paar Mal rechts um den See, ein paar Mal links um den See und wieder hoch zur Jugendherberge. Gutes Timing, Roland, Georg, Christoph und Marita kamen gerade aus dem Schwimmbad zurück. Ab in die Gaststätte und lecker essen, so die Idealvorstellung. Wir sind im kalten Nebenzimmer gelandet und das Essen von Udo war nicht gerade „essbar“. Obwohl die Kochprofi´s schon mal in der Gaststätte waren, gab es doch etliche Defizite in der Küche. Wir anderen wurden gut satt und Udo bekam anschließend in der Juhe noch einen „Berliner“. Relativ früh gingen wir schlafen, die Woche war wohl bei allen lang und hart.

 

Sonntagmorgen ein gemütliches Frühstück, dort trafen wir auch auf Angelika Abel und Eberhard Ostertag, sie sind beim Karfreitagslauf schon bei den Tausendfüsslern mitgelaufen und dann ab zum Start. Gewohntes Ritual, Parkplatz suchen, Startnummer abholen, zum Start gehen. Bis dahin so weit so gut, doch plötzlich befanden wir uns in einem Aufzug, Förderkorb heißt das eigentlich, der uns innerhalb von 90 Sekunden 500 Meter „unter Tage“ brachte. Eine rasante Fahrt, es sollte nicht die einzige bleiben! Ich war gespannt was mich dort unten erwarten würde, denn das frühere Salzbergwerk ist heute ein Erlebnisbergwerk. Die Kristallgrotte ist begehbar und zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden dort die Gold- und Devisenbestände der Deutschen Reichsbank, sowie Kunstgegenstände eingelagert. Raus aus dem Aufzug, rein in den Transport-LKW.  Nicht aufstehen im LKW, nicht bewegen, kein Problem, es waren so viele Läufer und Zuschauer auf dem LKW dass eine Bewegung unmöglich war. Jetzt folgte eine weitere rasante Fahrt in der Dunkelheit. Wir waren zwar nur ein paar Kilometer auf dem insgesamt 4.600 km langen Streckennetz unterwegs, aber mir reichte es! Ein paar Meter laufen und wir landeten im Großbunker, eine imposante „Halle“ mitten im Berg, früher wurde dort das Kalisalz gelagert, heute ist es ein riesiger Konzertsaal, und Kletterpark mit Erlebnisgastronomie. Der Raum ist größer als jede Kathedrale die ich je gesehen habe. Länge 210 Meter, Breite 20 Meter und eine Höhe von 14 bis 17 Meter. In diesem wunderschönen Ambiente durften wir Marathon laufen. Whow!!! Um 11.00 Uhr war der Start und die 3,25 Kilometer lange Runde, musste 13 Mal zu durchlaufen werden. Sie hat extreme Steigungen und Gefälle bis zu 17%. Insgesamt kam man bei diesem Marathon auf 750 Höhenmeter. Für mich ziemlich „schwere“ Höhenmeter, keine sanften An- oder Abstiege, nein, alles richtig steil rauf oder runter. Die Luftfeuchtigkeit liegt Untertage bei nur etwa 20-30% und in der trockenen Luft ist das Atmen während des Lauf doch sehr anstrengend. Die Fahrradhelmpflicht machte es nicht einfacher dort zu laufen, da es unter dem Fahrradhelm doch recht warm wurde. Wir kamen alle mächtig ins Schwitzen! Das Starterfeld war mit ca. 100 Marathonläufer/innen recht überschaubar, dafür um so „unterhaltsamer“. Roland trainiert auf den Deutschlandlauf und somit war ihm mein Schneckentempo genau recht. Ich war also mal wieder Bremsläuferin! Als Gegenleistung für diese „Dienste“ wurde ich während dem Lauf mit Getränken versorgt. Udo überholte uns schon nach wenigen Runden und so schnell wie er war hatte ich die Befürchtung mir einen Schnupfen von der Zugluft zu holen!!! Gleich nach der ersten Verpflegung ging es steil bergauf, 13x dort hoch laufen, das würde ich wohl nicht schaffen, Gehpausen waren schnell eingeplant. Doch erstmal ein paar Runden laufen und dann wird das schon. Rauf, runter und das immer bei mächtig steilem Gelände, dass ging ganz schön in die Beine!! Doch am Ende jeder Runde wurden wir für unsere Anstrengungen belohnt. Steil bergab ging es auf den Großbunker zu und der erstrahlte in wechselnden Farben. Ein wundervoller Anblick und so verging Runde um Runde. Im Großbunker war auch die Zeitnahme und kurz danach wartete Marita immer auf uns, in jeder Runde war sie da und hatte einen aufmunternden Spruch oder ein liebenswertes Lächeln für uns parat. Die letzten 4 Runden waren so ziemlich die schnellsten. Trotzdem hatte ich die Befürchtung das Udo uns ein zweites Mal überrunden würde, doch er lief lieber gleich ins Ziel und verzichtete auf eine weitere Überrundung. Er war der Schnellste von uns, nach 3:40 Std. konnte er sich bereits um die Nahrungsaufnahme kümmern. Während Roland und ich so langsam aber sicher Georg einholten, Christoph überrundeten und ein „Heike wo kommst du den her?“ von Eberhard kassierten, näherten wir uns dem Ziel. Durch mein kontrolliertes Tempo zu Anfang konnte ich gegen Ende noch etwas Gas geben.
Doch die Zeit war nicht das Wichtigste für mich ich „sammelte“ die letzten Monate viele Laufkilometer um Mitte März beim Balaton gemeinsam mit Udo zu starten. Ein 4-Tages-Etappenlauf, vom 18. März bis 21. März 2010, mit insgesamt 194,5 Kilometern, um den Plattensee in Ungarn. Da will ich hin, da will ich finishen!!!!! Vor, während und nach dem Lauf trafen wir Klaus Neumann, ein „Ultralaufurgestein“. Er sorgte auch für mein persönliches Highlight nach seinem Zieleinlauf. Er sagte zu mir: „Für a Frau garet so schlecht.“ Lieber Klaus, ich konnte nach diesem Lob letzte Nacht kaum schlafen!!! So langsam aber sicher trudelten alle ins Ziel ein und bei der Siegerehrung wurden sogar die ersten drei jeder Altersklasse geehrt. Upps, ich durfte auch auf die Bühne und meine Urkunde abholen. So aber jetzt nach Hause, eine lange Fahrt wartete auf uns, doch Klaus Neumann schloss sich uns an und Klaus viele wundervolle Erlebnisse zu erzählen hat, verging die Heimfahrt wie im Flug. Gutes Stichwort, es flogen auch die Äste und Bäume, Sturm Xynthia war gut drauf!!! Wir auch, war es doch ein richtig tolles Erlebnis!!!

 

Die Platzierungen:

 

19. Udo Stoßberger             Vfl Ostelsheim                3:40.31 Std. / 5. M45

50. Roland Riedel             Adler-Langlauf Bottrop              4:17.16 Std. / 12. M45

54. Georg Berger                        Gerscheder SV Essen             4:22.41 Std. / 5. M55
56. Klaus Neumann                   100 Marathon Club                4:25.08 Std. / 6. M55

69. Eberhard Ostertag            Marathon 4 You                     5:07.42 Std. / 1. M60

70. Christoph Vögelin            Adler-Langlauf Bottrop            5:07.41 Std. / 19. M45

6. Heike Christ              LT Sulz am Eck             4:17.16 Std. / 3. W40

12. Angelika Abel                TV Stammheim               5:07.41 Std. / 1. W50