Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald  Die Taussendfüssler

 

 

Rodgau 30.01.2010

Der Rodgau-Ultra gilt ja so ein bisschen als das Mekka der Ultralaufszene mit Kult-Charakter und schwabenfreundlichen Startgebühren, so dass ich um eine Anmeldung nicht umhin kam. Laut Meldeliste war auch unser Ultralauftreff stark vertreten, so dass schnell die Fahrgemeinschaften organisiert waren, die jedoch am Vorabend grippebedingt jäh zusammenbrachen, so dass nur noch Heike und ich übrig waren, die sich am Samstag in aller Herrgottsfroh am McDonald's-Parkplatz, unserem bewährten Treffpunkt für gemeinsame Nacht- und Nebel-Aktionen, trafen.

Nachdem Frau Holle mal wieder über Nacht fleißig ihre Betten gemacht hatte, blieb auch Rodgau vom weißen nassen Wahnsinn nicht verschont. Ja, ich geb's zu, ich kann den Schnee nicht mehr sehen! Doch die Vorfreude auf eine gestreute flache Laufstrecke war dafür umso größer.

Auf dem Weg zur Sporthalle konnten wir schon die ersten bekannten Läufer begrüßen, darunter Roland Riedel. Abseits des Getümmels hatte mein Mittagspausen-Laufkumpel Jörg zu diesem Zeitpunkt auf der noch einsamen Laufstrecke bereits knapp 6 Runden gedreht. Dank der Flexiblität der Organisatoren, war es ihm dadurch möglich, trotz anderer Verpflichtungen, doch noch an diesem Lauf teilzunehmen.

In der Umkleide machte ich erst mal eine Umfrage, was die erfahrenen Damen darunter und darüber anzuziehen gedachten. Sicherheitshalber hatte ich nämlich mein ganzes Laufrepertoire eingepackt, um den Spagat zwischen nicht zu kalten Temperaturen und den zugigen Stellen, bzw. Heizöfele und Frostbeule zu bestehen.

Auf dem knapp 1 km langen Fußweg ging's nun zum Start, wo wir uns ganz hinten einreihten. Auch Heike und Roland wollten dieses Mal den Lauf defensiv angehen. Als es los ging, war Jörg pünktlich zur Stelle. Auf der ersten Runde bekam ich eine kleine Führung – hier die Kulinaria, dort die Rodgauer Steilwand, einem kleinen Anstieg von etwa 2 Höhenmetern, der später in den letzen beiden Runden gefühlt zur Stuttgarter Hasenbergsteige mutierte! Genauso der Wind. Was erst als kleines Lüftchen wahrgenommen wird, wird bei km 45 zum Orkan!  Es ist immer wieder spannend, wie sich die Wahrnehmungen verschieben!

In null komma nix war der Bärensee-Tempomat aktiviert – Tempo 5:30. Mist, zu schnell! Also runter vom Gas. Buffetpause. Doch die Raserei ging gerade so weiter. Nach dem wochenlangen Herumgeeiere im Schnee schien ich wohl Nachholbedarf zu haben und außerdem spukte noch das <5-Gespenst in meinem Kopf herum.

Noch war der Untergrund griffig und gestreut, so dass man tatsächlich gut Gas geben konnte. Mädel, hast du nicht aus deiner Schlappe in Karlsruhe gelernt und außerdem, du musst nachher NICHT ins Büro, also kein Grund zur Eile, ermahnte ich mich. No risk, no fun, konterte jedoch das innere Teufelchen. Bruttozeit 20 km: 1:52. Nur: Jörg war gleich fertig und drehte zum Finale hin nochmals kräftig auf (wird er auch mal müde?!!?), während ich ja noch 30 km laufen musste/durfte! Die Quittung werde ich schon noch kriegen, dachte ich. Aber: der Weg war doch soooo schön zu laufen! Noch! ,

Nach kurzer Gratulation und Abschied verordnete ich mir für meine 5. Runde ein absolutes ommmhhhh und begutachtete das Buffet etwas ausgiebiger. Komm' jetzt endlich herunter, befahl ich mir. Zwar fühlte ich mich noch fit, doch inzwischen ist der Untergrund weicher geworden, so dass man leichter wegrutschte und nun wirklich aufpassen musste, zumal meine Bauchmuskeln im Zuge einer Ausrutsch- und Abfangaktion ohnehin noch etwas lädiert waren und schon beim Gedanken daran aufjaulten. Joe Cocker's „Summer in the City“ am Wendepunkt wirkte da wie Hohn. Im Start-/Zielbereich wurden die Läufer mit ihrem Verein von „Frau Werwolf“ angesagt. So auch ich.

Nun wurde es wieder Zeit für einen Boxenstop, wo ich mich durch die ganzen Leckereien schnabulierte. Fast hätte ich mich an meinem Klebe-Riegel verschluckt, als gerade Frank (jogmap.de) an mir vorbei wollte. Ich heftete mich gleich an seine Fersen – genug getrödelt! Es folgten 20 sehr kurzweilige, aber anstrengende km, denn der Laufuntergrund war inzwischen katastrophal, so dass ich mich auch nicht mehr unterhalten konnte.  Frank steckte mir ein Powergel zu. Wow! Danke!! Wie war das nochmal? Probiere im Wettkampf niemals Dinge aus, die du vorher nicht ausprobiert hast! Nachdem ich mich bisher immer geziert hatte, derartiges Zeugs zu nehmen, bin ich nun dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Naja, das Zeug ist ja zulässig und außerdem kann ich ja das als neue Erfahrung verbuchen. Ein komprimierter Glibber mit einem Kaloriengehalt von einer großen Portion Spaghetti bolognese, den ich mit einem Schwall Cola hinunterspülte. Brrrrr.... Spaghetti sind mir lieber. Doch meinem Magen hat's nicht gejuckt und meine Goschen lief zumindest ansatzweise wieder besser, so dass ich den armen Frank mit meinen Läufermantras zuschwallen konnte.

Auf unserer letzten Runde schneite es wieder. Dieses Mal war der Schnee sogar mir willkommen, weil dadurch der Laufuntergrund wieder griffiger wurde. Dass heute die 5 Stunden fallen werden, war fast schon zum Greifen nah, aber dennoch liefen wir sehr konzentriert – jetzt nur nichts anbrennen lassen! Nun kam endlich auch mein, bzw. unser Finale- 4:58 brutto prangte es uns entgegen. Zieleinlauf, Freudentaumel, Erleichterung, herzliche Umarmung... der Lauf war zwar kein Kindergeburtstag, aber doch so schön!

Fazit: Rodgau ist unbedingt eine Laufreise wert, bzw. der Kult-Charakter kommt nicht von ungefähr! Die wirklich schwierigen Wetter- und Laufbedingungen wurden mit einer super klasse Organisation überspielt. Hinzu kamen noch die große Auswahl am Verpflegungsstand, das sofortige Läufer-Eintüten nach dem Zieleinlauf, die familiäre Athmosphäre und die reichliche Essens- und Getränkeauswahl in der Turnhalle!

 

Ergebnisse:

 

73. Baumann, Jürgen, LT Sulz am Eck, 4:20:43,2  (17. M45) 

184. Schinker, Klaus, Therme LT Böblingen, 4:49:43,1 (25. M 35)

185. Just, Uwe, Therme LT Böblingen, 4:49:44,0 (46. M 45)

211. Reim, Annette, TSV Simmozheim, 4:55:16,6 (10. W40)

227. Riedel, Roland, Adler-Langlauf Bottrop, 4:58:50,2 (55. M45)

228. Christ, Heike, LT Sulz am Eck, 4:58:50,8 (11. W40)

331. Hanke, Ekkehard, Therme LT Böblingen, 5:28:35,7 (84. M45)