Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald Die Taussendfüssler
Für den 14.02.2010 hatte ich
(Heike Christ) zur „Kulturtour“ eingeladen. Im Vorfeld gab es einige
Hindernisse zu nehmen. Es war Valentinstag und gleichzeitig Fasnetssonntag,
nicht einfach alles unter einen Hut zu bekommen. Die Gruppe war klein, aber
fein und die Strecke auch! So wurde mir zumindest von den Teilnehmern Jürgen
Baumann, Volker Held und Jürgen Kaiser versichert. Der Weg führte uns von
Mühringen nach Bad Imnau, von dort an ging es stetig bergan bis wir beim
Steinbruch oberhalb von Haigerloch waren. Die Wanderwege waren, wie zu
erwarten, über und über mit Schnee bedeckt. Kein leichtes Unterfangen für mich,
drei laufstarke Männer vorne weg und eine schwer atmende Heike hinterher. Über
Weildorf ging es zum Felsenstädtchen Haigerloch. Jetzt war die Strecke gut zu
laufen, ohne Schnee und Eis. Haigerloch mit seiner wunderschönen Altstadt, mit
Blick auf das Schloß, hinunter zum Atomkeller. Die ganzen Höhenmeter die zuvor
abwärts gelaufen wurden galt es jetzt wieder hoch zu klettern, wie? Natürlich
ganz einfach, es waren laut Volker 149 Treppenstufen!! Am Schloß angekommen gab
es eine kleine Verschnaufpause im Innenhof. Ab jetzt hatten wir einen schönen,
aber total zugeschneiten Waldweg vor uns, er führte uns zum Kapf bei
Trillfingen. Das Kapf ist ein freistehender Felsvorsprung mit einem Kreuz. Ein
gigantisch schöner Ausblick auf das Eyachtal, aber nicht Jedermann´s Sache. Ein
Fehltritt und der „Freiflug“ wäre direkt in die Tiefe gegangen. Noch ein paar
Meter/Kilometer und wir hatten uns eine Stärkung mehr als verdient. Mein Sohn
Martin und Elisabeth erwarteten uns bereits sehnsüchtig. Lange blieben wir
nicht stehen, es war schließlich bitterkalt. Jürgen Kaiser verabschiedete sich
von uns, er hatte seinen Mädel´s versprochen zum Fasnetsumzug mitzugehen. Also
liefen Jürgen, Volker und ich alleine weiter. Über die Höhen von Trillfingen
zur Heiligengrub, ein kleiner „Tümpel“. Weiter zum Hofgut Kremensee, von dort
zum Hofgut Neuhaus, bei Wachendorf. Dort steht die mächtige Neuhaus-Eiche. Mit
ihrem Stammumfang von 7,2 Meter und einem „hohen Alter“ von wahrscheinlich
zwischen 400 und 500 Jahre, ist sie der stärkste Baum im Landkreis Tübingen.
Ach ja, wir sind im Landkreis Freudenstadt gestartet, Haigerloch gehört zum
Landkreis Zollernalb und jetzt waren wir also im Landkreis Tübingen gelandet.
Von hier aus machten wir uns auf den Weg zum Ammelebrünnele. Ebenfalls ein
kleiner Teich, aber alles total zugefroren. Es war allerdings nicht einfach
dort hin zu kommen, ich sage nur Tiefschnee. Wie tief ist Tiefschnee? Volker
steckte mit dem rechten Bein bis über´s Knie im Schnee! Nein, ich als Zwerg der
Gruppe machte einen Bogen um dieses Tiefschneeloch. Die Wege waren teilweise
mit viel Schnee bedeckt, aber wunderschön zu laufen. Schmale verschneite Wege
bei Felldorf führten dann über einen steilen Weg nach Mühringen. Juhu, hier
konnten wir richtig „runterbrettern“, es fehlten alleine die Ski dazu. Kurz die
Fakten, 26,4 Kilometer, viiiiiiiiiele Höhenmeter und eine Laufzeit über etwas
mehr als 3 Stunden. Wieder in Mühringen angekommen gab es ein ausgiebiges und
liebevoll, von Joachim und Elisabeth, hergerichtetes Vesper, bei dem Jürgen uns
eine kleine Andekdote von seiner Elisabeth erzählte und sich so den Spitznamen
„Schwatzbas“ einhandelte. Der Tag hätte so schön ausklingen können, wäre da
nicht die geniale Idee von Volker gewesen ;-).
Welche Idee? Nun ja, wir
haben langsam alle genug vom vielen Schnee. Wo läuft man ohne Schnee, in der
Wärme und ohne Höhenmeter? Nein, nein, wir sind nicht in den Süden geflogen, es
reicht auch ein Fitnessstudio. Volker wollte am Montag einen Marathon auf dem
Laufband versuchen!!! Ich konnte nicht widerstehen und wir verabredeten uns
ganz spontan für Montagmorgen beim Mapet in Herrenberg-Gültstein. Seite an
Seite liefen wir im 6er-Schnitt los. Jede Stunde ging das Laufband aus, wer
läuft auch schon länger? Wir natürlich! Die Rechnung war einfach, 4x das
Laufband für die 10km starten und dann noch 2,2 Kilometer dranhängen. Klingt
einfach, doch wir hatten mächtig Respekt davor. Ich war noch nie länger als
10km auf dem Laufband unterwegs und das ist auch schon längere Zeit her. Wie
reagiert die Muskulatur oder bekommen wir irgendwelche Problem, müssen wir
vielleicht sogar abbrechen? Ich kenne niemanden bei den Tausendfüsslern der
schon mal einen Marathon auf dem Laufband gemacht hat. Als wir nach 4:10 Stunden – reine Laufzeit,
inclusive kurzen Pausen um die Laufbänder neu zu starten 4:17 Stunden, endlich
fertig waren, war ich echt um eine Erfahrung und auch um eine „Kuriosität“
„reicher“. Ich empfand es gar nicht so einfach immer genau den gleichen Schritt
zu laufen, jeder Schritt muss genau sitzen und keine noch so kleine
Schwächephase ist möglich. Das Laufband läuft und läuft immer im gleichen
Tempo. Dafür war es superangenehm endlich mal wieder im kurzer Laufbekleidung
und mit aufgeschnitten Schuhen unterwegs zu sein. Außerdem stimmte die
Verpflegung, sie war immer griffbereit direkt am Laufband. Das „Rahmenprogramm“
im Fitnessstudio war auch ganz nett, viele Fernseher, ich sah nur nicht wirklich
viel ohne Brille und immer ein Kommen und Gehen, so verging die Zeit doch recht
schnell. Es zeigte sich auch mal wieder das wir Ultra´s doch eine enorme
Ausdauer haben. Keiner der Studiobesucher der mit uns gekommen war, hielt es
länger aus als wir. Sie sind alle früher nach Hause gegangen. Manch einer
schüttelte auch heftig den Kopf als er hörte was wir machen. Trotzdem fanden
wir einen netten Sportler der ein Beweisfoto von uns machte. Volker, ich danke
dir ganz, ganz herzlich für diese außergewöhnliche Erfahrung!!!!!!