Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald Die Taussendfüssler
6 h Lauf Nürnberg:
Ein Lauf der Sonne entgegen - doch wo war nur die Sonne?
Der Nürnberger 6h
Selbst-Transzendenz-Lauf hat ja schon so etwas wie Kult-Charakter. Wer dabei
sein möchte, muss sich frühzeitig anmelden, denn der Veranstalter macht nach
Eingang von 160 Anmeldungen rigoros die Schotten dicht.
Trotz frühzeitiger
Anmeldung drohte uns Spaßrunners nun der extrem lange Winter einen Strich durch
die Rechnung zu machen. Während Günter kurzfristig erkältungsbedingt absagen
musste, laborierte ich (Annette) seit einigen Wochen an meinen Muskelansätzen
in der Leistengegend herum, die im Zuge des langen Winters etwas gestresst
waren. Wunder waren also keine zu erwarten. Allenfalls ein Trainingsläufchen
von etwa 30 km dachte ich, vertreten zu können. Doch inzwischen befand ich mich
in einer sportmedizinischen Grauzone. Einerseits durfte ich noch keine
Wettkämpfe laufen, doch andererseits durfte ich alles machen, was nicht
schmerzt, bzw. wenn es mir wieder besser geht, "ruhig auch mal ein
bisschen experimentieren, was geht. Bei Schmerzen: sofort stop!".

Manne haderte noch
etwas mit den Wetteraussichten, doch dafür konnten wir zwei Neu-Verrückte,
nämlich Achim Gommel und unsere Lauftreff-Exilantin Beate Jost, für den
Nürnberger Selbst-Transzendenzlauf bekehren!
Kaum hatten wir vor
Ort die ersten bekannten Gesichter getroffen, tauchte unser Lauffossil Gerhard
Schorr zur Überraschung aller in Zivil auf. Er hatte sich am Vorabend nochmals
das Essen kräftig durch den Kopf gehen lassen, so dass ihm ein Start in seiner
Heimatstadt leider nicht möglich war. Endlich war's soweit, der ältere Herr mit
dem Megaphon (Klaus Schulz?) schickte uns los. Sich 6 Stunden lang wie ein
Hamster im Laufrad abzustrampeln, war paradoxerweise eine sehr kurzweilige
Beschäftigung, die an der Strecke mit transzendentalem Gesülze des Gurus Sri
Chinmoy abgerundet wurde. Nicht umsonst ist Nürnberg für uns Spaßrunners der
Ommh-Lauf! Auch Sri's Konterfei mit
diesem feisten Grinsen drängte sich dem laufenden Betrachter auf.
"Ich muss vorwärts laufen.
Der zukünftigen Sonne entgegen
mit dem Rücken
zu den vergangenen Wolken."
Aha. Dann ist dieser Lauf also als
Investition in die Zukunft zu sehen. Denn auch am Ende des Wettkampfs war die
Sonne Zukunftsmusik. Aber ich will nicht meckern! Die Strecke war so gut wie
frei und es hatte nicht geschneit! Das war die Hauptsache! Manne schien sich
dann doch noch mit dem Wetter angefreundet zu haben, denn er „schaute“ das ein
oder andere Mal bei mir vorbei.
Der Verpflegungsstand
ließ wie in den letzten Jahren keinerlei Wünsche offen und auch unsere
Rundenzähler waren wieder super drauf! Runde für Runde erfolgte der
Blickkontakt und das Start-Nummer glatt ziehen. "Annette, ich hab'
dich!" Ommmhh... Nächste Runde.
Wieder konnte man sich mit einem neuen Läufermantra auseinandersetzen:
"Nur wenn du bereit bist,
das Rennen des Einsseins-Lichtes
zu laufen,
wirst du den Preis
genießen können:
die Freiheit wahrer Unabhängigkeit."
Hä? Doch immerhin war der ältere Herr,
den ich für Klaus Schulz hielt, mit der alljährlichen Polizeipräsenz eins
geworden. Sonst harrte die Polizei immer so 3 Stunden an der Strecke aus, doch
dieses Mal war sie bereits eine Runde später nicht mehr zu sehen.
Auch ich konnte ein
Einssein mit meinen Muskelansätzen feststellen, denn ich konnte weiterhin
schmerzfrei meine Runden drehen. Auch das Anlaufen nach einem Verpflegungsstopp
war problemlos. Aber: sobald es wieder anfängt, ist Schluss, ermahnte ich mich.
Nach etwas mehr als 2 Stunden Laufzeit wurden die Anzeigetafeln mit den
Namensschildern der führenden Läufer bestückt. Dass sogar mein Name dabei war,
erzeugte gemischte Gefühle: einerseits ging das total unter die Haut und war
eine totale Motivation, bzw. stachelte meinen Ehrgeiz an, doch andererseits
musste ich mir immer wieder sagen, dass hier nicht über die Schmerzen hinweg
gelaufen werden darf, falls es soweit kommen sollte.
"Laufe!
Du kannst leicht den Stolz
furchteinflößender Distanz
herausfordern!"
Worauf wartest du
noch, rief ich mir innerlich zu. Unser Lauffossil schaute ab und zu vorbei und
sparte nicht mit Motivation. Eine wildfremde Frau rief mir Runde für Runde zu
"ab heute bin i dei Fan!" Das beflügelte so sehr, dass ich sogar eine
Runde mit Manne laufen konnte, der sich jedoch wegen Muskelschmerzen eine kurze
Auszeit nahm und in der Schlussphase wieder einstieg.
Inzwischen war auch
ich eine frischgebackene Ultröse mit Fähnchen, was unterwegs zu einigen
Gratulationen führte. Nun wurden die Runden zäher, wovon sich Beate und Achim
keinesfalls unterkriegen ließen.
Nur noch knappe 25
min., rief das Lauffossil am Streckenrand. Na schön, die gehen auch noch
vorbei! Noch 9 min, hörte ich einen Läufer sagen. Ommmhhh! Ein letzter
Blickkontakt mit dem Rundenzähler und Nummer glatt ziehen, nochmals das
persönliche Fähnchen für die noch vor mir liegenden Rest-Meter abgeholt.
Zwischenstand: Platz 3, 59 km. Nur noch 4 min., hieß es. Ich drückte nochmals
kräftig auf's Gas, denn ich wollte die 60km haben. Vorbei an den vielen
Läufern, die auf Gehen umgestellt hatten oder das Tempo reduziert hatten.
"Du bist ein Tier", rief mir jemand hinterher. Ommmhhhh! Konzentriere
dich!
"Es gibt keine Ziellinie
Im Vollkommenheitsrennen.
Vollkommenheit
ist ein ewiges Rennen!"
Na toll! Mir reichte es jetzt wirklich!
Genug Runden gedreht! Mit 60,366 km hatte ich zwar meine "PB" um 115
Meterchen verfehlt, aber das Ergebnis war viel mehr, als ich in meinen kühnsten
Träumen auszumalen gewagt hätte!
Fazit:
Wenn man die verschiedenen Berichte von Stein liest, lohnt es sich, Nürnberg
weiterhin treu zu bleiben! Eine erstklassige Organisation, erstklassige
Verpflegung (auch dieses Mal in der A....-Kälte!), super Rundenzähler. Nur
einmal hatte meiner mal nicht geguckt und sich infolgedessen gewundert, warum
ich "so ewig" nicht vorbei gekommen war. Doch so konnte der Irrtum schnell
aufgeklärt werden. Der einzige Wermutstropfen war die kurzzeitig läbbrig-warme
Dusche, die sehr schnell kalt wurde.
Doch wie heißt's so schön? Nur die Harten kommen in den Garten!
Ergebnisse der
Simmozheimer Spaßrunners:
27.Heiland Manfred: 62,876 km (10. M S I)
92. Gommel, Achim: 52,214 km (44. MHK)
43. Reim, Annette: 60,366 km (3. WHK)