Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald Die Taussendfüssler
Troisdorf
– ein fröhliches 6-stündiges Rundendrehen um den Block
Wir waren kaum
5 km gefahren, als ein lauter Aufschrei unseres Lauffossils seinen Wagen
erschütterte. „6 Stunden durch ein Wohngebiet laufen! Mädel, warum sagst du uns
das erst jetzt? Wir drehen gleich wieder um!“ Nanu, was war denn jetzt los?
Seit wann stört sich ein Lauffossil mit ca. 68 Marathons unter den Flossen an
so etwas?!??! Wo ist nur das Streben nach Selbst-Transzendenz geblieben? Ganz
ruhig… ommmhhhh….! Das Lauffossil fügte sich seinem Schicksal und fuhr
weiterhin brav nach Norden. Puuuhh… das war knapp!
Nun ist Troisdorf nicht gerade ein
ausgesprochen schöner Ort, doch es gibt noch weitaus größere mentale und
ästhetische Herausforderungen. Man denke da nur an Marl im nördlichen Ruhrgebiet!
Troisdorf ist im Vergleich dazu nahezu pittoresk! Das Lauffossil, erst vom
NYC-Marathon eingeschwebt, konnte sich zum Glück schnell mit dem Aggerdeich
anfreunden, da bei ihm das langestreckte Feld mit dem Wintergemüse doch
tatsächlich Erinnerungen an den New Yorker Central Park hervorrief!
In Troisdorf angekommen, war erst mal
Wiedersehensfreude pur angesagt – neben meinen Internetbekanntschaften aus
Jogmap.de war auch wieder Sauerbraten-Maddin mit von der Partie! Ebenso muss
auch wieder Ingo Schulz auf der Strecke gewesen sein. Doch wer zum Walker ist
Ingo Schulz? Ein Name, den ich schon so oft bei gemeinsamen Trainingsläufen
gehört habe! Ich weiß zwar, dass er der Organisator vom Deutschland- und
Trans-Europa-Lauf ist, habe ihn jedoch – trotz gleichen Ultralauftreffs –
bisher noch nicht kennengelernt. Trotz gleichen Wettkampfs blieb er für mich
auch dieses Mal ein Mysterium, mit anderen Worten, er hat für mich so etwas von
Charlie aus der 70er/80er-Jahre-Serie „3 Engel für...“ den selbigen! Man hört
so viel, doch man bekommt ihn partout nicht zu Gesicht! ;-)
Nachdem ich erst vor zwei Wochen den
Alb-Marathon gelaufen war, war von vornherein klar, dass es mit knapp > 60
km nichts werden konnte. Wenn überhaupt, schienen 50-55 km realistisch zu sein.
Volker wollte so um die 65 km laufen und das Lauffossil strebte nach 3
Marathons in 7 (!!) Wochen die Marathon-Distanz an.
In einer dicken Nebelsuppe wurde das
Rennen eröffnet. Über die Hälfte der Zeit bin ich mit dem Schwabo-Schotten
Hans-Jürgen gelaufen, so dass der Spaßfaktor vollauf gesichert war! Er
brillierte mit Gesangseinlagen und forderte am Verpflegungsstand energisch eine
heiße „Mauldaschesupp“ ein, während ich es mir am Buffet schmecken ließ.
Schließlich zahlt man Startgebühren und der sparsame Schwabe möchte ja auch
dafür was haben! ;-)) Wir waren immer einen Tick zu schnell. Es stellte sich
heraus dass das Liedchen „uff dr schwäb’sche Eisebohne“ vom rhythmischen
Standpunkt betrachtet einen 5:20er-Schnitt verursachte und damit völlig ungeignet
für’s iPödle eines Ultraläufers im Mittelfeld war – sofern man eins hat!
Kurz vor Vollendung der 4. Stunde
schloss das Lauffossil zu uns auf und läutete seine letzte Runde ein, denn in
der heutigen Zeit muss man ja mit den fossilen Energien bewusst umgehen! Das
war für mich der mentale Tritt in den Hintern, nochmals etwas auf’s Tempo zu
drücken. Alb-Marathon hin oder her, aber ich fühlte mich fit! Nachdem sich das
Fossil von der Strecke verabschiedet hatte, lief ich nach Gefühl. Ich hatte
schon längst keine Ahnung mehr, wie viel Runden ich schon hatte, doch die große
Uhr zeigte, dass ich nur minimal langsamer als 6er-Schnitt war.
„Subbbääär loggääär“, hesselte es am
Streckenrand. Jetzt nur noch 4 -5 Runden! Die Zeit ging herum wie nix! In der
vorletzten Runde konnte ich zu Gerhard von meiner virtuellen Laufgemeinschaft
aufschließen. Das bedeutete nochmals Tempo, wobei ich mental zwischen „ooch nö,
nicht schon wieder“ und einem Hoffen, sich den 60 km doch noch mehr als gedacht
annähern zu können, schwankte. Die letzte Runde, bzw. das letzte Stück lief ich
dann wieder in meinem eigenen Tempo. Ich kam an der Stelle vorbei, wo letztes
Jahr der Lauf für mich zu Ende war und gab noch etwas Stoff, in der Hoffnung,
so nahe wie möglich an die Damen-Umkleide heranzukommen. Am Verpflegungsstand
drückte man mir ein gelbes Regencape in die Hand, weil man ja bei Ziel-Schluss
auf die Helfer warten musste, die die Rest-km ermittelten. Ich lief und lief,
so schnell ich noch konnte. Schuss und Schluss (für mich nach 59,177 km, bzw.
für Volker nach grandiosen 65,872 km), Start-Nummernabgabe an Ort und Stelle.
Sofort tauchte eine rheinische Frohnatur auf, die mir meine Nr. abnahm, so dass
ich mich gleich im gelben Sack in Richtung Dusche entsorgen konnte.
Fazit: Ein Lauf um den Block ist zwar
prinzipiell nicht prickelnd, aber nach Troisdorf komme ich immer wieder gerne.
Sehr nette Leute, super Organisation und heiße Duschen für alle! Man kann zu
Troisdorf stehen wie man will, aber es sind doch die inneren Werte, die zählen!
;-))