Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald Die Taussendfüssler

Annettes Bericht vom Karlsruher
Marathon
20. September 2009
Guck' wie's Schneckle schnauft! Es mag es ganz arg, wenn man es krault und massiert!“
meinte eine Besitzerin einer Schneckenfarm im Schwäbischen, die dem SWR-Radioreporter während unserer Rückfahrt von Karlsruhe demonstrierte, dass auch Schnecken Streicheleinheiten lieben, während die angeblich 4-jährige Weinbergschnecke auf ihrer sogenannten Kriechsohle auf der Hand der stolzen „Schneckenbesitzerin“ herumschleimte und dabei – sofern man der Berichterstattung Glauben schenken konnte - wohlig die Fühler emporstreckte. Womit man sich nicht alles die Zeit vertreiben kann, wenn ich daran denke, dass mir vor allem die Nacktschnecken nicht nur ohne Streicheleinheiten, sondern auch noch ungefragt das offene Gartentörchen einrennen! Was das mit dem Baden-Marathon zu tun hat? Eine ganz Menge! So wie die Schnecken, ist's mehr als besch... gelaufen - aber nun von Anfang an:
Ursprünglich wollte ich die 3:45 knacken. Den ersten km bin ich mit einem viel zu schnellen 5er-Schnitt angegangen und bin sodann auch gleich runter vom Gas. Mist, jetzt musste ich auch noch auf's Klo! Einige Läufer strömten zur nahegelegenen Hecke, ich strömte mit und hockte mich in sicherer Entfernung dazu. Bei km 3 hockt sich's eben doch noch besser als bei km 30! Dennoch konnte ich noch zu den 3:44-er-Läufern aufschließen und sogar an ihnen vorbeiziehen, doch bei der berühmten Marathonweiche, hätte ich fast schon Lust gehabt, mich zum Zieleinlauf des Halben einzuordnen. Trotzdem lief alles wunderbar nach Plan, nach jedem km schaute ich auf die Uhr. Halbmarathon-durchgangszeit 1:52 (zwar wie immer, aber egal!). Dieses Mal werde ich nicht langsamer! Na also! Prompt hatte ich den nächsten Getränkestand übersehen, als orientalische Klänge zu hören waren. Eine Tanzgruppe frönte oberkörperwackelnd und mit welligen Armbewegungen dem Bauchtanzen. Komm' das probierst du jetzt auch mal, dachte ich und bekam sogar von den Profis Applaus, während die Zuschauer sich ob meiner läuferischen Tanzeinlage einen abgrinsten.
Mittlerweile wurde es immer wärmer, die 3:44-Tempomacher hatten mich längst wieder überholt und ich soff mich regelrecht von Getränkestand zu Getränkestand. Sach, ma, gibt’s hier keine Cola? Nee iss nicht! Stand ja auch nicht in der Ausschreibung! So'n Käse aber auch! Bei km 25 fühlte ich mich wie sonst bei km 33. Aus den Lautsprechern tat Nicole Scherzinger von den Pussy Cat Dolls verzweifelt kund, dass sie es einfach nicht mehr erträgt. Das ging mir ähnlich, denn es folgte eine steile Brücke.
Meine Beine drohten schon mal ganz leise, mir ihren Dienst zu quittieren! Na toll! Mit Mantras und vielen Ommmhhhs rettete ich mich in den vergleichsweise einsamen Schlosspark, wo sich die ersten Krämpfe ankündigten. Es gab nur eins, nochmals Tempo rausnehmen und gucken, wie man heile und mit Würde aus dieser Situation herauskam! Allerdings: bekanntlich habe ich meine Prinzipien! Mag ja sein, dass ich mich wie das vorgenannte Schneckle nach einer Massage (und viel Cola) gesehnt hatte und mir es miserabel gelaufen war, aber: Uschisocken und ein Läufer im Bayern-München-Trikot kamen an mir nicht vorbei! Jawoll!
Während ich auf den letzten 10 km dem Ziel entgegenschlich, schien Manne der Aufstieg in die AK 50 mal wieder Flügel zu verleihen. Frei nach dem Motto „je oller, je doller“ legte er einen super Lauf hin. Albert und Achim waren längst ins „Runner's Heaven“ geschwebt, wobei Ersterer mit seinem Halbmarathon nicht ganz zufrieden war und Letzterer als einziger Spaßrunner über eine neue Bestzeit jubeln konnte.
Am Marktplatz war Halli-Galli, die Zuschauer machten mir ganz schön Beine! Mittlerweile wurde ich auch von den 3:59-Zugläufern überrundet (****grummel***), als ich wieder ein Wadenwuppen vernahm, doch ich schaffte es gerade noch, meine Zwangs-Gehpause bis zum Ende des Zuschauerspaliers hinauszuzögern. Jemand rief: „bleib jetzt ja nicht stehen!“ Jaja, ich weiß... und trottete weiter.
Dann kam's von hinten: „naaaa, jetzt sind wir gefühlt bei km 96! Ommmhhh!!!“ Nicht zu fassen, Gerhard, das Lauffossil – entspannt und gechillt wie immer! Der kam gerade rechtzeitig, denn am liebsten wäre ich die restlichen 4 km ins Ziel GEGANGEN, doch das kam natürlich nicht in Frage, jetzt gleich zweimal nicht!!! Dass 4 km soooo lang sein können... Nochmals Uschisocken mit meinen Kriechsohlen einkassiert, denn nur die Staffelläufer „durften“ uns jetzt noch überholen! Km 41/42 der Super-Gau: Nordic-Walker VOR uns im Feld! Auch wenn ich selbst regelrecht am am Stock ging... DAS konnte es nun wirklich nicht sein! Vorbei mit Kurs auf's Stadion – schon wieder Nordic Walker! Jetzt im Nachhinein glaube ich sogar, dass sie mir die Kraft gaben, mich nochmals zusammenzunehmen, denn der Einlauf im Stadion war nahezu krampflos! Zusammen mit dem Lauffossil kam ich nach 4:05 Stunden ins Ziel.
Fazit: Dieser Marathon war mit Abstand mein Schwierigster und der Miserabelste. Mein Liste der Ausreden, warum es in der 2. Hälfte nicht lief, ist endlos – nach den urlaubsbedingten Temperaturstürzen nun doch wieder hochsommerliche Temperaturen, kein Cola, blablabla, kurzum, es war einfach nicht mein Tag! Doch zum Glück gibt’s ja noch mehr Marathons...
Ergebnisse von den Simmozheimer Spassrunner
Marathon:
Manne Heiland 3:17:40; 114.; 11. M50
„Lauffossil“ Gerhard Schorr 4:02:20; 719; 78. M50
Annette Reim 4:05:33; 73.; 23. W 40
Halbmarathon:
Achim Gommel 1:41:51; 942; 117. M30 (PB)
Gärtner, Albert 1:25:14; 129.; 23. MHK