Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald  Die Taussendfüssler

 

 

 Friedemann berichtet vom  24. Stundenlauf Delmenhorst  20./21. 06.

Am Wochenende fand in Delmenhorst bei Bremen die 1. Deutsche 24h-Challenge statt. Diese soll 2010 und 2011 wiederholt werden und den Weg bereiten zu der 2012 geplanten ersten offiziellen Deutschen Meisterschaft des DLV in dieser Disziplin. Zu der Veranstaltung hatte sich fast der gesamte 24h-Nationalkader eingefunden.

10 Tage vor dem Start hatte ich meine Teilnahme bereits abgesagt, mich dann aber doch zu einem Startversuch entschlossen, da die Beschwerden, die mich seit der Welt- und Europameisterschaft in Bergamo Anfang Mai quälten, von Tag zu Tag geringer wurden.

Das Wort "Sensation" sollte man nicht überstrapazieren, aber in Bezug auf meinen Erfolg in Delmenhorst ist es mehr als gerechtfertigt. Für mich sowie für Betreuer und Mitläufer grenzt es an ein Wunder, dass ich nach meinen Verletzungen und dem dadurch verursachten Trainingsrückstand überhaupt durchlaufen konnte, und dann noch 228,137 km!

Zunächst lief ich im Feld der 33 Starter im Elitelauf (plus 41 Läufer im offenen Lauf) sehr verhalten auf der genau 1000 m langen Runde und befand mich nach 6 Stunden und 61 km an Position 15. Nach 12 Stunden und 117 km hatte ich mich bei gleich bleibendem Tempo auf den 3. Gesamtplatz vorgearbeitet. In der 18. Stunde musste der führende Läufer aufgrund von Knieproblemen das Rennen beenden und der Zweitplatzierte wurde zunehmend langsamer, so dass ich die Führung übernehmen konnte. Zu diesem Zeitpunkt lag ich noch voll auf Kurs 230 km. War es bis dahin vor allem ein Kampf gegen meine schmerzenden Füße gewesen, so machte sich in den letzten Stunden der Trainingsrückstand deutlich bemerkbar. Ich musste das Tempo drosseln, ab und zu eine Runde zügig gehen und konnte dann durch einen Kraftakt in der letzten Stunde doch noch nahe an die 230 km heranlaufen. Den Vorsprung auf den Zweitplatzierten konnte ich noch auf knapp 15 km ausbauen.

Erst langsam realisiere ich, was in Delmenhorst passiert ist: eigentlich unmöglich nach durchschnittlich 32 km pro Woche in den letzten 7 Wochen! Heute, drei Tage danach spüre ich vor allem die Auswirkungen meiner 5 (fünf!) Stürze über die "Füße" der Absperrgitter: Prellungen an Schulter, Hüfte, Knie, rechtem Mittelfinger und Abschürfungen am Nasenrücken. Das linke Sprunggelenk (Deltaband)  ist zwar geschwollen, aber (noch) nicht schlechter als vor dem Lauf, links sind die Beschwerden an der Scheinbeinkante (shinsplint) bisher noch nicht wieder aufgetreten.

Werde mich also nun 4 Wochen ausführlich kurieren und regenerieren, dann folgt 3 Wochen Aufbau- und anschließend 8 Wochen Spezialtraining für die Deutschen 100 km-Meisterschaften am 3.Oktober in Ahrweiler. Dort wird zum ersten mal seit Jahren wieder einmal eine Mannschaft des VfL Ostelsheim an den Start gehen!

Viele Grüße

Friedemann