Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald  Die Taussendfüssler

 

 

 Auch der schönste Alb-Traum hat mal ein Ende!

Wer mir noch vor wenigen Wochen gesagt hätte, ich wurde den Alb-Marathon laufen, den hätte ich für verrückt erklärt. Bis dann der Vorschlag von Jörg kam, mit dem ich in den Mittagspausen öfters mal eine Runde um die Bärenseen ganz in der Nähe meines Büros drehe. Immerhin sei das doch ein gutes Rennsteigtraining und sicherlich sehr spaßig, meinte er.

Ich musste zunächst die ein oder andere Nacht darüber schlafen. Allein der Gedanke an 1070 Höhenmetern ließ einem fast schon schwindlig werden, denn so schlimm geht’s nicht mal am Rennsteig oder in Biel zur Sache! Ja.... DAS wird bestimmt spaßig und nach meinem misslungenen Baden-Marathon war es höchste Zeit wieder zu meiner altbewährten unkonventionellen Laufeinstellung zurückzukehren: es einfach laufen lassen (also das Läufchen selbst! ;-)) statt wie in Karlsruhe vor lauter Bestzeitenhype dauernd auf die Uhr zu gucken und vor allem viel zu schnell loszulaufen! Wie auch immer: Karlsruhe war gestern, heute ist der Alb-Marathon, wobei sich auch meine Spaßrunners vom Lauftreff, die bald in New York laufen werden und somit für den Alb-Marathon entschuldigt waren, ein Grinsen nicht verkneifen konnten, wissen sie doch nur zu gut, wie ich Steigungsmemme immer die Quälix-Magath-Runde hinter ihnen rauf hechele. Nach dem Motto „jetzt erst recht“ meldete ich mich auf dem letzten Drücker online an.

Nur: wie wird das Wetter? Die Vorhersage verhieß nun wirklich nichts Gutes! „Ich hab' nichts zum anziehen“ ist ja schon längst zum geflügelten Wort geworden, doch nun schlugen sich auch die Herren der Schöpfung mit der Frage herum: „Was ziehe ich an?“ Jeder hatte noch schnell die Kristallkugel seines Vertrauens konsultiert – doch egal ob „wetter.com“ oder „wetter.de“, es versprach ideales Laufwetter zu werden!

Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Wir verkrümelten uns in den hinteren Bereich. Nur nicht zu schnell anfangen, gell??? Noch schnell einen jungen Felsen aus meinem Schuh geschüttelt und schon ging's auf Berg Nr. 1, wobei wir mit dem Hohenstaufen das Vergnügen hatten. Jörg genoss die Leichtigkeit des Seins, doch auch ich kam gut in die Gänge. Es folgte eine Bergabpassage, wo ich wieder zu ihm aufschließen konnte. Doch der Berg Nr. 2 – der Rechberg hielt besonders nette Steigungen parat. Jörg, der immer noch leicht wie eine Gazelle die fiesesten Steigungen erklomm, musste ich etwa bei km 23 ziehen lassen. Inzwischen hatten die meisten Läufer auf Gehen umgestellt, denn es war, als wurde man eine glatte Wand hoch müssen. Gleich hatten es die Rechberg-Läufer (die 25-km-Läufer) geschafft, wobei ich noch nie einen Lauf erlebt hatte, bei dem die meisten Läufer ins Ziel gingen!

Inzwischen war die Auswahl an den Verpflegungsständen größer geworden. Da war er also – der berühmte Haferschleim! Nichts für's Auge, sieht aus, wie schon mal gegessen! Doch das soll ja der Treibstoff schlechthin sein! Die Aussicht, dass einem die fiesen Steigungen noch bis km 30/33 den Lauf versüßen werden, ließ einem jegliche Abneigung überwinden! Zwar war das kein ausgesprochenes Geschmackserlebnis, aber wenigstens hatte das Gesöff nichts mit Schleim zu tun – im Gegensatz zu Tomaten, wo innen drin ja wirklich nur Schlonz ist!

Als Nächstes wurden wir Läufer von einem Schild mit einem Bus und einem Links-Pfeil irritiert. Also... aufgeben wollten wir nun wirklich nicht! Wo bitte geht’s weiter? „Do musch na!“ Also doch bergab! Wehe, ich muss die ganze Chose wieder zurück, weil es womöglich doch falsch war! Ich konnte zu einem Läufer aufschließen, der mir auch gleich versicherte, dass ich auf dem richtigen Weg bin! Naja, mein Orientierungssinn ist eher suboptimal, so dass Nachfragen durchaus Sinn macht!

Alle guten Dinge sind drei, vor allem wenn es Berge sind! Der Dritte im Bunde der Kaiser der Lüfte war also der Stuifen, wo es wieder senkrecht nach oben ging – diesmal sehr crossig – sozusagen die vertikale Antwort auf den Bieler Ho-Chi-Minh-Pfad, wobei mir schon der Gedanke, auf allen Vieren da hoch zu krabbeln, gekommen war!

Sofort gehen und Kräfte sammeln für den Schluss-Spurt, befahl ich mir. Inzwischen war vielerorts die Cola ausgegangen, aber wir hatten ja den „leckeren“ Haferschleim.... Nun ging's crossig bergab, man musste höllisch aufpassen, dass man nicht umknickte oder gar hinfiel. Als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte, kamen mir zwei bekannte Gesichter entgegen – Jürgen Baumann und Roland Riedel – wie klein ist die Welt! Wieviele km ich laufen musste, um dorthin zu kommen, wo ich die beiden sah, mochte ich mir erst gar nicht ausmalen.

Km 34/35 ging's immer noch bergab, allerdings war die Strecke wieder vertrauenswürdiger, so dass ich – mit frischem Treibstoff versehen – wie eine gesenkte Sau den Berg hinunterheizen konnte. Allerdings: ich war schon wieder allein auf weiter Flur, doch es kam wieder eine Km-Marke, also alles im grünen Bereich. Ich heizte weiter, so schnell mich meine Beine trugen und bei km 39 dachte ich, so könnt's ewig weitergehen! Km 40! Ab jetzt wird es einstellig! Jau! Marathon-Durchgangszeit 4:28. Verpflegungsstand – wieder keine Cola! Nur noch 5 km, die sich allerdings wie Gummi hinzogen. Km 49! Ein Streckenposten rief „nur noch 700 m!“ Nach 5:19 war's endlich geschafft!

Fazit: Der Alb-Marathon ist ein ultra-schöner Landschaftslauf. Das einzige, was anzukreiden wäre, war der verwirrende Wegweiser zu Beginn von km 26, bzw. der akute Cola-Mangel, der jedoch durch das heiße Duschwasser bei weitem aufgewogen war! Was noch zu klären wäre, ist, ob der Haferschleim am Rennsteig wirklich der Bessere ist! ;-))

 

Ergebnisse:

 

34. Michael Wieland, Therme Böblingen (8. M 45) 4:10:25

94. Roland Riedel, Adler Bottrop ( 19. M 45) 4:38:52

109. Jürgen Baumann, Sulz am Eck (24. M 45) 4:42:27

137. Klaus Schinker, Therme Böblingen (23. M 35) 4:49:36

179. Stefan Merz, Therme Böblingen (30. M 50) 4:57:35

236. Uwe Just, Therme Böblingen (49. M 45) 5:11:56,2

237. Holger Bense, Therme Böblingen (50. M 50) 5:11:56,3

238. Ralf Windisch, Therme Böblingen (62. M 40) 5:11:56,3

347. Andreas Leutwein, Therme Böblingen (58. M 50) 5:39:56

399. Ekkehard Hanke, Therme Böblingen (95. M 45) 5:55:03

 

11. Hilde Wieland (5. W 40) 4:51:04

32. Annette Reim (8. W 40) 5:19:07