Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald Die Taussendfüssler
On the Highway to Hell - ääähhh Troisdorf
Anfang letzter Woche bekam ich eine E-Mail von unserer
Heike, die ja in letzter Zeit mit so manchem 24-Stunden-Lauf sehr erfolgreich
unterwegs war! Ob ich denn Lust, auf einen „Mädels-Ausflug“ zum 6-Stunden-Lauf
nach Troisdorf hätte? Ich kam nicht umhin, mich zu fragen, ob sich denn das für
Heike überhaupt lohnte, sich wegen der läppischen 6 Stündchen überhaupt
einzuschwitzen, bzw. musste ich erst mal map24.de bemühen, um herauszufinden,
wo Troisdorf überhaupt liegt. Mit einer Entfernung von über 300 km, bzw. über
der Mainlinie liegend also in „Norddeutschland“! ;-)
Ich meldete mich also gleich in Troisdorf als „Simmozheimer
Spaßrunner“ an (was mache ich da eigentlich gerade?!?!) Bei der Anmeldung
konnte man sogar Musikwünsche äußern. Mein erster Gedanke war „Highway to
Hell“, doch das stand schon auf der Wunschliste! ;-)
Eigentlich ist jetzt Regeneration angesagt und ich
verrücktes Huhn entschließe mich zu einem 6-Stunden-Lauf! Heike und ich waren
jedoch der gleichen Ansicht, dass wenn man sich fit fühlt, man ruhig auch
laufen kann. Na, da haben sich ja zwei gefunden! ;-)
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion trafen wir uns auf einem
McDonalds-Parkplatz nahe der Autobahn und nahmen auf der freien Autobahn Kurs
nach Norden. Wir lagen super in der Zeit, so dass wir gemütlich unsere
Startunterlagen abholen und noch eine Kleinigkeit essen konnten.
Das Wetter versprach uns einen Sonnen-Wolkenmix mit leichtem
Regen. Tatsächlich war es jedoch kühl und regnerisch, so dass ich zunächst doch
lieber mal in „Lang“ lief. Ich freute mich schon auf die ausgeschriebenen „2,5
km auf landschaftlich schönem Rundkurs, absolut flach, nicht windanfällig, 80 %
asphaltiert, 20 % wassergebunde Decke auf Deichkrone.“ Ich war schon sehr gespannt,
was mit Letzterem gemeint war!
Wir fanden uns alle im Startbereich des Aggerstadions ein.
Der Stadionsprecher hielt eine kurze Begrüßungsrede. Seiner Aussage, wir hätten
ja alle eifrig auf diesen Lauf trainiert, folgte ein riesen Gelächter, denn
trainiert hatten offensichtlich die wenigsten! Normalerweise schenke ich derlei
Tiefstapelei keinen Glauben, aber diesmal hatte ich mich ja auch nur
regeneriert, bzw. nur bis Mitte Oktober trainiert und der letzte lange Lauf
dürfte Mitte September gewesen sein.
Schnell noch die Laufjacke übergeworfen und los ging's.
Heike und ich liefen zusammen. Die erste Runde war ruckizucki vorbei. Am Buffet
war ein
Gedränge wie in einem Clubhotel auf Malle. Heike und ich hatten unsere
Sporttaschen am Streckenrand platziert, so dass ich gleich meine Laufjacke
loswerden konnte. Kaum hatte ich mich derselbigen entledigt, fing es an in
Strömen zu regnen, doch die Temperaturen waren ideal. Der extra angeheuerte DJ
sorgte für das Wunschkonzert, während der Stadionsprecher seine Kommenatorbegabung
voll ausleben konnte. Es war nur schade, dass er dafür jeden Song abwürgte.
Heike gab mir viele wertvolle Tipps während unserer
gemeinsamen Runden. Sie hatte ein angenehmes Tempo, so dass ich gut dabei
bleiben konnte. Ab und zu sah sie ein bekanntes Gesicht, während mir alle noch
fremd waren - bis auf Maddin, den ich beim diesjährigen Sauerbratenlauf kennen
gelernt hatte. Alles in allem lief es zunächst recht fluffig. Der strömende
Regen konnte uns nichts anhaben. Andererseits, wenn das hier so weiter geht,
müssen wir noch schwimmen! Die
„wassergebunde Decke auf Deichkrone“ war übrigens nichts anderes als ein
aufgeweichter Trampelpfad, der so manche Uschisocken braun einfärbte, kurzum,
wir sahen aus wie Schweine!
Als ich gefühlt zwei Stunden unter die Hufen gebracht hatte,
waren es tatsächlich 2,5! Dem Stadionsprecher schien der Begriff „Simmozheimer
Spaßrunner“ sehr gut zu gefallen, allerdings tat er sich mit der Aussprache des
Wörtchens „Simmozheim“ noch etwas schwer. Doch es klappte bei ihm von Mal zu
Mal und mit abnehmendem Regen immer besser!
Gleich nach Beginn der „2. Halbzeit“ fiel mir auf, dass ich
immer einen Schritt hinter Heike lief und es mir immer schwerer fiel, mit ihr
auf einer Höhe zu bleiben. Wir kamen wieder ans Buffet, das Heike wieder links liegen ließ. Ich gab ihr
ein Zeichen, dass sie nicht auf mich warten soll, denn mittlerweile hat die
versprochene Sonne hervorgeguckt, so dass ich mich schnell in meine Kurztight
zwängen musste. Kaum war ich wieder auf der Piste, hatte der Stadionsprecher
gleich einen passenden Kommentar parat, wobei ihm das Wörtchen Simmozheim nun
mühelos gelang.
Meine Uschisocken hatten nun ihren ultimativen Härtetest,
doch ich zweifelte zunehmend daran, ob man damit wirklich das bessere Geschäft
macht, wenn man in den Wadln zwar nichts merkt, dafür aber weiter oben in den
größeren Muskelgruppen. Egal, weiter geht’s.
Allmählich kam man auch mit anderen Läufern ins Gespräch,
wobei mir schnell auffiel, dass dort grammatikalisch einwandfreies deutsch
gesprochen wird! ;-) „Du sollst laufen und nicht quasseln!“, rief mir
Sauerbraten-Maddin grinsend zu. Langsam wurde es auch Zeit für die ersten
Mantras, denn ab der 4./5. Stunde fing es an, hart zu werden. „Yes, I can!“
impfte ich mir ein und versuchte ein Wohlfühltempo zu finden. Ich hatte einige
Läufer beobachtet, die es zu schnell angegangen sind und die Endphase nur noch
gehend bewältigen konnten.
Heike überrundete mich zweimal, sie lief wieder wie eine
Eins! Ich nahm mir vor, mir gleich nach dem Lauf eine Massage zu gönnen. Die
Endphase rückte immer näher und ich konnte noch eine Runde abschließen. Es
waren jedoch immer noch 10 min. übrig, d.h. ich entfernte mich mehr und mehr von meiner lang ersehnten Massagebank!
Mit anderen Worten, ich kam mir vor wie bei der „Reise nach Jerusalem“! Dennoch
zwang ich mich, nochmals Stoff zu geben, denn wenn mir wie beim letzten Mal
wieder nur wenige Meter fehlen, ist das Gejammer groß! ;-)
Mit 58,656 Km bin ich bei den Damen 11., bzw. 4. in meiner
AK geworden. Damit hat es zwar nicht zum „Ultrabestergebnis“ gereicht, doch ich
konnte dafür auf Anhieb die einzige Massagebank ergattern! ;-)

Bericht :Anette Reim