Hallo liebe Familie, Freunde und Laufinteressierte,

mit zwei Tagen Abstand zum „Lauf meines Lebens“ nun ein Bericht über den Ausflug nach Palermo:

Julia Alter, eine sehr erfolgreiche Berg- und Geländeläuferin aus Mannheim und ich waren dem Winter in Deutschland mit Minusgraden entflohen und fanden im sizilianischen Palermo am Start um 12:00 Uhr sonnige 16-18 Grad vor. Dazu leichter Wind, der nicht störend sondern eher erfrischend wirkte. In der Nacht sank die Temperatur auf geschätzte 10-12 Grad. Auch der befürchtet Regen blieb während der gesamten 24 Stunden aus - so habe ich die Wetterbedingung als optimal empfunden.

Nach der ersten Stunde befand ich mich mit 10 gelaufenen km an 10.Position im Feld der 30 Läuferinnen und Läufern. Nach 6 Stunden hatte ich 61km und Rang 7 inne. Alles lief nach Plan - bis zur Halbzeit spulte ich weitere 58km runter und war dann bei exakt 119km und bereits auf dem 5.Rang vorgelaufen.  Der nächste 6 Stunden-Abschnitt brachte dann noch einmal 56km und die 2.Platzierung. In den letzten 6 Stunden  konnte ich dann noch einmal 59km sammeln und als Lohn neben dem Gesamtsieg mit Bahnrekord (bisher 217,287km), neuer persönlicher Bestleistung auch die begehrte Qualifikation für die 24-h-World und European Challenge am 2./3.Mai 2009 in Bergamo/Italien mit nach Hause nehmen!

 

Es waren 30 Läufer am Start des „Stadio delle Palme“ inmitten von Palermo, wunderschön an einem Bergmassiv gelegen. Neben uns beiden Deutschen war noch ein Österreicher am Start und unter den Italienern auch einige Läufer, bei denen der Saisonhöhepunkt vor 6 Wochen in Seoul wie bei mir nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hatte. So hatte ich vor allem in Eugenio Cornolti einen ernsthaften Kandidaten um den Gesamtsieg. Dazu kamen weitere 4 Läufer, die bis zur 15 Stunde vor mir lagen, ging es bei den Italienern auch noch um die italienische 24-h-Bahn-Meisterschaft. Nach der 15 Stunde (= 3 Uhr nachts) kletterte ich stündlich um einen Rang nach oben und hatte mich nach 18 Stunden auf dem 2. Rang geschoben. Einzig der starke Cornolti lief locker und gleichmäßig noch ca. 3 Stunden im Abstand von 2 km vor mir her. Dann zeigte auch er Ermüdungserscheinungen und ich konnte ihn drei Stunden vor Wettkampfende ein- und überholen. Er blieb aber hartnäckig noch eine gute Stunde an meinen Fersen. Nach 22 Stunden hatte ich 213,5 km zurückgelegt und nun die Gewissheit, die 230 km auf jeden Fall zu schaffen; so verschärfte ich das Tempo und konnte in den letzten beiden Stunden noch einmal jeweils 10 km zurücklegen und Cornolti abschütteln. Im Ziel habe ich dann nicht einen enttäuschten Lauffreund angetroffen, sondern einen überglücklichen Zweiten, der sich riesig über seine Leistung von 230,507 km freute und sich überschwänglich bei mir bedankte, dass ich ihn zu dieser Leistung „mitgezogen“ hatte.

 

Unsere Betreuung hatte Christian Fatton, der Freund von Julia Alter, übernommen - er kümmerte sich rührend auch um mich. Neben optimaler Flüssigkeits- und Nahrungsversorgung wurden wir von ihm stündlich mit genauen Angaben über Position und Abstand zum vor/hinter uns laufenden Läufer versorgt.

 

Parallel zu unserem Wettkampf fand auf den drei Innenbahnen ein Staffelrennen statt, bei dem jede Mannschaft jeweils einen Läufer für eine Stunde stellte. Dazu kam eine Bambini-Staffel nachmittags dazu, bei der auf der Außenbahn die Kleinen jeweils eine Runde liefen, bis die Marathondistanz erreicht wurde. So war viel Ablenkung und Abwechslung geboten und durch die Staffelwettbewerbe waren auch etliche Zuschauer anwesend.

 

Jetzt ist auch für mich - endlich - das Laufjahr zu Ende: mit allen drei gelaufenen 24ern (Basel 223,843km, Seoul 211,517km und Palermo) habe ich mich unter die 16. besten Leistungen in der Deutschen Bestenliste gelaufen; die 233,825km von Palermo bedeuten den Sprung von Platz 8. auf Platz 5. der Deutschen Bestenliste; in der  Jahres-Weltbesten-Liste stehe ich nun auf dem 33. Platz.

Für diese Ergebnisse war seit Dezember 2007 aber auch ein sehr hoher Trainingsaufwand von rund 5.400km notwendig – soviel wie in keinem Jahr zuvor!

So freue ich mich jetzt auf eine ausgedehnte Regeneration und bin froh, dass ich in Palermo nur kleinere Blessuren davongetragen habe!

Viele liebe Grüße und nochmals vielen Dank für alles Mitfiebern,

 

Friedemann