Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

  Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten   haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen   austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz   besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang  alleine auf weiter Flur laufen möchten.

 Auf zum fröhlichen Treuepunktesammeln!

Der Wecker klingelte um 8:00 Uhr, als es draußen wie aus Kübeln schüttete. Mein Mann wünschte uns süffisant grinsend jetzt schon viel Spaß und meinte, dass - jetzt wo schon mal seine verrückte Frau beim Ostelsheimer 5-Stunden-Sponsorenlauf weilt - er heute auf das Sonntagsläufchen verzichten werde! Hat er mir was verschwiegen und kommt ursprünglich doch aus Luschendorf im Holsteinischen? Nun ja, noch war nicht 10:00 Uhr, noch war kein Start!

b

Gerhard holte mich pünktlich ab und ab ging's nach Ostelsheim, wo wir unser restliches sponsorloses Team der "Simmozheimer Spaßrunners" trafen. Plötzlich sprach mich eine Frau an und streichelte mein Ego so sehr, dass ich mich gleich 10 cm größer fühlte! Sie meinte, ich sähe wie ein Profi aus, ob ich denn schon einen Sponsor hätte und ich evtl. nicht für das "Network for Kids" mitlaufen möchte! Wow, was für eine Ehre! Nachdem meine holde Errötung etwas abgeklungen war, erzählte ich ihr, dass ich noch mehr Verrückte im Schlepptau habe und schwupps waren wir bei den Networkern eingemeindet!

Bei der Anmeldung mussten wir sogenannte Rundenkarten mit unserem Namen, Jahrgang, Name des Teams usw. ausfüllen. Das Ganze funktionierte wie beim Treuepunkte sammeln, denn diese Karten mussten nach jeder gelaufenen Runde (also etwa 570 m/Runde) zum Abstempeln vorgelegt werden, so dass hinterher die gelaufenen Gesamtrunden ermittelt werden konnten.

Pünktlich zum Start hörte der Regen auf und mit knapp 20 °C hatten wir nahezu ideales Laufwetter! Gerhard und ich liefen wieder zusammen, wobei sich Gerhard mitten in einem harten Kampfwochenende befand. Gestern hatte er auf dem regionalen Centre Court noch sein letztes Tennis-Match der Saison, abends ging's noch nach Calw zum Konzert von Udo Lindenberg und last, but not least, der heutige Sponsorenlauf. Heute Nacht wird er sicherlich besonders gut schlafen....

Jetzt kann man sich fragen, wie man es nur schaffen kann, wie bekloppt so viele Runden zu drehen, doch das Ganze gestaltete sich wieder äußerst kurzweilig, denn es waren viele schillernde Persönlichkeiten dabei. Die Gastgeber Ostelsheim warteten wieder mit ihren weißen Massais um ihren kaffeebraunen Jambo-Kenya-Läufer Armin Gotsch auf. Das sind wahnsinnig talentierte Läufer, so dass man vergisst, den Mund wieder zuzumachen! Das Gleiche gilt für Heike und Friedemann. Die beiden liefen und liefen. Ermüdung oder gar Einbrüche? Für die beiden Fremdwörter! Dann waren noch viele kleinere Kinder mit ihren laufenden Eltern mit von der Partie - Wahnsinn, was die Kleinen schon drauf hatten! Dann gab's noch einen Läufer im Laufkostüm - Freddy Mercury's still alive!!! Dann gab's natürlich noch Hot-Socks-Günti, der wie ein Uhrwerk lief! Was für ein Talent! Ich weigere mich jedoch, zu glauben, dass es an den Uschisocken liegt! Sogar ein Musikverein war im Walkingschritt auf der Laufstrecke und bot - als Ergänzung zum Disco-Sound aus den Lautsprechern - deutsche Volksmusik dar. Selbstverständlich sammelten sie ebenfalls ihre Treuepunkte!

Nach 40 Runden und etwa 2,5 Stunden war das rote Bonuskärtchen voll, d.h. man musste es im Wettkampfbüro abgeben und sich ein Neues geben lassen. Gefühlsmäßig sehr tückisch, denn wenn's läuft, läuft's ewig, wenn man Standpausen hat, jammern die Beine. Zeit also für die ersten Mantras - nach der Runde ist vor der Runde! Gerhard und ich versuchten, gesanglich unsere Lauffreunde zu motivieren: "Wenn du duuuurchhängst, gibt's nichts Stärkeres als uns drei (oder 4 usw.), alles andere geht uns am A.... vorbei!" Ein Läufer meinte "wie ordinär!" Der kannte wohl den Udo Lindenberg nicht! Dieter Bohlen hätte an uns "Ultra Starlet Singers" seine helle Freude gehabt! Naja... irgendwie klangen wir wohl eher wie Cindy und Bert der Laufszene. Man hörte nur die Cindy, jedoch nicht den Bert!  Der geneigte Leser – erinnert sich sicherlich an das Schlagerduo aus den 70ern! Freddy Mercury überrundete uns - Show must go ooon - show must go ooon! Keine Ahnung, wie oft Jambo-Kenya mit seinen Massais an und vorbeizog! Egal, jeder so wie er kann!

Leider gab es eine erhebliche Verpflegungspanne. Ein Stückchen Banane zwischendurch hätte uns sicherlich gut getan, doch es gab zumindest während des Laufs nichts zum Essen. Ersatzweise mit Apfelschorle wollte ich meinen Kohlehydrathaushalt entsprechend aufstocken, doch nach etwa 3:30 Stunden war auch das nicht mehr erhältlich. Stattdessen gab's nur Mineralwasser oder "Hohnewasser". Zum Glück hatte ich vorher  gut gefrühstückt! Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Organisatoren nicht damit gerechnet hatten, dass es solche Verrückte gibt, die die 5 Stunden komplett durchlaufen! Nun ja, wenn man sich 5 Stunden in den Kopp gesetzt hat, dann meint man halt auch 5 Stunden!

Nach knapp 4 Stunden wurde es Zeit für einen Boxenstopp. Ich brauchte eine neue Bereifung und frische Klamotten. Die Sonne guckte hervor und gleich wurde es wärmer. Meine Sauconies mussten nun auf die Ersatzbank und meine Adidas wurden eingewechselt. Kurz drauf verabschiedete sich Gerhard von uns, bzw. unser Team dünnte sich merklich aus. Manne musste auf seine lädierte Achillessehne Rücksicht nehmen, so dass nur noch Günter und ich übrig blieben. Mein Ziel war es nun, auch mein 2. Kärtchen mit Treuepunkten voll zu bekommen. Noch etwa 8 min. waren zu laufen. Ich konnte sogar noch eine weitere Runde dranhängen, doch für die allerletzte Runde mussten wir im Start-/Zielbereich warten, bis alle da waren, so dass der ganze Läufertross das Finale gemeinsam bestreiten konnte. Wie gesagt, solche Stehpausen sind tückisch. Als der Startschuss für's Finale fiel, fiel mir nur eins ein: aua! Ein letztes Mal also nochmals die Zähne zusammengebissen, und endlich war es nach 82 Runden, also knapp 47 km geschafft!

 

Annettes Lauferlebnisse vom 5 Stundenlauf in Ostelsheim
Bericht: Annette Reim
Bilder: mit freundlicher Genemigung von Günter Krehl VFL Ostelsheim