Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

  Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten   haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen   austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz   besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang  alleine auf weiter Flur laufen möchten.

Ein ganz besonderes Erlebnis Rothaarsteiglauf 2008

Erstmal müsste geklärt werden wie eine Schwäbin zum 3-Tageslauf ins Sauerland kommt, klar mit dem Zug! Naja, das auch, aber der Ursprung lag darin das Volker mich überzeugte Anfang Dezember 2007 beim Siebengebirgsmarathon mitzulaufen. Dort habe ich Martin „bestes Mattin wo gibt“ (lt. Gaby Werwolf) kennen gelernt. Während des Laufes schwärmte er mir vom Rothaarsteiglauf vor, den er gerade vorbereitete. Die Fakten gleich mal vorweg, ca. 160 km, verteilt auf drei Tage und natürlich ein paar wenige (!!!) Höhenmeter, ca. 3.300. Er schwärmte so sehr, dass sogar ich Lust auf einen Lauf entwickelte der kreuz und quer durch die Berge führt und das will was heißen. Es gab nur ein Problem, der Lauf ist privat organisiert und man(n und auch Frau) muss eine Einladung bekommen um an diesem ganz besonderen Erlebnis teilnehmen zu dürfen. Okay, wenn ich will kann ich auch mal ganz schön nett sein und so kam es das ich in Rodgau gemeinsam mit Mattin gelaufen bin, ein paar Mails hin und her, ein Besuch von Mattin bei uns im Schwabenländle anläßlich Volker´s Sauerbratenlauf und damit hatte ich mein „Ticket“ gesichert.

das Sagen und du machst was ich sage“, Originalwortlaut von Mattin an Heike!!! Also wurde ich zum Küchendienst verdonnert, einkaufen für das Abendessen, kochen für die Gäste usw. Wer geglaubt hat, dass wäre Urlaub für mich hat sich getäuscht. So nach und nach trudelten die anderen Läufer ein, Kerstin, Sabine, Peter, Ralf. Angie und Rene liessen eeeeeeeeewig auf sich warten, sie stecken im Schnee fest! Wo wir gerade beim Schnee sind, „auf Bergheim“ bei Mattin lag kein Schnee, aber das sollte sich noch ändern.

1. Tag

Am Karfreitag gab es bei Mattin noch die „Henkersmahlzeit“, wobei der Kreis der Läufer immer größer wurde. Jens mit Ronja (NEIN, so heißt nicht seine Frau) und Tom hatten sich auch noch eingefunden. Mit den Autos ging`s ab nach Brilon, dort wurde der Läuferkreis noch größer, Jutta, Peter ,Michaela, und Gerd fanden sich ein.

Wie auf dem Bild schon zu erkennen ist lag hier der erste Schnee, nur wenige Zentimeter. Doch so wie uns der Weg Meter um Meter nach oben auf die Berge führte, so steigerte sich auch die Schneehöhe. Wir versanken immer tiefer im Schnee. Unser Lauf artete immer mehr zur Schneewanderung aus. Hoch zu „Borbergs Kirchhof“ und anschließend ging es wieder steil bergab und lange, auweia, das müssen wir nachher alles wieder hoch laufen! Aber die Verlockung war groß, in Form einer  gemütlichen Verpflegungsstation beim Förster Martin. Alle samt wurden wir in die gute Stube gesetzt und mit Leckereien verwöhnt.

Nun kam ein hartes Stück Arbeit, draußen war es nass, kalt, stürmisch, Schneefall usw., also so richtig ekelhaft, es half nichts, raus und weiter laufen, auch wenn es ziemlich weh tat. Es ging natürlich wieder bergauf zum Richtplatz, dort war es zugig und bitter kalt. Sturm Kyrill hat da ganze Arbeit geleistet, es standen nur noch wenige Bäume.  Weiter zum höchsten Punkt im Sauerland, dem Langenberg (843m). Zwischendurch wurden wir immer wieder an unserer mobilen Verpflegungsstation versorgt, dazu später mehr. Immer wieder gab es auf dem Weg von Brilon bis Winterberg Abschnitte mit viel Tiefschnee, ein grandioses Naturschauspiel wurde uns geboten. Sabine (die Deutsche mit der Schweizer Mütze) lies sich immer wieder dazu verleiten Weihnachtslieder zu singen. Kein Wunder bei dieser traumhaften Winterlandschaft. Ronja musste manchmal ihren Kopf ganz schön anheben um überhaupt noch etwas zu sehen.

Nach einer sagenhaften Gesamtlaufzeit von 8:26 Stunden und noch sagenhafteren gelaufenen 48km war der „Streckenrekord“ für diesen Teilabschnitt gebrochen. Meinung aller Läufer die schon ein paar mal mitgelaufen sind: So langsam waren wir noch nie!!! Alle waren wir froh endlich in Winterberg im Schullandheim angekommen zu sein, eine warme Dusche und dann ab zum Essen. Hier gab es die nächste Überraschung, im „uppu“ wurde uns ein tolles Läufermenü serviert. Vorweg eine Suppe, dann ein Salatteller, den Tom nicht wirklich anrührte, er wunderte sich was er mit diesem vielen Grünzeug anfangen sollte. Dann kamen die Nudelvariationen, Spaghetti mit Bärlauchpesto, mit Fisch, mit Tomatensoße, mit Spinat, was das Läuferherz begehrt. Abschließend natürlich noch ein Nachtisch für die Schleckermäuler. Es war ein lustiger Abend, nach einem lustigen Tag. Satt und müde machte wir uns auf den Weg zu unserem Schlaflager, natürlich zu Fuß. Dort verabschiedeten sich Jutta, Michaela, Gerd und Peter, sie hatten nach einem Tag im Tiefschnee genug.

2. Tag 

Nach einer recht ruhigen Nacht ging es zum Frühstück um dann gestärkt dem neuen Tag zu strotzen. Die Wetterprognose war etwas freundlicher als am Vortag und so machten wir uns wieder auf den Weg. Natürlich wieder bergauf entlang einer Langlaufloipe, dann über die Skipiste runter, um auf der anderen Seite dann wieder über den Skihang nach oben zu gelangen.

Immer weiter bergauf zum Kahlen Asten (841m), dem bekanntesten Berg im Sauerland. Hier wurden wir schon von einem freundlichen Wanderer angespornt, doch schneller zu laufen!! Wir kamen uns vor wie beim Ski-Langlauf, wenn Jochen Behle seine Athleten antreibt. Von dort aus ging es relativ flach in einer absolut traumhaften Landschaft zur Lennequelle. Herrlicher Sonnenschein wurde uns beschert, sogar ein Sonnenbad wurde uns gegönnt.

Das nächste Highlight wartete schon auf uns. Eine Hängebrücke, die von fast allen Läufern zügig überquert wurde. Nur für mich stellte es ein kleines Problem dar. Nicht die Höhe schreckte mich aber, das Wackeln der Brücke ist die große Herausforderung. Natürlich hatte ich nur nette und freundliche Läuferkollegen und somit war an ein problemloses Überqueren der Brücke überhaupt nicht zu denken. Von hinten wurde gewackelt und gerüttelt was mir wohl ein paar Geräusche entlockte. Am Ende der Brücke war sich Sabine sicher dass „so schön noch keine gequiekt hat“! Dazu stehe ich, habe immerhin nicht gekniffen.

Weiter im Entenschritt bergaufwärts, hier entdeckten wir etliche Skulpturen, dabei musste Sabine einen Stein aus ihrem Schuh entfernen...

Angespornt vom schönen Wetter waren wir zu etlichen Blödsinn bereit, Peter legte sich öfter freiwillig und auch unfreiwillig in den Schnee. Prima, das verleitete Mattin mich direkt daneben in den Schnee zu werfen, wollten wir nicht eigentlich laufen? Nicht so wichtig, der Spaßfaktor war so groß wie nie.

Der Spaß verging uns dann doch relativ schnell wieder, eine steile Passage zum „Großen Kopf“ wartete auf uns, natürlich im Tiefschnee, was sonst?! Manch einer fragte sich, ob es wohl nicht doch eher „Hohler Kopf“ heißen sollte oder sind wir die mit dem „hohlen Kopf“, weil wir uns das antun? Neeee, bestimmt nicht!!! Es war einfach toll. Dann weiter zur Millionenbank, die hat wohl ihren Namen vom Schmuggel der dort sehr intensiv zwischen dem Sauer- und Wittgensteiner Land betrieben wurde. Dann wartete eine der vielen Verpflegungsstationen auf uns beim Rhein-Weser-Turm. An dieser Stelle sei erwähnt dass wir täglich 4-6 Verpflegungsstationen hatten, an denen wurde bestens für unser leibliches Wohl gesorgt...

Upps!!! Kerstin? Tom? Wo seid ihr? Richtig sind wir hier wohl, aber wo ist das leckere Essen? Waren wir etwa mit unserem Schneckentempo zu schnell? Das kann nicht sein!!! Aha, da sind sie ja, die Lieben, sie haben gefroren weil wir sooooo „langsam“ waren. Okay, die Jungs und Mädels im Versorgungsfahrzeug hatten wirklich ein hartes Schicksal zu bewältigen. Von einem Verpflegungspunkt zum nächsten, ewiges warten, viel frieren, alles hinrichten, dann kommt endlich eine wild gewordene Horde Läufer, isst schnell alles weg und zack, sind sie auch schon wieder fort und hinterlassen eine riesige Sauerei. Hier an dieser Stelle sei allen herzlich gedankt!!!

Endlich war auch am zweiten Tag die Herberge in Sicht, es erwartete uns ein „Heulager“, ihr könnt eure Fantasie schon mal walten lassen! Kerstin verging jegliche Fantasie als sie die Realität sah. Gerne hätte ich ihr Gesicht gesehen, doch leider war ich zu langsam. Doch Kerstins Realität war, anstatt des Heulagers, ein Zimmer im Hotel, warum nur? Schaut selbst und entscheidet dann was ihr getan hättet...

Ab unter die Dusche und dann zum Essen ins Hotel. Ich für meinen Teil kann sagen das ich mächtigen Hunger hatte. Das Essen war prima und anschließend war ich mächtig müde. Ach fast hätte ich es vergessen, die „nackten“ Zahlen und Fakten fehlen noch! 50 Kilometer und wir waren schneller als am Tag zuvor, 7:38 Stunden. Wir hatten uns lange darum gedrückt, ins Heulager zu gehen, es war so bitterkalt dort, jeder war müde, keiner wollte in die Kälte. Außer Kerstin, sie freute sich sehr auf ihr bequemes Bett und das warme Zimmer. Doch es kam anders als sie dachte, eine fidele Rentnermeute war in Feierlaune und raubte somit Kerstin den Schlaf!! Es half alles nichts, irgendwann machten wir uns auf zum Heulager. Es wurden trotzdem noch viele Witze gerissen, u.a. fragte Ralf: „Wo bleiben denn die Beiden?“ Darauf Peter: „Wer, Angie und Rene?“ – „ Nein, die zwei Flaschen Bier aus Kerstins Minibar“. Endlich ging es zu wie bei den Waltons: „Gute Nacht Jim-Bob“ – „Gute Nacht Sue-Ellen“ – „Gute Nacht John-Boy“. Im Heu waren Angie und Rene doch sehr im Vorteil, unser Pärchen konnte sich ganz eng aneinander kuscheln, trotzdem fror Angie die ganze Nacht, Rene was war los? Mit der Kälte hatte ich in dieser Nacht nicht zu kämpfen, eher mit dem Schlaf, ich habe in dieser Nacht gerade mal drei Stunden Schlaf abbekommen. Egal, ein neuer Tag im Tiefschnee wartete auf uns alle, leider sollte die Gruppe wieder kleiner werden. Jens mit Ronja und Tom verabschiedeten sich. Ronja hatte am zweiten Tag ziemlich Mühe und es ging ihr nicht gut. Jens und Tom sahen beim Anblick des Heulagers nicht wirklich traurig aus dass ihnen dieses nette Nachtlager erspart blieb. Leider haben wir mit Tom unseren einzigen „kurze-Hosen-Läufer“ verloren, jetzt waren nur noch wir „Weicheier“ übrig.

3. Tag

Nach einem leckeren Frühstück im Hotel wurden wir auf den Berg hochgefahren, um wieder auf den Rothaarsteig zu kommen. Heute war der Tag der „Quellen“. Doch zuerst ging es zur Ginsburg, keine Besichtigung, schnell weiter, wir hatten eine lange Etappe vor uns. Es war bitterkalt und der Schnee war gefroren. Die Wege total vereist und es war knochenhart zu laufen. Doch bald kam der erste Lichtblick, die 100km-Marke!!! Irgendwie kam es dazu dass der „kleine Ralf“ auf den Stein verbannt wurde. Es ging uns gut, dem Stein hinterher auch noch! 

So nun lange bergab, das machte so richtig Spaß! Die Füße immer schön feste in den Schnee drücken und dann runtersausen was das Zeug hält! Juhu, das war echt klasse, aber super anstrengend! Es ging sogar über eine Rodelbahn nach unten zum Flüßchen Eder, von dort das ganze wieder nach oben, schön langgezogen, immer leicht bergan. Die Landschaft war einfach traumhaft. Wir kamen an der Ederquelle vorbei, dann hoch zur Siegquelle. Nein, nein, wir hatten nicht nur Blödsinn im Kopf!

Hier oben an der Siegquelle hatten wir ein ernstes Thema! Es wurde philosophiert über den „Sinn“ des Laufen´s, es fielen viele Umschreibungen: Blödsinn, Unsinn, Wahnsinn, Irrsinn, Schwachsinn, Stumpfsinn... auch durchaus positive Dinge, wie der Frohsinn und Gemeinsinn! Wir waren auf alle Fälle gut gelaunt und so ging es weiter zur Lahnquelle, von dort aus zur Ilsequelle, schnell ein Glas des gesunden Quellwassers zu sich nehmen und weiter zur Dillquelle. Irgendwo dort oben bin ich dann umgeknickt und habe mir meinen Knöchel verstaucht, Zeit für mich auch mal das Verpflegungsfahrzeug zu steuern und mit Angie gemütlich einen Kaffee/Tee zu schlürfen, das tat gut. Doch es währte nicht lange, ich durfte nur eine Etappe aussetzen (Mattin, du Sklaventreiber!). In Haiger-Rodenbach griff ich wieder an und siehe da. Irgendwo auf den paar Kilometern, die ich nicht mitgelaufen bin, ging der Schnee verloren!!! Strahlender Sonnenschein und Wanderwege ohne Schnee, was war denn hier los? Eine völlig andere Landschaft zog uns in seinen Bann und so waren die letzten ca. 20km bis Dillenburg ein leichtes. Ein leichtes? Was wäre ein Lauf bei Mattin im Sauerland ohne Anstiege? Also vom Tal unten rauf zur Dillenburg und ich sag euch, diese Anstrengung hat sich wirklich gelohnt, ein traumhafter Ausblick! Schaut selbst...

Von dort aus wieder runter ins Tal, wie sollte es auch sonst sein, durch die Altstadt bis zum Endstein des Rothaarsteigs. Wir hatten heute insgesamt 63km in 9:28 Stunden zurückgelegt. Überglücklich und doch müde waren wir alle froh dieses sensationelle Abenteuer erlebt zu haben. Für die verbliebenen Läufer ging es ab in ein nettes kleines Hotel und zum Abschlussessen.Nach einer warmen Dusche machte ich mich direkt auf den Heimweg ins Schwoabaländle.

Von meiner Seite aus möchte ich mich ganz herzlich bei Mattin für die tolle Organisation und alles drum herum bedanken. Natürlich ALLEN die mitgelaufen oder in irgendeiner Art und Weise dabei waren. Es waren für mich wunderschöne Tage, die ich sicher nie vergessen werde. Ich habe viele Läufer kennengelernt und alle in mein Herz geschlossen!!

Leider wird mir diese Freude nächstes Jahr nicht gewährt, da ich während dem Lauf wohl ab und zu mal etwas frech war. Mattin hat mir angedroht das ich keine Einladung mehr bekomme, schnief, schnief, schade, schade!!! Doch ich habe ja jetzt ein ganzes Jahr Zeit um mich wieder ins rechte Licht zu rücken, schau mer mal...

Heike