Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

  Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten   haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen   austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz   besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang  alleine auf weiter Flur laufen möchten.

Ommmm! Oder: Ich habe Nürnberg überlebt!

Eines schönen Abends als wir beieinander saßen und Pläne für die Laufsaison 2008 schmiedeten, fiel das Stichwort Nürnberger 6-h-Lauf. Meine Lauffreunde, die alle schon x Marathons unter ihre Hufen genommen hatten, waren gleich dafür. Ich sagte damals ebenfalls zu mit der Einschränkung, dass ich eben mitlaufe, so lange ich eben kann. Wenn's nicht mehr geht, wechsle ich zur Zuschauerseite über, so mein ursprünglicher Plan.

Je näher der Lauf rückte, desto mehr wuchsen die Zweifel, ob das gut gehen kann. Immer wieder erinnerten wir uns gegenseitig daran, dass wir das einfach mal als Erfahrung mitnehmen wollen, und wie gesagt, wer nicht mehr kann, hört eben auf. Ich bin in der vergangenen Woche nur ein einziges Mal gelaufen, um meine ganze (spirituelle) Energie in den sogenannten Sri  Chinmoy  "Self-Transcendence" 6h-Lauf fließen lassen zu können.

Das Ying und das Yang, sprich: das Weinsberger Autobahnkreuz und die A 6 Richtung Nürnberg waren im besten Einklang zueinander, so dass wir pünktlich wie die Maurer in Nürnberg eintrafen, wo wir viele bekannte Gesichter aus unserer Läufer- und Ultraszene wieder sahen. Wir holten alle unsere Startnummern ab und checkten die Daten auf unseren Startunterlagen ab. Man hatte mich ein Jahr jünger gemacht, was mich gleich in eine jüngere Altersklasse rutschen ließ. Außerdem wurde noch nach der Größe (Finisher-T-Shirts) gefragt. Nachdem ich alles eingetragen, bzw. berichtigt hatte, meinte eine der Helferinnen, die Finisher-T-Shirts gäbe es diesmal nicht, die gäbe es nur bei den großen Läufen. Ich musste wie ein Auto geguckt haben, als ich sie zurückfragte, ob ein 6-Stunden-Lauf denn kein großer Lauf sei?!?!?! Nein, meinte sie lachend, es gäbe ja noch die 12-, 24- und 48-Stunden-Läufe, während ich noch schluckend darüber sinnierte, wie ich die nächsten 6 Stunden ohne Marathonerfahrung überstehen werde. 3 Stunden am Stück laufen war übrigens bisher das Maximum meiner bisherigen „Laufkarriere“!

Um 10:00 Uhr wurde es also ernst. Wir formierten uns im Startbereich. Gerdi und ich merkten gleich, dass wir viel zu weit vorne standen und reihten uns lieber mal respektvoll weiter hinten ein. 50 Gesamt-Km waren unser Ziel. Als der Startschuss fiel, trotteten wir alle mehr oder weniger gemütlich los. Gerdi und ich fanden recht schnell zu einem lockeren und gleichmäßigen Lauftempo, so dass wir uns auch prächtig miteinander unterhalten konnten. Ruckzuck waren die ersten beiden Stunden um. Irgendjemand rief uns zu, ob wir denn nun zum Labern oder zum Laufen hergekommen seien! ;-) Runde um Runde meldete sich jeder Läufer bei seinem "Helfer", der die jeweils gelaufenen Runden höchstpersönlich notierte. Die Helfer sorgten alle für super Stimmung und feuerten uns alle kräftig an. 

Nach 30 km, d.h. knapp 3 Stunden fuhr es mir in den rechten Oberschenkel hinein. Das ist mir ja noch nie passiert! Na das kann ja heiter werden, dachte ich, doch es stellte sich heraus, dass ich auf eine Unebenheit (wegen Baumwurzeln war der Weg an einer Stelle etwas aufgesprungen) getreten war, die ich bei den folgenden Runden mit einem respektvollen Abstand umlief. Der Schmerz ging, d.h. meine innere Mitte war wieder gefunden. Ommmm! Dies währte allerdings nur kurz, als ein jenseits Donner uns aus unseren Sphären riss. Wenige km Luftlinie von uns wurde ein Hochhaus gesprengt. Wir sahen es gerade noch umkippen. Esoterisch anmutende Musik ließ uns gleich wieder zu uns und zu unseren vielen Gesprächsthemen finden. Der nächste Meilenstein war also die 42,2 km, sprich: mein erster Marathon!!!! Nach 4:06 Stunden kam der große Augenblick. Mitten im Lauf gratulierte mir Gerdi zu meinem Debüt!! Das Runner's High ließ sodann auch nicht lange auf sich warten, denn meine Schmerzen hielten sich zu meiner großen Überraschung wirklich in Grenzen.

Nun visierten wir die magischen 50 km an, die uns offiziell in den erlauchten Ultramarathonkreis hineinkatapultieren sollten. Beim Erreichen der 50-km-Marke, wurde jedem Läufer ein rotes Fähnchen mit einer 50 drauf in die Hand gedrückt. So langsam wurde es richtig anstrengend. Mädel, halt jetzt deine Klappe und halt lieber jetzt deine Füße am Laufen, ermahnte ich mich innerlich. Gerdi sei Dank, gestalteten sich unsere Runden sehr kurzweilig. Wenn wir auch zwischenzeitlich kräftig an Tempo eingebüßt hatten, blieb unser Laufstil weiterhin locker und aufrecht, so dass sogar unsere Ultras staunten, bzw. wir sogar einige andere Läufer immer wieder überrunden konnten. Gerdi rief "50!!!" und prompt bekam ich ein rotes Fähnchen in die Hand gedrückt, mit dem ich wie ein kleines Kind voller Freude herumwedelte. 4:45 Stunden waren zu diesem Zeitpunkt vergangen, als wir uns entschlossen, noch weitere 10 km draufzupacken.

Runde für Runde stockten wir unseren Nahrungsbedarf abwechselnd mit Cola, Wasser, Iso-Zeugs (wovon ich gleich wieder abkam, weil's eklig schmeckte) und Banane, Käsebrotstückchen und sogar Ei mit Salz auf. Günti sei Dank wusste ich, dass Letzteres ebenfalls bei Läufen förderlich wirken kann. Also gönnte ich mir ein Ei und übersah dabei einen dicken Salzklumpen. Dummerweise waren wir an der Getränkestation schon vorbei, als ich das Malheur bemerkte. Pfui Deibel! Die ganze folgende Runde hatte ich mit dem Salzgeschmack zu kämpfen, was mich immerhin von meinen Schmerzen ablenkte. Zum Glück waren die Runden nur etwa 1,5 km, so dass ich recht schnell mein Missgeschick mit einem Schwall Cola hinunterspülen konnte.

Gerdi, unser Marathonsammler, lief wie ein Uhrwerk und fand auch bis zum Schluss die Kraft, mich zu motivieren und Mut zu machen. Bei km 55 fing meine rechte Aldi-Socke an zu rebellieren, was man ihr unter den gegebenen Umständen trotz beginnender Wasserblasenbildung auch verzeihen mochte. Auf mein "Socke, schweig!" reagierte sie ohnehin nicht. Mit letzter Kraft schleppten wir, besser gesagt: ich, mich weiter. Nur noch 5 Minuten!!! Die zogen sich jedoch ganz schön in die Länge. Dann endlich die Erlösung: Schluss - aus - vorbei!!! Jeder Läufer hatte noch kurz vor Schluss ein buntes Stäbchen mit der jeweiligen Startnummer in die Hand gedrückt bekommen, das man dann auf Kommando ablegen sollte, so dass die Organisatoren die genauen Rest-Meter noch zu den vollen Runden dazurechnen können. Da die Wöhrder Wiese auch von Spaziergängern mit Kindern und/oder Hunden bevölkert war, ist diese Methode nicht ganz ohne, was auch in der Wertung zu Unklarheiten in manchen Einzelfällen führte. Gerdi und ich hatten schließlich 39 volle Runden und paar Zerquetschte, d.h. wir verfehlten unsere spontan angestrebten 60 km nur um klitzekleine Meter. Doch das war nun zweitrangig - wir hatten alle bis zum Schluss durchgehalten, wir hatten es geschafft!

Bericht von Anette Reim aus Simmozheim