Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

  Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten   haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen   austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz   besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang  alleine auf weiter Flur laufen möchten.

 Biel 2008

50 Jahre Bieler Hunderter - da wollte ich dabeisein. Unser alter Spiess-

und Laufgeselle Uli Etzrodt musste leider eine Operation über sich

ergehen lassen und vom Krankenbett aus mitfiebern. In einer SMS schrieb

er, dass er schon wieder auf dem Weg der Besserung ist und uns die

Daumen gedrückt hat. Da er nicht starten konnte, habe ich seine

Startnummer übernommen, verbunden mit der Verpflichtung, ins Ziel zu

kommen.

Am Nachmittag aus Zürich angereist, verbrachte ich die Zeit bis zum

Start mit einem Bummel über die Läufermesse und einem Besuch am See -

wie überall in der Schweiz ist der Öffentliche Nahverkehr ausgezeichnet.

Leider habe ich ausser Jürgen und Elisabeth niemand unserer Leute zu

Gesicht bekommen. Gegen Abend legte ich mich noch eine Stunde hin, mehr

als Ausruhen war aber nicht möglich.

Pünktlich um 22 Uhr machte sich ein Rekordteilnehmerfeld auf die Strecke

durch das abendliche Biel. Tolle Stimmung an der Strecke veranlasste

Viele zu einem flotten Anfangstempo, und ich musste mich sehr

zurückhalten. Denn aufgrund meines eigentlich viel zu geringen Trainings

war das oberste Ziel anzukommen. So bin ich auch den langen Anstieg von

Bellmund nach Jens weitgehend marschiert, so wie ich auch im Verlauf der

weiteren Strecke immer eher "auf der Bremse" stand. Neben dem richtigen

Lauftempo war schon immer eines meiner Probleme die Ernährung. Genügend

und das richtige Trinken sowie die richtige Menge an fester Nahrung sind

bei mir selten in Einklang. Aber es funktionierte ganz gut, vermutlich

vor allem, weil ich frühzeitig in Ermangelung von meinem

Lieblingsgetränk Malzbier aufs Cola zurückgriff. So lief es über

Oberramsern, mit km 39 das erste Etappenziel, ganz gut.

Als ich in Kirchberg, dem offiziellen Ausstiegspunkt bei km 56 und

Zielort unserer Marathon-Teilnehmer Hannelore und Walter, an dem ich

schon zweimal Forfait, wie wir Schweizer sagen, gegeben habe, ankam, war

es schon hell. Ich war nun schon sehr müde, alles tat mir weh, der Magen

war flau. Aber aufgeben - diesmal nicht. Zwei Tassen Kaffee und vier

Stück Linzertörtli sollten mir dabei helfen. Nach einer knappen halben

Stunde marschierte ich mit einigen anderen durch die

Autobahnunterführung. Ich fühlte mich ziemlich elend, und der Zustand

meiner Beine fühlte sich nicht nach Laufen an. Aber 44 km marschieren -

lieber nicht. Also Grosshirn an Kleinhirn: Laufen! Was folgte, sah eher

nach schleichen aus, aber nach ein oder zwei Minuten erinnerte sich der

Körper an diese Art der Fortbewegung und es ging etwas besser. Den Weg

bis Gerlafingen auf dem Ho-Tschi-Minh-Pfad legte ich als einer der

Wenigen in meiner Leistungsklasse laufend zurück. Ich versuchte nun, das

Gehen zur Schonung einzuplanen und einen Rhythmus zu finden, zehn

Minuten laufen und eine Minute zu gehen. Ab Ichterswil war ich dann

allerdings auf einem neuen Tiefpunkt. Den sanften Anstieg nach Bibern

zum dritten Ausstiegspunkt konnte ich nur gehen. In Bibern sass ich

mehrere Minuten einfach nur in der Scheuer bei der Hocketse. Ich fror

jetzt auch bei idealen Lauftemperaturen. Da mir das Essen in Kirchberg

gut bekommen war, langte ich mehrmals bei den Nussgipfeli zu und trank

zwei Becher heissen Kaffee. Ich wusste, den Anstieg hinter Bibern würde

ich gehen müssen, aber danach läuft man nach Arch hinuter und kann den

Schwung bis weit ins Grenchener Feld mitnehmen. Das klappte

hervorragend, den mehr als zähen Start beim Wiederanlaufen kannte ich

nun ja schon. Entlang der Aare auf dem Feldweg kämpfte ich mich wieder

mit dem Wechsel aus Gehen und Laufen durch, aber bald wars wieder recht

mühsam. Die Beine wollten nun überhaupt nicht mehr, zusätzlich tat mir

auch der Rücken weh. In Büren an der Aare gab es bei nun freundlichem

Sonnenschein eine weitere grössere Verpflegungsstation. Hier hatte ich

gelesen, dass es Rösti gäbe. Ein grosser Teller davon sollte mir wieder

auf die Beine helfen. Wie schon bei den vorherigen Pausen überholten

mich einige LäuferInnen meiner Leistungsklasse wieder, aber ich wusste,

das klappt schon, die hab ich bald wieder, und auf den letzten

Kilometern, besonders entlang der Bahnlinie bis kurz vor Biel, war ich

der Einzige, der noch am Laufen war. Die Kraft reichte dann sogar noch

für einen Endspurt, und im Ziel an der Eissporthalle war ich einfach nur

froh und sagte mir: "100 Kilometer - nie wieder - wenigstens heute

nicht" ;-))

Zum Abschluss meine Gratulation an die hervorragenden Leistungen meiner

Kameraden vom Ultralauftreff, besonders auch an Hans-Georg, der sein 23.

Biel-Finish geschafft hat!

Bericht: Hans Sütterlin