Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

  Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten   haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen   austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz   besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang  alleine auf weiter Flur laufen möchten.

Und es geht doch!!!!…

Nach dem der 24-Stundenlauf in Basel nicht nach meinen Vorstellungen für mich lief war die Versuchung groß nochmals solch eine riesige Herausforderung anzugehen. Das ist wie beim Reiter der vom Pferd gefallen ist, jeder weiß das es das Beste ist gleich wieder aufzusitzen und weiterzureiten. Doch sind Reiter mit Pferden ganz was anderes wie Läufer die im Kreis herumlaufen? Oder ist es doch das Gleiche? Anscheinend habe ich viel gemeinsam mit den Vierbeinern und ihren Reitern. Da bot sich doch das “Mekka” des 24-Stundenlaufes an, WÖRSCHACH. Schon bei der Ausschreibung fragte ich mich ob man da läuft oder doch eher eine riesige Party feiert. Ich entschied mich fürs laufen, auch wenn die Zweifel weiter an mir nagten. Fidelitas gab mir dann das “Erfolgserlebnis” das ich brauchte. Der Landschaftslauf rund um Karlsruhe mit seinen 80km verlief für mich ohne größere Probleme. Sowohl während als auch nach dem Lauf und meine Laufzeit war auch ganz gut. Also mit diesem Mut entschied ich mich für eine Anmeldung in Wörschach. Damit ich nicht so alleine auf der weiten Reise war studierte ich die Starterliste und habe gesehen das Elke Streicher sich ebenfalls auf den Weg macht. Wir, das waren Elke, ihr Laufkollege Dieter Albrecht und ich trafen uns in Stuttgart am Hauptbahnhof. Die Fahrt nach Wörschach war stellenweise eine “Stehparty”, aber auch sehr angenehm und früher als geplant trafen wir in Österreich ein. Dort trafen wir auf viele bekannte Gesichter. Wir bezogen unser Quartier in der Volksschule und haben uns bei der Pastaparty gestärkt. Früh wollten wir uns ins Bett legen und noch etwas Schlaf bekommen bevor die lange Nacht der Nächte losging. Doch die Siegerehrung des Nachthalbmarathons war lauter als wir dachten, ich werde dieses heulende Alphorn wohl nie vergessen!!! Nach weniger Schlaf als geplant gingen wir am Samstagmorgen zum Frühstück, zur Läuferbesprechung und dann gingen die Vorbereitungen eines Jeden los, schmieren, salben, ankleiden und was man halt alles so macht.

Pünktlich um 14.00 Uhr bei nicht weniger als 35 Grad und praller Sonne viel der Startschuss. Ich dachte mir, irgendwie die ersten 6 Stunden überstehen, nicht zu schnell laufen, etwas schonen um dann in der Nacht durchlaufen zu können. Das funktionierte auch ganz gut, dank der vielen Kids die am Straßenrand immer einen kühlen Schwamm für die Läufer parat hatten. Also drehte ich fleißig auf der 2,32375 km langen Runde meine Kilometer und natürlich dachte ich auch an die Sulzer die jetzt beim Schwäbischen Festle sich vergnügten und verköstigten. Doch ich war nicht neidisch, eher froh das ich an Gewicht verlor und nicht noch mehr zulegte ;-) Mein oberstes Ziel war einfach die 24 Stunden durchlaufen, wobei ich lief doch überhaupt keine 24 Stunden, sondern 4x 6 Stunden, das ist viiiiiel einfacher! Dennoch etwas Taktik muss auch sein, deshalb versuchte ich ca. alle 6 Stunden einen Marathon zu laufen. Gesamt wären das dann ca. 170km gewesen. Mal sehen was draus wird. Als gegen 19.00 Uhr die Sonne unterging wurden die Temperaturen angenehmer, was der Stimmung an und auf der Strecke keinen Abbruch bescherte. Das muss ich euch jetzt erzählen, Wörschach ist absolut der Wahnsinn. Stellt euch vor im Start- und Zielbereich ein riesiges Fest, mit Dauerprogramm (Livemusik, Tanzgruppen, Feuerwerk um Mitternacht usw.) und vielen hunderten Menschen. Entlang der Strecke viele Staffelläuferquartiere, ständig Läufer an und auf der Strecke, ein Publikumszelt das man durchquert, eine “Zeltstadt” durch die man mittendurch läuft, ein Rummelplatz am Rande der Strecke und vieles, vieles mehr. Immer wenn ich am Rummelplatz vorbei lief war ich froh das ich nicht in der “Kotzmühle” saß, sondern auf der Strecke meine Runden drehte. Als gegen 22.00 Uhr dann Joachim kam war ich recht froh und ich hatte dann auch einen Begleiter auf meinen Walkingabschnitten. Leider ist Strecke in Wörschach nicht gerade flach. Der Rundkurs ist zwar auf der einen Seite sehr abwechslungsreich, aber auch mit etlichen “Anstiegen” gespickt. Ich “postierte” Joachim an den Streckenabschnitten bei denen eh eine Gehpause angesagt war. Er lief dann immer ein kleines Stück mit mir und beschwerte sich das ich viel zu schnell sei?! Nach ca. 8,5 Stunden gönnte ich mir eine Massage, ich wollte eine kurze Pause machen ohne der Versuchung des längeren sitzen oder gar liegen zu unterliegen. Die Massage tat richtig gut, obwohl der Masseur meinte: “Da han i heit scho viel festere Wadeln ket.” Ich hatte verstanden, ab auf die Strecke. Die Nacht hatte uns nun voll im Griff und Joachim versuchte etwas zu schlafen, ich wollte ein bisschen “für mich” sein und zog mich mit meinem MP3-Player zurück. Heißt nicht das ich nicht gelaufen bin!!! Nee, einfach laufen ohne groß nachzudenken. Nach ca. 13 Stunden Laufzeit hatte ich die 100km erreicht und gönnte mir eine zweite Massage und somit eine etwas längere Pause. Die Außentemperatur war jetzt sehr angenehm und entsprechend gleichmäßig konnte ich meine Runden drehen, immer wieder fleißig angespornt von den Fans an der Strecke und der guten Verpflegung. Da gab es eine Frauengruppe die jede Frau lauthals anspornten und nicht zu vergessen meine Staffelfreude bei denen ich bald die 25er-Maus war. Weil auf der Startnummer keine Namen aufgedruckt waren, wurde eben die Startnummer verwendet. Und dann war da noch ein Betreuerteam das mich kurzerhand “adoptiert” hatte und mich neben seinen eigenen Läufer/innen einfach auch noch mitbetreute. Leider konnte Joachim nicht gut schlafen, für mich war das ganz gut, da er sich deshalb oft an der Strecke aufhielt. Die Nacht neigte sich langsam den Ende zu und die Sonne ging recht schnell auf, alle Läufer befürchteten das es wieder so eine “Hitzeschlacht” wie am Vortag geben würde. Doch wir sollten Glück haben, Wolken zogen auf und somit bleib die gefürchtete Hitze aus. Alle Stunde wurden die Ergebnislisten ausgehängt und ich bemerkte wie meine Platzierung sich nach vorne verschob. Auf der Strecke begegneten mir immer wieder Elke und Dieter die ebenfalls fleißig ihre Runden drehten. Ab und zu lief man gemeinsam und dann doch wieder alleine, so war es auch mit anderen Läufern. Eigentlich wartete ich immer darauf das ich endlich müde werde oder einfach keine Lust mehr hätte zum Laufen, nichts, aber auch gar nichts. Okay zwischendurch lief es mal etwas herber, aber keine wirkliche Gefahr, dazu war die Stimmung in Wörschach einfach zu gut. Außerdem dachte ich dann an die vielen lieben Freunde und Bekannte die alle an mich dachten und mir fest die Daumen drückten. Was soll ich noch sagen? Ich lief und lief und lief und die 24 Stunden vergingen viel schneller als erwartet!! Als das Schlußsignal ertönte setzte ich mich auf den Boden und wartete bis die Vermesser kamen. Das dauerte zwar nicht lange aber in der Zwischenzeit meldete sich ein Durstgefühl. Im gegenüberliegenden Vorgarten war eine ca. 20köpfige Gruppe junger Männer. Ich fragte ob sie wohl für eine gestrandete Läuferin etwas alkoholfreies zu trinken hätten. Sie erklärten mir das sie ebenfalls einen 24 Stunden-Event hinter sich hätten, im “Durchsaufen”! Da seien keine alkoholfreie Getränke angesagt. Doch ein junger Mann erbarmte sich und lief schwankendes Schrittes in den Keller und holte mir ein Himbeer-Peterle, das tat gut. Auch das ist Wörschach!!! Endlich im Zielbereich angekommen vermisste ich nun doch ganz arg meine Tausendfüsslerbande L. In Gedanken habe ich euch alle umarmt! Am Ende waren es zu meiner eigenen Überraschung 173,9775 km, 6. Gesamtplatz Damen und 2. W35. All das sind Zahlen und Fakten, doch für mich ist eines viel wichtiger, es geht doch 24 Stunden lang laufen und viele Kilometer sammeln!!!!!!!!!

Noch etwas muss gesagt sein, Wörschach ist wirklich ein gigantisch und bestens organisierter Event, es macht mächtig viel Spaß dort zu laufen! Und ganz zum Schluß möchte ich noch Elke und Dieter liebe Grüße schicken, sie haben mich toll in ihrer Mitte aufgenommen und wir hatten eine total lustige Zeit miteinander. Meinem Schatz Joachim danke ich weil er die vielen Strapazen auf sich genommen hat um mich zu begleiten und dann uns alle wieder gesund nach Hause gebracht hat.

 

 


So die erste Trainingseinheit habe ich auch schon wieder absolviert und es lief ganz gut. Keine großen körperlichen Probleme und über die kleinen Blessuren lohnt es sich nicht zu schreiben. An dieser Stelle geht ein lieber Gruß zum Kinesiologen Dr. Raabe, der mich nach Basel aufgepäbbelt hat. Die nächsten Tage werde ich wohl eher vor dem PC verbringen als im Lauftraining, denn zwei Tausendfüssler, Friedemann und Hans-Jürgen drehen 6 Tage lang in Erkrath ihre Runden!!!

Bilder und Bericht Heike Christ