Ultramarathon-Lauftreff
nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"
Der Ultramarathon Lauftreff soll eine Anlaufstelle für alle Läufer/innen sein, die nicht immer die gleichen Strecken laufen möchten,die Freude am Laufen mit Gleichgesinnten haben,sich erstmalig an Läufe über 3 Stunden wagen möchten,gerne durch die Natur laufen,sich auf Marathon und mehr vorbereiten,Erfahrungen austauschen,Fahrgemeinschaften suchen,zusammen auf bestimmte Laufevents vorbereiten,ab und an neue Herausforderungen suchen,keinen übertriebenen Ehrgeiz besitzen,nicht unbedingt einem Verein angehören möchten,keine weiteren Verpflichtungen haben möchten,nicht stundenlang alleine auf weiter Flur laufen möchten.
Die
Faszination eines 100km-Laufes
Wieso?... Weshalb?... Warum?... Wie kommt man auf die Idee 100km am Stück zu laufen? Reicht den eine Marathonstrecke mit 42,195 km nicht mehr aus? All diese Fragen wurden mir in der Zwischenzeit x-mal gestellt und sie lassen sich nicht „logisch“ beantworten. Ich werde sie in gewohnter Weise beantworten, in dem ich einen Bericht über mein Erlebnis schreibe und ihr hoffentlich so fasziniert seit und dann spürt was ich empfunden habe.
Es war bei einem
meiner ersten Läufe mit den Tausenfüsssssslern, ich habe auf meinen ersten
Halbmarathon trainiert und stand ganz am Anfang, im Hinterkopf bestand die Idee
irgendwann mal einen Marathon zu laufen. Das kennt ihr bereits alles und das
möchte ich auch nicht erzählen. Dennoch bei diesem Lauf begann alles. Es liefen
zwei Ultraläufer vor mir her und sie unterhielten sich über ihren letzten
100km-Lauf, mir blieb nichts übrig als staunend und mit offenen Mund hinter den
Beiden herzulaufen. Wie schafft es ein Mensch 100km zu laufen? Ich bereitete
mich auf einen Halbmarathon vor und die reden von der fünffachen Strecke! Ich
war fasziniert... In der Zwischenzeit bin ich bei etlichen 10km-Läufen, einigen
Halbmarathons und bei zwei Marathons gewesen und ich habe den Reiz der
„längeren“ Strecken kennengelernt. Man läuft viel langsamer und das ist für
mich körperlich viel angenehmer. Bei einem kurzen Lauf muss man so schnell
rennen das man weder rechts noch links schauen kann und der Kreislauf ist
extrem belastet. Je länger die Strecke ist desto langsamer läuft man und man
kann die schöne Natur bewundern, kann sich mit anderen Läufern/innen
unterhalten und es ist einfach gemütlicher. Dafür erfordert es weit aus mehr
Kondition und Ausdauer, aber die kommt, je öfters man läuft, je weiter man läuft...
es läuft...
Ende September 2005
habe ich Berlin für mich erfolgreich abgeschlossen und habe dann eine zweimonatige
Regeneration gemacht, heißt weniger Laufen und nur wenn ich Lust und Laune
hatte, ohne Trainingsplan und ohne Druck, einfach zum Spaß. Ab Dezember bin ich
wieder in das regelmäßige Training eingestiegen und habe auch wieder begonnen
mit den 3-Stunden-Läufen. Bei den Tausendfüssslern wurden wieder
gemeinsameTrainingsläufe gemacht und anschließend wurde die Geselligkeit
gepflegt. Da gab es dann so Läufe wie den Sauerbratenlauf, Freundschaftslauf
von Durbach nach Straßburg, Weihnachtslauf bei Franz, Rundenlauf in Dagersheim,
der Silvesterlauf bei Ingo in Horb, den Dreikönigslauf mit dem LC Waldachtal
und um nicht zu vergessen den Folterlauf bei Volker und das muss ich euch
unbedingt erzählen. Geplant war ein Rundenlauf von je 5km und maximal 8 Runden
sollten es sein, Ein- und Ausstieg jederzeit möglich. Leider war der Winter
hart und die Strecke deshalb total vereist. Also wurde kurzfristig entschieden
es gibt einen 3-Stunden-Lauf mit anschließender Option noch eine Stunde
dranzuhängen, den einige Läufer wollten Ende April in Rodenbach einen
100km-Lauf machen. Ich ging hin und dachte okay schau mal was so geht und dann
entscheide ich wie lange ich laufe. Die drei Stunden gingen schnell vorbei und
Volker hatte uns bergauf und bergab gejagt und deshalb bekam der Lauf den Namen
„Folterlauf bei Volker“. Nach drei Stunden ging es mir noch ganz gut, mein
Trainer Franz wollte auch noch ein Stück laufen, also los gings. Die vier
Stunden waren fast geschafft und wir näherten uns der 40km-Grenze und da wurde
Franz wieder munter. Er gab das Motto aus bei 40km wird nicht aufgehört sondern
noch 2,195 km gelaufen und somit ein Trainingsmarathon gelaufen. Doch nach
knapp 40km waren wir wieder am Ausgangspunkt angekommen und da hatte Volker die
glorreiche Idee die letzten Meter im Stadion zu laufen das gleich neben dem
Parkplatz lag. Also rein ins Stadion ab und auf die Bahn. Tja was soll ich
sagen, rechts lief Franz, links lief Volker und Heike in der Mitte, die zwei
liefen was das Zeug hielt. Ich frage Volker wie schnell wir den unterwegs
seinen, den meine Beine und Puste signalisierten mir „schnell unterwegs“.
Volker schaute auf seine Uhr und meinte: „Auweia Heike, frag nicht, lauf
einfach.“ Ich bohrte weiter und bekam zur Antwort: „Der Kilometer wird gerade
in 4:50 min. gelaufen“. Ich dachte ich fall gleich um! Nach über 40km laufen
die mit mir noch um einiges schneller als ich Berlin den Marathon gelaufen bin.
Somit war mein erster Trainingsmarathon gleich im Januar 2006 geschafft und so
sollte es weitergehen... es folgten viele lange Läufe teilweise über die
Marathongrenze hinaus und immer bekamen sie so schöne Namen wie
Kirschtortenlauf in Starzach, Schneelauf, Leberkäslauf und schließlich auch ein
Lauf bei mir in Mühringen der dann Eyachtallauf genannt wurde, nur zeigte ich
meinen Mädels und Jungs das wir hier ganz schön viele Höhenmeter zu bieten
haben. Aber eben diese Höhenmeter bringen Kraft und Ausdauer für die geplanten
Wettkämpfe. Wobei wir wieder beim Thema wären, was stand 2006 auf dem Plan?
Nach dem ich nun doch etliche lange Läufe gemacht und alle recht gut überstanden
hatte, kam die Überlegung auf mit nach Rodenbach zu gehen. Doch mein Mut reichte
Anfang des Jahres noch nicht für 100km, also gab ich die Devise aus in
Rodenbach die 50km zu laufen. Ich schraubte ab Januar meine geplanten
Trainingskilometer in die Höhe und im Februar und März sollten nochmals welche
draufgepackt werden. Es lief alles richtig gut und ich spürte deshalb den Reiz
in mir die 100km auch zu laufen. Sollte das Training weiter so gut laufen und
mein Körper mir keine Signale schicken das etwas nicht in Ordnung wäre dann, ja
dann, dann würde ich ???... richtig, die 100km hatten sich in meinen Kopf
festgesetzt. Ich spürte immer mehr das die langen Strecken mir unheimlich gut
gefallen und das meine Stärke im Ausdauerbereich liegt und nicht in der
Schnelligkeit. Ich bin keine „schnelle“ Läuferin, aber unheimlich ausdauernd und
zäh, außerdem kann ich mein Tempo über mehrere Stunden konstant durchlaufen.
Der erste Wettkampf im Jahr 2006 war dann Mitte März in Schwäbisch Gmünd ein
Halbmarathon. Aus dem vollen Ultratraining heraus bin ich die 21km in exakt der
gleichen Zeit gelaufen wie im Sommer 2005 bei Stuttgartlauf. Das war natürlich
eine schöne Überraschung für mich. Außerdem hatte ich damit gleich einen
Vereinsrekord bei meinem Laufverein Sulz am Eck erzielt dem ich Ende Januar
beigetreten bin. Warum Sulz am Eck? Es gibt so viele Lauftreffs bei uns in der
Nähe, stimmt und ich bin auch schon bei einigen mitgelaufen, aber alle konnten
sie mit Läufern die über die Marathondistanz hinaus laufen, nicht viel anfangen
und Sulz am Eck ist bekannt dafür das sie eine starke Ultralaufgruppe haben.
Viele von meinen Tausenfüsssssslern waren in der Zwischenzeit auch in den
Verein eingetreten und ich wollte das auch tun. Übrigens, diesen Vereinsrekord mit
1:47:53 Stunden über die Halbmarathondistanz bin ich in der Zwischenzeit schon
wieder los, er wurde wenige Wochen später unterboten. Macht nichts, ich hatte
mich längst entschieden. Meine Vorliebe liegt bei den langen Strecken. Man kann
nicht alles haben, schnelle Zeiten bei den kurzen Distanzen und gute Zeiten bei
den langen Strecken, geht schon aber das ist wahnsinnig zeitintensiv und meine
Familie musste mich schon oft genug entbehren. Denn mein Trainingsplan
beinhaltete über Woche mindestens vier Laufeinheiten und zweimal Fitnessstudio
wegen meines Rückens. Dennoch diese Faszination 100km zu laufen lies mich nicht
mehr los. Aber ich konnte mich auch noch nicht ganz durchringen und sagen okay
ich laufe 100km. Ich brauchte irgendeine „Bestätigung“ das ich es schaffen
könnte. Die Läufer die sich bereits für 100km-Strecke entschieden hatten, das
waren Franz, Friedemann, Hans-Jürgen, Jürgen und Volker. Sie hatten schon seit
längerem den Duravitlauf ins Auge gefasst und auch ich wollte diesen
Erlebnislauf von Wolfach nach Hausach mitmachen. Es sollten 65km und 1750
Höhenmeter werden. Der ideale Test für die 100km Strecke, wenn ich das relativ
gut schaffen sollte, dann war ich meinem großen Ziel etwas näher gerückt. Wie
so oft sollte es anderst kommen als gedacht. Die Strecke des Duravitlaufes war
total vereist und ich hatte mir Ende 2005 mein Steißbein angebrochen. Es
verheilte recht schnell, doch die Angst zu fallen blieb und den anderen war es
auch zu riskant. Also wurde kurzfristig unorganisiert und wir sind Mitte März
nach Nürnberg zum 6-Stunden-Lauf gegangen. Was soll ich sagen... eine Strecke
mit 1.523,1 Metern!!! und diese läuft man sechs Stunden im Kreis... viele
hielten mich für total bekloppt und was soll ich euch sagen?... ich mich
auch!!! Doch mein Trainer Franz hatte immer einen passend Spruch für mich, der
da z.B. lautete „gar nicht verrückt ist auch nicht normal“ oder „trau dich –
Grenzen zu sprengen“. Also ran an den Speck und rauf auf die Strecke.
Frühmorgens ging es los und plötzlich stand ich am Start meines ersten
Ultrawettkampfes, es war gigantisch. Bei den Frauen gingen bekannte Namen an
den Start und das Teilnehmerfeld war international, kein kleiner Volkslauf
mehr, sondern die besten Ultraläufer waren angesagt und wir mittendrin. Wir,
das waren Franz Leins, Friedemann Hecke, Hans-Jürgen Schlotter, Jürgen Baumann,
Volker Held und ich. Ingo Schulze und Uli Etrodt die auch für Sulz am Eck
laufen haben wir dort auch getroffen. Ich hatte mir eine Strategie vorgenommen
die da hieß, erste Option, 55km müssten für mich relativ gut machbar sein. 57km
wenn es recht gut läuft und 60km, war so die absolute Traumvorstellung.
Außerdem wollte ich jede halbe Stunde an die Verpflegungsstelle gehen, damit
ich Flüssigkeit und Essen zu mir nehmen konnte. Wichtigste Voraussetzung für
mich, nur nicht zu schnell loslaufen, sondern langsam und dafür konstant über
sechs Stunden. Der Startschuß viel und alle liefen los, es war herrlich. Bei
solch einer kurzen Strecke ist man nie alleine unterwegs, ständig hat man
Sichtkontakt zu allen Läufern. Nun es kam wie es kommen musste, Friedemann und
Hans-Jürgen überrundeten mich recht schnell und auch die anderen zogen das eine
oder andere mal an mir vorbei. Ich versuchte ruhig zu bleiben und gleichmäßig
zu laufen und ich lief und lief und lief, 10 Runden, 20 Runden usw. Ab der 30
Runde ungefähr gesellte sich Volker zu mir, er hatte genug Kilometer gesammelt
und wollte den Rest der Strecke „gemütlich“ mit mir durchlaufen. Herrlich, ich
hatte eine Begleitung und so machten die letzten 1 1/4 Stunden richtig Spaß.
Volker machte das Tempo und ich konnte mich etwas geistig ausruhen. In der 33.
Runde bekam man die Fahne mit den 50km, nur ich nicht. Meine Rundenzählerin
(immer vier Läufer hatten einen persönlichen Rundenzähler/in) hatte sich
verzählt, ich meldete es und schnell wurde nachgeprüft und mit dem Fahrrad wurde
mir „meine“ Fahne hinterher gebracht. Tolle Organisation und lauter ganz nette
Betreuer. Kurz bevor die Zeit abgelaufen war bekamen wir aufmunternde Musik. Die Rundenzähler trommelten mit unseren „Stöckle“
auf den Tischen. Diese „Stöckle“ waren mit der jeweiligen Startnummer versehen
und dienten dazu die Restmeter nach dem Schlußsignal erfassen zu können, denn
jeder gelaufene Meter wurde genau registriert. So erreichte ich auch was ich
nie zu träumen gewagte, ich lief über 60km, ich bin über meine Grenzen hinausgewachsen.
Nach 6 Stunden hatte ich 61,089km zurückgelegt und hatte mit Rang 9 in der
Frauenwertung sogar eine Top 10 Plazierung erreicht. Meine Mannschaftskollegen
waren durchweg auch alle sehr erfolgreich. Jeder hatte seinen eigenen Test
gemacht und konnte nun daraus seine Schlüsse ziehen. Friedemann hatte
gesundheitliche Probleme und musste frühzeitig aufhören. Doch kein Trübsal war
angesagt, denn er und Elisabeth, die tapfer durchgehalten hat, waren am Ende
eine riesige Motivation für uns. Was sich dann auch bemerkbar machte, ich hatte
mit den Tränen zu kämpfen. Meine Mitläufer haben mich alle in den Arm genommen
und gedrückt und beglückwünscht. Irgendwie haben mich alle so behandelt wie
wenn ich etwas unglaubliches vollbracht hätte... was war nur los? Ich konnte es
überhaupt nicht verstehen... Dennoch ein herrliches Gefühl, diese Freude
innerhalb der Gruppe. Eigentlich sind wir alle Einzelkämpfer und doch sind wir
nie alleine. Jungs und Mädels, ihr seid einfach klasse und ich laufe unheimlich
gerne mit euch!!!! Wirklich gut laufen konnte ich natürlich nach über 61km
nicht mehr, also bin ich zur Turnhalle zum Duschen geschlichen. Anschließend
etwas Essen und zur Siegerehrung, denn Hans-Jürgen hatte es mal wieder weit
nach vorne geschafft. Auf der Rückfahrt waren wir dann doch alle etwas
geschafft und müde und dennoch ein unvergesslicher Tag für mich. Wenige Tage
später folgte etwas das ich eigentlich nicht ganz verstehen konnte. Ich bekam
viel Anerkennung von außen, Pressebericht über unsere Leistungen und immer
wurde ich hervorgehoben, warum nur? Wir sind alle toll gelaufen und doch wurde
meine Leistung höher angesiedelt und das zog seine Kreise, im Freundeskreis, in
der Firma, im Fitnessraum meiner Sporttherapeuten... warum nur macht ihr so ein
Theater um mich? Es war mein erster Ultrawettkampf, er war nicht schlecht, aber
dennoch war er aus dem vollen Training heraus und nur Mittel zum Zweck. Der
100km, eines meiner Traumziele, das würde mein Highlight für 2006 werden. Es
waren nur noch wenige Wochen bis dahin, also nochmals drei Wochen hart trainieren
und dann Regeneration auf den „großen Tag“. Nach Nürnberg hatten natürlich die
anderen Tausssendfüssler bemerkt das es mir nicht mehr um die 50km-Strecke in
Rodenbach ging. Okay, jetzt war es raus und konnte und wollte nicht mehr
zurück. Die Familie zu überzeugen war wie immer das Schwierigste. Die
schärfsten Kritiker kommen aus den eigenen Reihen, aber das ist auch gut so,
denn sie halten einem auch auf dem Boden fest. Sehr wichtig für mich, nur nicht
übermütig werden und doch fest an mich glauben, gar nicht so einfach. Doch wenn
ich etwas möchte habe ich schon immer einen
eisernen Willen an den Tag gelegt und so vergingen die Tage und
Rodenbach rückte näher. Was mich besonders freute war, dass Joachim mich
begleiten würde, ich konnte jede Unterstützung brauchen. Wenn ich nach meiner
geplanten Laufzeit gefragt wurde, blieb ich meinem Motto treu: Lächelnd
ankommen! Das Zeitziel ist für einen 100km-Lauf relativ eng bemessen mit 13
Std. Ich wusste aber, dass wenn es für mich gut laufen würde, könnte ich die 12
Std.-Marke erreichen. Wenn es sehr, sehr gut laufen würde könnte eventuell
sogar eine elf davor stehen.
Endlich
Freitagmittag, es war so weit. Joachim und ich stiegen ins Auto, mit Manfred
Huget der zu uns gefahren war. Wir holten Renate Weilandt in Hildrizhausen ab
und fuhren nach Sindelfingen zum Daimler um uns dort mit dem Rest der Truppe zu
treffen. Wobei wir wieder beim Thema sind, die „Verrückten“, wie immer Franz
Leins, Jürgen Baumann, Friedemann Hecke, Volker Held, Stefan Merz, Hans-Jürgen
Schlotter, zogen los. Marianne Haynold hatten wir auch schon angesteckt mit dem
„Ultravirus“ und somit waren wir komplett. Nein, bei weitem nicht, unsere Fans
wollen wir natürlich nicht vergessen, Elisabeth und Doris!!! Nach einer
reibungslosen Fahrt kamen wir am frühen Abend in Rodenbach an und holten als
erstes unsere Startunterlagen ab, dann bezogen die einen ihr Quartier in der
Turnhalle und wir „uncoolen“ im Hotel. Ihr könnt uns ruhig als uncool
bezeichnen, dafür hatten wir traute Zweisamkeit und ihr durftet im Massenlager
auf dem harten Boden, mit vielen Anderen zusammenkuscheln oder zusammen
kuscheln? Anschließend gab es noch die Henkersmahlzeit für uns Läufer im
Schützenhaus, die anderen konnten gemütlich und ohne Reue schlemmen... tja, so
wollten wir es! Noch was muss erwähnt sein, leider gab es bei der Tischordnung
eine sehr ungünstige Zusammensetzung, Joachim saß neben Friedemann. Die zwei
haben sich gleich gut verstanden und haben ihre Sticheleien auf uns niederprasseln
lassen. Ich weiß nicht wer von den beiden gemeiner ist? Ich glaube das sollten
wir auch nicht herausfinden. Aber jetzt schnell ins Bett, denn es ging früh
wieder raus. Im Hotel gab es extra ab fünf Uhr Frühstück. Ach herrje, jetzt
soll ich auch noch was Essen wo mein Magen doch schon rebellierte bevor es losging...
meine Nerven lagen blank. Was tat ich da nur? Die Zweifel überkamen mich...
aber es gab kein zurück mehr. Dennoch, die Vernunft muss siegen, etwas essen
nach einer relativ guten Nacht, sonst wird das nichts mit dem Lauf. Dann aber
so schnell wie möglich mit Jürgen und Stefan zum Stadion wo die anderen schon
warteten. Nicht zu vergessen Ingo Schulze der auch die 50km anging und auch für
Sulz am Eck läuft. Unsere Begleiter/innen haben wir noch schlafen lassen,
wenigstens ein paar sollten frisch und ausgeruht sein. In der Masse der Läufer
vergaß ich meine eigene Nervosität, jeder war auf seine eigene Art aufgeregt
und nervös. Die einen rieben sich von oben bis unten mit den verschiedensten
Mittelchen ein, die anderen liefen nervös auf und ab und ich? Ich legte mich
noch kurz auf den Boden und versuchte zu entspannen... was macht man nicht
alles?! Dann noch die Gruppenfotos und dann langsam Richtung Start. Die
Begrüßung der Organisatoren vom DUV folgte und noch einige Infos, zur Strecke,
Zeitnahme usw. Plötzlich spürte ich das ich am Start der Deutschen
Meisterschaften im 100km-Lauf stand, warum nur? Ich verstand mich selbst nicht
mehr... da kam die Erlösung, der Klaps meiner Mitläufer, die aufmunternden
Worte und der Startschuß. Es ging los!!! Wie immer, nicht so schnell angehen,
100km sind s e h r weit, 10 Runden á 10km. Um 7.00 Uhr und bei
nur wenigen Plusgraden konnte das Abenteuer starten. Der erste Kilometer war
schnell gelaufen und somit waren es nur noch 99km, solche Gedanken kommen einem
da!!! Glaubt es ruhig! Schon nach wenigen Kilometer befand ich mich mitten in
einer Gruppe mit vielen „alten Laufhasen“, da gefiel es mir. Sie redeten und
erzählten von ihren vielen, vielen Marathons und sonstigen Läufen, ihr Schritt
war angenehm und ich lies mich einfach mitreissen. Taktik wie gehabt, nach 30
Minuten die Verpflegung ansteuern, trinken und essen. Nach etwas mehr als einer
Stunde war die ersten Runde durchlaufen, Ankunft im Stadion, erste Zeitnahme
und die Sonne kam raus. Also Jacke und Handschuhe ausziehen und auf zur
nächsten Runde. Da kam die böse Überraschung, Sonne weg und es fing an mit
eisigen Wind der dann auch noch Graupelschauer brachte. Perfekt, ich fror und
es dauerte noch etwas bis ich wieder im Stadion war. Ich musste durchlaufen bis
zum Stadion, es blieb mir nichts anderes übrig. Dort schnell ein langes Shirt
anziehen und wieder das Laufshirt von Sulz am Eck, mit der Startnummer drauf,
drüberziehen und weiter. Ende dieser zweiten Runde wurde ich bereits von der
Spitzengruppe überrundet, whow, das ging aber schnell. In der dritten Runde
beruhigte sich das Wetter wieder etwas und ich traf einen Mitläufer mit dem ich
mich etwas unterhielt und somit verging die Zeit recht schnell. Ich war relativ
konstant gelaufen und somit zeigte meine Uhr beim Stadioneinlauf etwas mehr als
3:07 Stunden an. Wobei ich merkte das die dritte Runde durch die Unterhaltung
etwas langsamer war, wir waren nicht zum Reden und zum Vergnügen da, deshalb
wurde eine „Sprechpause“ veranschlagt. Wir liefen gemeinsam weiter und dann
spürte ich das sein Schritt mir doch etwas zu schnell war, also trennten wir
uns. Jeder muss nach eigenem Gefühl und Können laufen, ich war wieder alleine
unterwegs und doch nicht. Langsam aber sicher wurde ich erst von Friedemann,
dann von Hans-Jürgen überrundet. Jürgen, Franz und Volker konnten sich
natürlich auch nicht beherrschen, auch sie zogen an mir vorbei. Verlass war nur
auf Manfred, Stefan und natürlich auf die Frauen, Renate und Marianne, die 50km
liefen. Wobei Manfred für mich eine große Rolle spielte, wir trafen uns immer
an der gleichen Stelle an der Wendepunktstrecke. Die ganz toll war für uns
Läufer, wir trafen uns, sahen uns, konnten so neue Kraft schöpfen, ich habe
dies sehr genossen. Außerdem konnte man so ein bisschen sehen wie sich die
Abstände verringerten oder vergrößerten. Wir hatten Kontakt untereinander was
wieder das „wir“, die Gruppe, ausmacht. Endlich nach der dritten Runde
erwartete mich Joachim im Stadion, er lief ein kleines Stück mit mir und wir
konnten uns austauschen. Aufmunterung pur, außerdem mein eigener Betreuer, das
tat gut. Denn das Wetter hatte sich von allen Seiten gezeigt, Regen-, Hagel-
und sogar Schneeschauer. Dazwischen immer mal wieder die Sonne. Irgendwie
schaffte ich es mich viermal umziehen während den ganzen 100km, die waren aber
noch lange nicht geschafft. Ich war also in Runde vier, einfach frisch und
locker weiterlaufen, das wird schon. Noch eine Runde und die Hälfte der Strecke
war geschafft. Unterwegs habe ich Marianne getroffen und überholt, sie sah
nicht gut aus. Blut lief aus den Schuhen, ein blutiges Kinn und eine verletzte
Hand, sie war gestürzt. Aber sie lief tapfer weiter, meine Hochachtung! Schnell
eine Info, Renate ist schon durch, sie hat in 4:45 Std. die 50km durchlaufen,
klasse. Schade Renate wird wohl nach Singapur gehen für ein paar Jahre, Mensch
fällt dir denn nichts bessers ein? Endlich waren die ersten 50km auch für mich
geschafft, nach 5:07,22 Stunden. Zeit mal in sich zu gehen, wie fühle ich mich?
Was machen die Beine? Was sagt der Puls? Die Bilanz viel richtig gut aus.
Beine, noch recht locker, das ist gut. Der Puls, auch noch im ganz normalen
Bereich, auch sehr gut. Wie fühle ich mich? Nun da ging es intensiver zur
Sache. Meine Zehen signalisierten den Beginn von Blasen und etliche Zehennägel
drückten. Was geht da in einem vor? Schwer zu beschreiben, ich versuche es mal.
Zehen an Gehirn – es entstehen Blasen und die Zehennägel drücken. Okay - Gehirn
hat es registriert. Gehirn überlegt - ist das etwas ernsthaftes? Nein, nicht
wirklich, 100km fordern ihre Opfer, also Gehirn an Füsse - das ist jetzt nicht
wichtig - weiterlaufen, ignorieren, da schauen wir im Ziel danach. So verging
Runde um Runde. Ich lief immer noch sehr konstant, die Runde immer in etwas
mehr als einer Stunde. Dann verabschiedeten sich die durchgefrorenen Fans zum
Mittagessen. Sie taten mir echt leid, das Wetter war ziemlich besch... eiden
und sie haben erbärmlich gefroren und standen oft im Regen und mussten warten,
immer wieder warten. Ich hatte keinen Hunger doch ich blieb meinem Motto treu,
alle ½ Std. was essen und trinken, ich verspürte kein Defizit. Immer wieder
neue Infos auf der Strecke, Marianne war in der Zwischenzeit auch im Ziel, nach
5:25 Std. hatte sie ihr Ultradebüt geschafft. Friedemann und Hans-Jürgen
überrundeten mich fleißig weiter. Franz, Jürgen und Volker drehten gleichmäßig
ihre Runden, nur Stefan schwächelte etwas und stieg nach 60km aus. Im Training
ist er mir ständig davon gelaufen und war immer lockerer drauf als ich, was soll
man sagen? Es sollte nicht sein, er hatte ein anderes Ziel im Kopf. Wobei wir
beim Kopf wären, das Mentale. Ich hatte schon in der Vorbereitung gemerkt das
Training sehr wichtig ist, aber mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar
wichtiger, ist die mentale Stärke, die Einstellung, der Wille, nennt es wie ihr
wollt. Aber es ist enorm wichtig!!! Und ich würde diese mentale Stärke noch
dringend brauchen, das war mir eigentlich klar. Der Mann mit dem Hammer würde
nicht an mir vorbei gehen, auch wenn ich ihn nicht wollte, er kennt keine
Gnade. Jetzt setzte auch mal wieder einer dieser vielen Regenschauer ein, es
war nass, es war kalt, einfach eklig!!! Dennoch lief es ganz gut, dann
passierte etwas mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ende der siebten Runde lief
ich zu Franz auf. Er hatte einen Einbruch nach der fünften Runde, Probleme mit
den Muskeln und mit dem sehr wechselhaften Wetter. Wir beschlossen die wenigen
Meter bis zum Stadion gemeinsam zu laufen und uns dann wieder zu trennen.
Gesagt, getan, denn es tat mir gut ein Stück mit ihm zu laufen und mit ihm zu
reden, auch wenn es ihm nicht wirklich gut ging, ich wusste er würde
durchhalten. Ich habe es sehr genossen mit Franz über die Zeiterfassungslinie
zu laufen, auch wenn es nicht der Zieleinlauf war, es ist einfach herrlich mit
seinem Trainer auf gleicher Linie zu laufen. Tja, ich ahnte das jetzt etwas
ganz schweres für mich anstehen würde... Franz war ziemlich mitgenommen und
wirkte recht müde, sein Schritt war langsamer als meiner und auf Dauer gesehen konnte
ich nicht hinter ihm bleiben. Aber ich kann doch meinen Trainer nicht gleich
beim ersten Ultralauf überholen!!! Nein, das geht nicht... nach dem Stadion bin
ich erst mal an die Verpflegungsstadion gegangen und er lief weiter. Der
Vorsprung war bald wieder dahin und es war nicht mehr aufzuschieben. Ich musste
ihn überholen. Hey Leute ich kann euch sagen, ich habe mich in Grund und Boden
geschämt. Ein etwas schneller Schritt, kein Wort, kein langer Blick, einfach
vorbei und schnell außer Sichtweite von Franz laufen... ohje, ein schweres
Stück Überwindung hat das gekostet... Komisch, plötzlich war ich relativ einsam
auf der Strecke, eine Lücke hatte sich vor mir und hinter mir gebildet. Immer
wieder Läufer/innen die mich überrundeten, aber die waren schnell wieder weg.
Langsam wurde es auch ruhiger auf der Strecke, weil mittlerweile alle
50km-Läufer im Ziel waren und die ersten 100km-Läufer auch. Knapp unter 7 Std.
hatte der Sieger gebraucht und die erste Frau lief nach 7:48 Std. ins Ziel. Hut
ab! Also drehte ich alleine meine Runden, doch ich fand Unterstützung von einem
Streckenposten, er hatte Mitleid mit mir und lief mir immer einige Meter
entgegen und dann noch ein Stück mit mir. Ein lustiger Spaß der Abwechslung
brachte, er machte dies übrigens bis ich meine letzte Runde gelaufen war. Doch
so weit war es noch nicht. Trotzdem ein Lichtblick nach dem anderen, ich traf
Manfred weiterhin kurz vor dem Wendepunkt, das gab Hoffnung. Er lief konstant
vor mir her, okay, er hat dieses Jahr ein riesen Ziel vor Augen, den
Deutschlandlauf mit 1.205km in 17 Tagen, puh da fällt mir nichts mehr ein.
Wobei wir wieder bei meinem Läuferkollegen sind, Friedemann lief als Schnellster
von uns ein, in 8:37 Std. Friedemann verpasste nur knapp den Kreisrekord in
seiner Altersklasse und das nur aufgrund einer Kreislaufschwäche nach 96km,
kurz vor dem Ziel, schade. Aber Friedemann wie er leibt und lebt, war gleich
wieder zu Scherzen aufgelegt. Hans-Jürgen Schlotter konnte kurz danach seinen
Lauf, in 8:45 Stunden, beenden. Er lief diesen 100km-Lauf ja nur zur
Vorbereitung für ein weitaus größeres Ziel. Mir allerdings verging langsam das
Lachen, ich hatte ein Tief, doch zum Glück kam ich gerade nach 80km wieder
Richtung Fankurve. Der Anblick des Stadions und die Gewissheit das Joachim mich
dann gleich motivieren würde, das tat gut. Kaum ins Stadion eingebogen saßen
Marianne und Renate auf der Tribüne, frisch geduscht und schon wieder recht
erholt, ich war neidisch auf die zwei ohne Ende!!!! Aber der Neid fraß mich
nicht auf, denn die Zwei haben mich lautstark angefeuert und mich
vorangetrieben. Außerdem viel mir ein Lied ein das ich die letzten Tage gerne
hörte, „Ich bin Ich“ von Rosenstolz. Ich bin ich, das alleine ist meine Schuld.
Ich bin hier, ich bin jetzt... ja, ICH wollte hier sein, ja, ICH wollte jetzt
laufen, ja, ich bin ich und ICH schaffe das. Also lief ich Kilometer um
Kilometer, meinem großen Ziel immer näher, jetzt würde ich nicht mehr aufgeben,
ich war so nah dran und ich würde es schaffen, dies habe ich eigentlich nie
wirklich bezweifelt. Ich vertraute wie so oft auf meine Willenskraft die mich
schon so oft an mein Ziel gebracht hat, das würde auch diesmal funktionieren.
Also ab auf die zweitletzte Runde, die lief erstaunlicher Weise wieder relativ
gut. Immer mein Lieblingslied im Ohr, der Streckenposten der auf mich wartete
und das immer näher kommende Ziel. Unterwegs traf ich wieder ein paar Läufer,
die sehen auch nicht besser aus als ich!!! Zwei Männer die am Anfang noch
lachend und quasselnd liefen, waren plötzlich ziemlich stumm. Alle wirkten
müde, aber sie hielten durch, tja da durfte ich mir keine Blöße geben. Außerdem
bahnte sich wenn ich auf meine Uhr schaute eine Sensation für mich an. Ich lief
nach wie vor sehr konstant, okay die Pausen an den Verpflegungsstellen oder im
Stadion wurden etwas länger, aber der Laufschritt war gleichmäßig. Nach 9:20
Stunden lief ich zum zweitletzten Mal im Stadion ein, whow wenn ich jetzt nicht
einbreche, dann komme ich sogar unter 11 Stunden ins Ziel!!!!! Das Wetter, tja,
das war in Hochform, es war wieder kalt und windig und vereinzelt leichter
Nieselregen und ein letztes Mal zog ich mir frische Kleidung an damit ich etwas
frischer auf die letzte Runde starten konnte. Die letzte Runde, ein
Wahnsinnsgefühl. Der lang ersehnte Traum... Wie zu Anfang blickte ich auf die
Kilometerzahl, aber es waren nur noch 9,9km zu laufen, jetzt nur nicht
übermütig werden. Der Streckenposten wartete schon wieder auf mich. Habe mich
bei ihm mit einem freundlichen Lächeln verabschiedet und er hat sich sehr
gefreut. An den Verpflegungsstationen habe ich mir wieder Zeit gelassen und den
Leuten für ihr Durchhaltevermögen und ihre Freundlichkeit gedankt und nochmals
Schokolade getankt. Habe ich das eigentlich schon erzählt? Glaube nicht. An
einer Verpflegungsstelle gab es Schokolade und ich hatte damit in Nürnberg
schon gute Erfahrungen gemacht, habe mir immer ein paar „Ripple“ eingesteckt
und auf der Strecke immer wieder davon genascht. Der „schnelle Zucker“ half,
wenigstens bildete ich mir das ein. Egal, Hauptsache es hilft. Jetzt kam ein leider
etwas unangenehmer Abschnitt, ein Läufer benötigte ärztliche Hilfe, aber er war
soweit ansprechbar und es bestand keine Gefahr für sein Leben. Langsam rechnete
ich die Kilometer in Meter um. Oh da muss ich wieder etwas ganz Wichtiges
zwischen rein schieben. Ein Spruch den mir Manne mit auf den Weg gegeben hat.
Er konnte zwar nicht verstehen was mich zu einem 100km-Lauf treibt, deshalb
ging er das Ganze neutral und logisch an...100km sind nur 100.000m oder 10
Millionen cm oder 100 Millionen mm... und was ist schon ein Millimeter? Das
sind 1.000 µm und ein Mikrometer (1/1.000 mm). Das wiederum kannst du mit dem
bloßen Auge nicht sehen. Also sind 100km fast nichts!!!... Warum also wirkte
ich müde, ausgelaugt, hatte schwere Beine? Von fast „nichts“... Manne in dieser
Situation hätte ich dich am Liebsten „erschlagen“ für diesen „dummen“ Spruch.
Auch egal, ich wollte jetzt endlich in dieses „blöde Ziel“ einlaufen, danach
keinen Schritt mehr laufen. Also weiter, endlich kam wieder diese berühmte
Wendepunktstelle und ?, was habt ihr erwartet ?, Manfred war immer noch kurz
vor mir. Alles im grünen Bereich. Ich war 99km gelaufen und die Meter bis zum
Ziel wurden weniger, vorbei an der letzten Verpflegungsstation vor dem Ziel.
Jeder noch so kleine Lichtblick habe ich innerlich in mir aufgesaugt. Diese
schweren Beine... ignorieren, gleich ist es vorbei!!! Ich hörte in der Ferne
den Stadionsprecher, ENDLICH. Ein erhebendes Gefühl bahnte sich an. Die
Zielgerade und da ging es los... Friedemann, Hans-Jürgen, Jürgen, Manfred,
Volker und natürlich mein Mann erwarteten mich. Hey, Jungs ihr seid soooooooo
toll, es gab sogar eine Laolawelle für mich!!! Ich war so überwältigt das die
Tränen gekullert sind!! Mein Traum ging in Erfüllung. Eine Umarmung von jedem
„meiner Läufer“ stand an, Elisabeth nicht zu vergessen und am Ende lies ich
mich in Joachim´s Arme sinken. Volker schleifte mich zum lang ersehnten Pokal,
den man sich nicht kaufen sondern nur erlaufen konnte. Eine langstielige Rose
für jede Frau und ein paar anerkennende Worte, nette Geste des Veranstalters.
Etwas Flüssigkeit von innen und ich wollte keinen Schritt mehr laufen. Volker,
der etwa 20 Minuten und Manfred, der ca. 3 Minuten, vor mir im Ziel war,
überzeugten mich das ich gleich zum Duschen mitgehen sollte. Die paar Meter
schaffe ich auch noch... weit gefehlt!!! Ich brauchte Hilfe von Doris und
Stefan... wie peinlich!!! Danke ihr Zwei für das Geleit in die Dusche. Da war
kaum was los, ich hatte unheimlich viel Platz und warmes Wasser wartete auf
mich... an sich eine herrliche Sache, aber erst musste ich „Bestandsaufnahme“
machen. Die viel dafür kurz aus, etliche Blasen, noch mehr Zehennägel die sich
„verabschieden“ würden und unendlich schwere Beine!!! Die Dusche wirkte Wunder
und außerdem gab es kein Gejammer nach 100km. Wieder raus zu den Anderen und
feiern. Ich traf auf Marianne und Renate die schon bei der Siegerehrung des
50km-Laufes waren. Beide haben in ihrer jeweiligen Altersklasse ganz vorne
mitgemischt. Renate wurde Zweite und Marianne Erste in ihrer jeweiligen AK und
bekamen dafür eine Auszeichnung. Langsam und gemächlich bewegte ich mich wieder
Richtung Stadion, denn Franz fehlte ja noch. Er war eingelaufen während ich
beim Duschen war und jetzt traf ich mit meinem schlechten Gewissen auf ihn. Das
Küken hatte den großen Meister überholt... wie war seine Laune? Super wie
immer, er hat sich riesig gefreut, dass er sich überwunden und nicht aufgegeben
hat. Eine riesige Leistung sich durch solch einen Lauf zu beissen!!! Vollzählig
ging es Richtung Halle, hin sitzen und was „vernünftiges“ Essen. Die
Siegerehrung begann und wir freuten uns für die Läufer die ganz vorne dabei
waren. Ach ja, habe ich meine Zeit schon genannt?... 10 Stunden, 25 Minuten und
40 Sekunden, für mich eine Zeit die ich mir nicht mal in meinen kühnsten
Träumen hätte ausdenken können. Dies brachte mir den 24. Gesamtplatz bei den
Frauen ein und den 11. Platz in der W35. Allerdings ist das für mich relativ
unwichtig, ich fand es einfach toll bei diesen Deutschen Meisterschaften im
100km-Lauf gefinisht zu haben! Doch ich wurde etwas überrascht, viele sahen das
etwas anderst. Meine Ultraläufer behandelten mich wie die Matschwinnerin und
auch die Presse überrollte mich in den Tagen danach. Etliche Berichte über
mich, da war die Rede von „größte Überraschung“, „Frauenpower pur“ und „Vereinsrekord
beim LT Sulz am Eck purzeln lassen“, ich verstand den ganzen Trubel um mich
herum nicht mehr. Aber das sollte erst die nächsten Tage auf mich zukommen,
davon ahnte ich jetzt noch nichts. Nach der Siegerehrung fuhren wir wieder nach
Hause, in gewohnter Besetzung. Wer jetzt glaubt wir haben alle geschlafen oder
waren schlapp und müde, der hat sich getäuscht. Wir haben geredet und uns
gegenseitig erzählt, das ist einfach herrlich. Lauter Bekloppte unter sich, ich
habe mich manchmal schon gefragt, was Joachim so denkt wenn wir miteinander
reden. Vielleicht ist es besser er sagt es mir nicht... In Sindelfingen
trennten sich dann die Wege, große Verabschiedung stand an und alle waren
glücklich. Ein wunderschönes Wochenende neigte sich zu Ende und für mich eine
Erfahrung die ich auf keinen Fall missen möchte, die Verwirklichung eines
Traumes...
Nun noch ein paar
Zahlen und Fakten, die ich euch nur zumute damit ihr seht in was für einer
Randsportart ich mich bewege. In Deutschland haben im Jahr 2006, Stand
20.07.2006, erst 44 Frauen einen 6-Stunden-Lauf absolviert und ich liege mit
61,089 km auf Rang 12. Bei 100km-Lauf waren es insgesamt 135 Frauen und ich
befinde mich mit meiner Zeit auf Rang 32. Relativ unwichtig für mich, aber
interessant zu sehen wie wenige Frauen derzeit in der Lage sind so etwas zu
machen.
Leute ich weiß, ich
bin sehr, sehr spät dran mit meinem Bericht, aber ehrlich gesagt ich musste
dieses Erlebnis erst mal verdauen!!! Außerdem hat sich mein altes Rückenleiden
wieder gemeldet und es macht überhaupt keinen Spaß wenn man verletzt vor dem PC
sitzt und sich weder Lust noch Laune einstellt um die richtigen Worte zu
finden. Aber jetzt geht es wieder aufwärts und ich trainiere schon seit ein
paar Wochen wieder.
Noch etwas sei
erwähnt. Beim Aletsch-Berghalbmarathon war ich nur als Zuschauer anwesend und
musste erfahren das Franz schon einmal von einem Schützling überholt wurde und
dieser hatte sich mit zwei Flaschen Champagner „entschuldigt“. Das konnte ich
natürlich nicht auf mir sitzen lassen. Aber so „billig“ sollte mir Franz auch
nicht davon kommen. Also guter Rat war teuer, ich fand schnell einen
Verbündeten in Sven Herty unserem Vereinsvorstand. Beim Jägersteinlauf des LT
Sulz am Eck hat Sven eine kurze Ansprache gehalten und erklärt warum Franz von
mir ein Geschenk bekommt. Ich habe mich nicht lumpen lassen und einen
Geschenkkorb mit zwei Flaschen des besten Champagners den es in Horb gibt und
etwas Leckereien überreicht. Ich kann euch sagen, der Franz war ganz schön
überrascht, entsprechend platt und sprachlos. Übrigens Franz hat bei Kilometer
60 in Rodenbach zu Joachim gesagt: „der Vernünftige hört auf – die Frage ist,
sind wir auch vernünftig?!“
Letzte Anmerkung,
falls ihr ab und zu mal
nachlesen wollt was
ich so treibe, dann
schaut einfach auf
die Homepage vom
LT Sulz am Eck, bei
dem ich mich
„sauwohl“ fühle, www.lauftreffsulz.de
Wenn ihr meint das es
wirklich verrückt ist 100km
zu laufen, dann muss
ich euch bitter enttäuschen.
Unser Hans-Jürgen
Schlotter lief ganz aktuell
3.100 Meilen, dies
sind rund 5.000 km, in etwas
mehr als 47 Tagen in
New York, auf einer 883m
langen Betonbahn,
immer um einen Häuserblock
herum!!! Ich
verspreche euch so etwas mache
ich nie, weil ich es
eh nicht könnte, aber... lasst
euch überraschen was
für Träume ich noch habe...