Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald "Tausendfüsssssssssler"

 

Deutschlandlauf 2006

Bericht von Manfred Huget aus Dornhan

Nachdem ich mich Ende vergangenes Jahr entschieden habe, den Deutschlandlauf 2006 zu laufen, konnte ich es kaum erwarten, mit den langen Trainingseinheiten zu beginnen. Doch wir hatten hier im Schwarzwald einen ungemein harten und langen Winter, so dass die langen Läufe noch Mangelware waren. Doch bis Ende August konnte ich mein Trainingsziel, nämlich 4.500 Trainingskilometer und 50 Läufe jenseits der Marathondistanz verwirklichen.

Dies hat im Nachhinein ausgereicht, wäre da nicht die ganze Palette von Laufverletzungen auf mich zugekommen.

Nun, erfreulicherweise hat das Wetter umgeschlagen und wir Deutschlandläufer standen bei strahlendem Sonnenschein in Cap Arkona auf Rügen am Start. Zum ersten Mal zählten wir laut die letzten Sekunden zum Start und los gings. Die 65 km nach Stralsund waren ein leichter Aufgalopp zu dem, was uns noch erwartete. Nun galt es jeden morgen aufzustehen um 4:00 Uhr, Frühstück um 5 Uhr und Start für die erste Gruppe um 6 Uhr. Manchmal hasste ich es regelrecht, morgens um 4 Uhr immer die gleichen Weckmelodien zu hören, wollte ich doch noch einfach liegen bleiben.

Nach den ersten drei Etappen begannen sich die Verletzungen einzustellen, in der Regel Blasen an den Füßen, aber die waren noch harmlos mit denen konnte mach auch weiterlaufen.

Jan unser Sani, der zwischenzeitlich eingetroffen war, bekam jede Menge zu tun. Die üblichen Überlastungsschäden wie Shin Splint, Achillessehnentzündungen und Wasser im Gewebe setzten ein wobei ich besonders hartnäckig ca 8 Tage lang mit meiner linken Achillessehne zu kämpfen hatte. Wenn ich mich bzw. meine Mitläufer des abends sah, wie wir uns hinkend durch die Gegend bewegten, erschien es mir jedes mal wie ein Wunder, wie am nächsten morgen der Tross doch wieder langsam in den Laufschritt verfiel.

Das Wetter war weiterhin gut, zu gut, nämlich ziemlich heiss, was dann auch leider zu Ausfällen geführt hat. Ich bin zwar mit den Temperaturen recht gut klargekommen, hatte ab in Biberach dann doch einen leichten Sonnenstich, denn ich fror bereits unter der heissen Dusche und auch noch im Schlafsack, schon dachte ich, das war`s. Am nächsten morgen nach 5 durchschwitzten T-Shirts und klatschnassem Schlafsack war ich wieder erstaunlich fit und weiter gings. Nachdem ich meine Achillessehnenprobleme langsam in den Griffe bekam, hatte ich die letzten vier Tage eine schmerzhafte Verhärtung    des linken Oberschenkels, der Muskel machte dann regelrecht zu.

So war es, dass ich abgesehen von den ersten Tagen ständig mit Verletzungen zu kämpfen hatte und ich beneidete die wenigen Läufer, die offenbar keine Probleme hatte. Dann aber habe ich gesehen, dass einige noch größere Verletzungsprobleme hatten wie ich und es nicht zu jammern gab.

Vor dem Lauf habe ich  mit dem Herrn über uns die Vereinbarung getroffen, dass er mich in diesen 17 Tagen von Krankheiten verschont  und ich für den Rest zuständig bin. Trotz dieser immensen körperlichen und mentalen Belastung hat es auch geklappt und ich bin dankbar dafür.

Apropos mentaler Belastung, wer in den Deutschlandlauf geht und nicht über eine sehr stabile mentale Belastbarkeit verfügt, der hat schon verloren. Hier muss sich jeder klar darüber sein, was auf ihn zukommt. Ich denke, dass die Läufer des DL 06 darauf weit besser vorbereitet waren wie beim DL 05, was die Ausfallquote von 20 % zu 50 % beweist, sicher haben die Verletzungen auch eine Rolle gespielt.

Der Verlauf des Rennens kam mir auch insoweit entgegen, als dass ich meiner Heimat entgegenlief und mich immens darauf freute. Dadurch das ich wusste, dass meine Lauffreunde vom LT Sulz am Eck, diese vom Ausdauerteam Dornhan, meine Familie wie auch die Stadt Dornhan, die den Verpflegungsposten einrichteten, auf mich warteten, setzte ich mich erst gar nicht mit dem Gedanken auseinander vorzeitig aufzugeben.

Der Empfang war dann unbeschreiblich und gab mir nochmals die Kraft für die letzten 160 km.

Hier danke ich nochmals meinen Vereinskollegen vom LT Sulz sowie des Ausdauerteams Dornhan über die Begleitung (selbst der Bürgermeister der Stadt Dornhan war dabei).

Der Zieleinlauf in Lörrach nach 17 Tagen quer durch Deutschland war dann ein unbeschreibliches Gefühl.

Nachdem nun einige Tage vergangen sind lassen auch die Beschwerden nach, aber eine Müdigkeit ist immer noch vorhanden.

Dankbar bin ich, den Deutschlandlauf gefinisht zu haben, Erfahrungen über mich und meine Umgebung gesammelt zu haben, die anderen nicht vergönnt sind.

 

Den Deutschlandläufern 2007 rate ich, bereitet euch nicht nur sportlich intensiv auf diesen Lauf vor. Lest die Berichte und unterhaltet euch mit den Läufern des DL06, vor allen Dingen auch mit denjenigen, die nicht finishen konnten, den die können euch besonders wertvolle Informationen geben.