Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald

„Ultralauftreff Tausendfüsssssssssssler“ am

Heikes erster Marathon!!

Ruhrmarathon in Essen  am 17.04.2005

Das monatelange Lauftraining sollte einen Höhepunkt haben und was gibt es da schöneres als einen Marathon zu laufen. Also hab sich die ganze Familie Christ mit Sack und Pack auf die Reise gemacht. Warum auf die Reise gemacht? Einen Marathon kann man doch fast überall laufen! Das ist schon richtig, aber wenn ich meinen ersten Marathon laufe dann soll das ein besonderer sein. Da ich Matthias Dix aus Witten über einen Trainingsplan (mit dem Motto: „Lächelnd ankommen“) übers Internet kennen gelernt habe, war mir schnell klar wenn ich mich an dieses große Ereignis wage, dann soll es der große Ruhrmarathon in Essen sein, ganz in der Nähe meines Internettrainers. Also ab ins Auto und ca. 470 Kilometer Richtung Witten. Da sind wir dann auch am Freitagabend angekommen und wurden von Familie Dix mit einem leckeren Abendessen und Nachtisch verwöhnt. Am Samstag ist Joachim mit den Kindern ins Warner Brother nach Bottrop gefahren, damit die Kinder auch ihr persönliches Highlight erleben durften. Ich habe die Zeit genutzt und meine Startunterlagen auf der Messe in Essen abgeholt und dabei drei ganz nette Läuferinnen aus Witten kennen gelernt. Wir haben uns alles angeschaut, unsere Kleiderbeutel abgegeben und die anderen Läufer beobachtet und uns mit einer Kartoffelsuppe gestärkt. Wir Frauen haben uns so gut verstanden dass wir den ganzen Mittag auf der Messe geblieben sind. Anschließend stand die Nudelparty des PV-Triathlon-Witten an. Dort war trotz sprachlicher Barrieren (dia kennet koi schwäbisch) das Eis schnell gebrochen. Am Abend ging es dann zurück ins Hotel, letzte Vorbereitungen für den großen Tag treffen. Laufklamotten herrichten, den Zeiterfassungschip in den Schuhbändel einflechten, Startnummer befestigen, nochmals das Höhenprofil anschauen, eben sich mental auf den Lauf einstellen. Anschließend habe ich mich ganz müde ins Hotelbett gelegt und konnte, wie erwartet, nicht richtig schlafen. Um sieben Uhr am Sonntag, den 17. April 2005 war es dann so weit. Aufstehen und bereit machen. Ein paar Minuten bin ich noch an die frische Luft gegangen um die Muskeln zu bewegen und um richtig wach zu werden. Ein leichtes Frühstück noch und dann ab zum Bus wo alle schon gespannt warteten. Uli Knepper, der Freund und Nachbar von Matthias, brachte uns alle nach Dortmund zum Start. Dort waren schon eine Unmenge Läufer, alle eingehüllt in einen Plastiksack, das sah lustig aus! Nochmals langes anstehen an den Toiletten, etwas warmlaufen und dann ab zum Start. Wow, war das ein Gefühl!! Ich stand zwischen Tausenden von Läufern und wartete auf den Startschuss. Der Start war an einem leichten Abhang. Neben mir war ein etwas größerer Mann und er konnte die Massen überblicken, da ich zu klein war konnte ich das nicht sehen, also bat ich Matthias mich mal etwas hochzuheben, ich kann euch sagen das war ein Anblick!!! Der Countdown begann, die Sekunden bis zum Start wurden gezählt, jetzt zog jeder seinen Plastiksack aus und warf in an den Straßenrand, stellt euch das mal vor, das war richtig witzig! Danach flogen die warmen Klamotten durch die Luft – herrlich. Ich hatte mir einen besonderen Pulli zum Wegwerfen ausgesucht. Er war orange und noch gar nicht so alt, aber der letzte Pulli den ich gekauft hatte bevor ich abgenommen habe und bevor ich mit dem Laufen anfing. Es war ein Genuss für mich diesen Teil meines Lebens „wegzuwerfen“. Jetzt fiel der Startschuss und... nichts bewegte sich, wir standen immer noch da. Es dauerte über sieben Minuten bis ich endlich die Startlinie überquerte und mein erster Marathon begann! Es lagen 42,195 km vor mir. Eine Zeit zwischen 4:10 und 4:20 Std. peilte ich an, aber das eigentliche Motto lautete: „Lächelnd ankommen!“ Ich wollte langsam angehen und die erste Hälfte des Marathons in ca. 2:05 Std. laufen und dann mal schauen wie es läuft, vielleicht noch etwas zulegen oder einfach nur durchlaufen. Weil ich so langsam anging wurde ich von fast Allen überholt, aber ich versuchte ruhig zu bleiben und lebte noch dem Motto meines Internettrainers, die überholst du alle wieder in der zweiten Hälfte. Ich versuche euch mal zu erzählen was einem da so alles durch den Kopf geht. Nun es gingen mir die langen Läufe mit meinen Tausendfüssssslern durch den Kopf – ihr Ultras habt mich den einen oder anderen Berg hochgejagt und anschließend haben wir gemeinsam Abschluss gefeiert!!! Es begleiteten mich die vielen guten Wünsche meiner Verwandten, Freunde und Bekannten. Was soll ich sagen, die ersten 21km gingen wie im Flug rum. Am Halbmarathonziel wollten Joachim, Martin und Petra auf mich warten, aber aufgrund der vielen, vielen Zuschauer konnte ich sie leider nicht erblicken, also ging es an die restlichen 21km. Die Stimmung am Straßenrand war echt hervorragend, überall Musikkapellen, aufmunternde Zurufe, klatschende Zuschauer – einfach Super!! Die Verpflegungsstationen waren ebenfalls gut ausgestattet und die Leute waren echt auf Zack. Dann plötzlich bei Kilometer 23 bahnte sich ein Tief an. Ich versuchte meinen Puls und Schritt zu halten, aber irgendwie gelang es mir nicht richtig. Da bemerkte ich einen Läufer neben mir der genau dieses Tempo lief, also hängte ich mich an ihn ran. Ich habe meinen Kopf „abgeschalten“ und bin ihm einfach hinterher gelaufen. Er bemerkte das natürlich und sprach mich an. Wir beschlossen ein paar Kilometer gemeinsam zu laufen. Wir haben uns unterhalten und ich erfuhr dass er Ulrich heißt, 55 Jahre alt ist und aus Bochum kommt. Bei Kilometer 25 hatte ich mein Tief überwunden und es lief wieder ganz ordentlich. Bei km 35 waren Ulrich und ich immer noch zusammen. Da erwischte ihn „der Mann mit dem Hammer“, er war mitten in einem Tief. Da er zu mir gehalten hatte als ich ein Tief hatte war mir schnell klar dass ich ihm auch helfe. Allerdings war die Strecke auf der zweiten Hälfte nicht mehr so angenehm, sie war sehr hüglig, immer auf und ab und wir hatten schließlich schon viele Kilometer in den Beinen. Außerdem wussten wir, dass es die letzten 5 Kilometer immer bergauf ging. Das stand uns noch bevor. Wir haben uns da durchgebissen, haben viele Läufer überholt, teilweise sind die Läufer nicht mehr gejoggt sondern gegangen, aber wir waren eisern. Als wir endlich die 40km-Marke erreicht hatten war Uli wieder fit und wollte nochmals so richtig die „Sau“ rauslassen. Jetzt konnte ich nicht mehr, ich war fertig und wollte nicht mehr laufen!!! Ich wollte nur noch langsam gehen und dieses „blöde“ Ziel erreichen. Aber Ulrich meinte, jetzt haben wir so viele Kilometer gemeinsam zurückgelegt, er würde mich jetzt auf keinen Fall alleine lassen. Also zog er mich am T-Shirt, hackte sich bei mir ein, hielt mich an der Hand – kurzum er schleifte mich die letzten zwei Kilometer ins Ziel. Diesen Schlussspurt habe ich nur noch mit einem „Tunnelblick“ erlebt. Ich bemerkte die vielen tausend Zuschauer und die Stimmung im Zielraum nur im Unterbewusstsein. Kurz vor der Ziellinie fassten Ulrich und ich den Entschluss dass wir gemeinsam über die Ziellinie laufen, wir waren fast 20 Kilometer gemeinsam gelaufen und nun wollten wir dieses Highlight gemeinsam erleben! Gesagt – getan! Ich war total fertig und ausgelaugt aber überglücklich!!! Ich war meinen ersten Marathon gelaufen, in 4:09:05 Std.!!! Dieses Gefühl lässt sich nicht beschreiben, dass muss man erleben!!! Gleich nach der Ziellinie erhielten wir unsere Medallien und das Finisher-Shirt. Gemeinsam sind wir zur Kleiderbeutelausgabe gegangen und wollten uns anschließend nochmals treffen. So ein Lauf der verbindet. Ich ging anschließend zum Duschen und habe mir auch noch eine Massage gegönnt, ich sag euch, das tat gut. Ich traf noch ein paar Läufer vom PV-Triathlon-Witten und wir haben unsere Erfahrungen ausgetauscht. Dann suchte ich nach Uli und? fand ihn nicht! Schade! Also raus aus der Messe und ab zu meiner Familie, die sicher schon auf mich wartete. Endlich habe ich mein Töchterlein entdeckt und wir machten uns langsam und gemütlich auf den Rückweg – schnelles Laufen war mir nicht mehr möglich +grins+. Halt, fast hätte ich was vergessen zu erzählen. Ich habe natürlich gleich meine Anrufe erledigt. Einer galt meinem Internettrainer Matthias und einer Franz, der schlecht zu erreichen war, da er beim Vogesenlauf war, erst der zweite Anruf war von Erfolg gekrönt. Ich war natürlich stolz und hatte einiges zu erzählen. Anschließend begann eine lange Heimreise. Gegen 22.00 Uhr waren wir alle wieder zu Hause und ich war einfach nur glücklich!!! Dieses Glück will ich natürlich mit all denen teilen die in den letzten Monaten einiges mit mir mitgemacht haben, deshalb habe ich alle zu meiner Marathonparty eingeladen. Aber das ist eine andere Geschichte...

 
Bericht: Heike Christ

 

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