Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald
„Ultralauftreff Tausendfüsssssssssssler“
17. Internationaler 24 Stunden-Lauf in Basel am 7./8. Mai 2005
Organisiert vom Sri Chinmoy Marathon Team Schweiz
Die Götter müssen verrückt sein, ja wer diesen Film gesehen hat der weis was verrückt ist .............. oder doch nicht?????????? Wer 24 Stunden lang auf einem 1,141 Kilometer langen Rundkurs soviel wie möglich Kilometer sammeln möchte, der muss zumindest den Film „Die Götter........“ nein, es geht auch ohne Fernsehen um als verrückt zu gelten. Ich, der Franz der diesen Bericht schreibt, ich war dabei und ich ..... nein ich bin nicht verrückt und jetzt kommt das „ABER“, die wo über 200 Kilometer innerhalb von 24 Stunden laufen können, ich glaube die sind schon etwas verr.......!!! Zwei davon hatte ich in meinem Auto, hurra, ich lebe noch! Und sie auch!
Die Veranstaltung war optimal
von den sehr sehr netten Menschen des Sri Chinmoy Team organisiert.
Schon auf dem Parkplatz bei den St.
Jakob Sportanlagen wurden wir freundlich in Empfang genommen und unser Gepäck –
oh man was hatten wir nicht alles dabei – in einen Transporten umgeladen der
alles, auch uns zum Sportgelände brachte. Durch Zufall oder Glück wurde uns
eine Umkleidekabine zugewiesen mit Heizung und Dusche welch ein Luxus so dass
wir unsere aufgebauten Zelte nicht in Anspruch nehmen mussten. Kurze Wege zur
Anmeldung, Start, sanitären
Einrichtungen und allzeit überschaubare Gesamtlage
bildete eine solide Basis
um dem Ereignis ruhig entgegenzusehen. Die Verpflegung war sehr gut, Massage
und 2 Ärzte direkt an der Strecke, dazu noch meditative Musik im Startbereich
und in der hintersten Ecke, was willst du mehr ???? aber was ist Perfekt? etwas gibt es doch zu bemängeln, je nachdem wie man es
sieht. Die Rundenzähler/innen waren sehr nett und motivierten immer, aber leider
waren sie nicht immer auf zack, so dass wir unsere Runden nachkontrollierten.
Sie hatten es auch nicht leicht, stundenlang in der Nässe und Kälte zu sitzen
und auf uns zu warten bis wir endlich kamen, wobei einige Läufer/innen es nicht
mal für nötig hielten sich bei ihren Pausen abzumelden.
Die Organisation
war Klasse, und wir waren? es gibt
einen längeren Bericht und wenn ich jetzt schon den Leser/in langweile klickt mich weg, aber ihr erfahrt es nicht wie es uns ergangen ist.
Hans Jürgen Schlotter aus
Horb-Bittelbronn, Albrecht Mayer aus Kuppingen Friedemann Hecke aus Calw
Wimberg, Franz Leins aus Tumlingen, Manfred
Huget aus Dornhan so stehen wir im Bild von links nach rechts, denn ihr müsst die verrückten ja von den normalen trennen können. Wie
gesagt, über 200 Kilometer, oh ja ich wäre gerne
verrückt!
Nackte Fakten : Startschuss um 12 Uhr; international gut besetztes Rennen; die Runden exakt 1.141
Kilometer lang und eben; 24 Stunden
Zeit; 
Wetter : Gut fünf Stunden kühle Temperatur und leichter Nieselregen, es war einigermaßen trocken; die nächsten 5 Stunden zuerst mit böigem kalten Wind und anschließendem Dauerregen; mit der einsetzenden Dunkelheit hörte der Regen auf; dann nächtliche Kälte ca. 5 bis 6 Grad; mit beginn des Sonnenaufgangs etwas freundlicher; ab 9 Uhr sogar etwas Sonne.
Friedemann Hecke aus Calw-Wimberg, hier sein Bericht den er am Tag danach für seinen Verein geschrieben hat.
Bereits um 6:30 machte ich
mich mit 4 Lauffreunden aus Sulz (Franz Leins und Hans Jürgen Schlotter),
Herrenberg und Dornhan auf den Weg nach Basel zu einem Abenteuer, dessen Ausmaß
und Nachwirkungen ich zu diesem Zeitpunkt nur erahnen konnte. Zügig waren die Zelte für evtl. notwendige
Schlafpausen aufgebaut und pünktlich um 12 Uhr setzten sich 63 Läuferinnen und
Läufer auf dem amtlich vermessenen 1141,86 Meter langen flachen Rundkurs um die
St. Jakob Sportanlage in Bewegung. Die ersten 6 Stunden lief ich exakt im 6 Minuten Tempo. Als erste
Zwischenetappe erreichte ich nach 10 Stunden und 40 Minuten die 100 km-Marke -
eine Streckenlänge, die ich bisher noch
nie gelaufen war. Um 24 Uhr hatte ich 109 km auf dem Konto und hatte mir
bis dato drei 20 Min.-Pausen zur prophylaktischen Massage und zum Umziehen
gegönnt. Es hatte seit 5 Stunden z.T. heftig geregnet, verbunden mit teils
böigem Wind. In der Nacht änderte ich meine
Taktik und lief jeweils 10 km, um dann 1 km zügig zu walken. Ohne Pause zog
ich dieses Programm bis morgens um 10 Uhr wie ein Uhrwerk durch. Ich hatte mit
allem gerechnet, nur nicht damit, dass es gerade in diesen Stunden total schön
war, stundenlang durch die Nacht zu laufen, begleitet von meditativen Klängen entlang der Strecke! Seit Mitternacht hatte es
zudem nicht mehr geregnet, die Temperatur lag bei 5-6 Grad und gegen 9 Uhr ließ
sich dann die Sonne
blicken und es erwärmte sich auf angenehme 10-12 Grad.
Muskulär war ich erstaunlicherweise topfit – seit 6 Uhr morgens machten sich
aber erste Beschwerden am rechten Fußspann und Schienbein bemerkbar, die dann
im Laufe der Stunden dazu führten, dass ich ab 10 Uhr nur noch unter Schmerzen
walken konnte. Noch immer hatte ich zu diesem Zeitpunkt mit diesem “Laufstil“
berechtigte Hoffnung, die begehrte 200 km-Schallmauer zu erreichen. Seit 2
Uhr
nachts war mein Name an der Anschlagstafel der führenden 7 Läufer zu sehen, was eine enorme Motivation mit
sich brachte. Zwei Stunden vor Ende hatte ich mich an die 4. Position
vorgekämpft. Gegen 11.30 dann der ersehnte Augenblick: die 200 km Marke war
erreicht! Eigentlich ein Grund, aufgrund des seit Stunden stark schmerzenden
rechten Fußes endgültig stehen zu bleiben. Doch zwei Läufer kurz hinter mir und
Franz, der mich auf den letzten Kilometern nach seiner verletzungsbedingten
Unterbrechung begleitete und ermunterte, spornten mich noch einmal an, die
letzte halbe Stunde alles zu geben. Der Lohn: 203 km und
473
m, dazu der 4.
Gesamtplatz.
Eine zügige Siegerehrung inklusive Mittagessen rundete eine perfekt und liebevoll organisierte Veranstaltung ab. Mein rechter Fuß wird mich wohl noch einige Zeit an dieses einzigartigen Events erinnern! Viele Grüße, Friedemann. PS: Werde zum Dienstagstraining mit Sicherheit nicht erscheinen.
Der Schlotter Hans Jürgen war auch dabei und kommt aus Bittelbronn bei Horb am Neckar, ja er liebäugelte schon Anfang des Jahres einen 24 er zu machen. Alleine wollte er nicht und so sprach er den Franz an und der Kaiser Jürgen hatte bei einem Trainingslauf sogar eine Ausschreibung von Basel dabei. War das Zufall oder Vorsehung?? Jedenfalls wurde fleißig trainiert, auch schon mal nachts im Schnee trainiert, und Läufe bis über 70 Kilometer waren keine Ausnahmen für ihn. Er ist eben ein Ausnahmeläufer der seine Ziele systematisch verfolgt, wie sonst konnte er von Lissabon nach Moskau in 64 Tagen non stopp laufen??
Kurz geschrieben, in Basel
spulte er gleichmäßig Runde für Runde in seinem typischen Laufstil ab. Sieht
man ihn, denkt man er bleibt gleich stehen und doch wird man von ihm überholt.
Mich (Franz) hat er alle Stunde
einmal überholt den Friedemann konnte er nicht
einholen. Am Schluss wollte er gar niemanden mehr einholen, nur noch die begehrte blaue Fahne für die vollendeten 200 Kilometer die wollte er sich
noch holen. Er hat sie geholt und sagte sich, Schluss aus Ende der Plagerei das
reicht mir, denn das ist ja Arbeit und Arbeit wird definiert in „Mühsal,
Plag und Not“. Und er musste doch noch weiterlaufen seinen
5. Platz absichern, die hinter ihm gaben noch nicht auf. Mit ertönen der
Schlusssirene setzte er sich auf einen Campingstuhl, bewachte seine Endfahne
und alles andere interessierte ihn nicht mehr. Über 202 Kilometer in 24 Stunden, heimlich hatte er sich das gehofft und
dann doch geschafft, er war sprachlos.
Als Lauftreffleiter sollte
man schon Vorbild sein, das dachte sich Albrecht Mayer
aus Kuppingen als er in Basel an den Start ging. Aber können es die
Lauftreffler begreifen, dass er 172 Kilometer am Stück gelaufen ist? Eigentlich
ist er eine Runde mehr gelaufen aber die Rundenzählerin hat seine letzte Runde
nicht gezählt. Ohne eine definierte Renntaktik ist Albrecht an den Start
gegangen und lief von Anfang an ohne Eile
seine Runden und verschwand immer wieder in den warmen Umkleideraum zum
erholen. Er nahm sich sogar noch die Zeit für manch kurzes Schläfchen in seinem warmen Schlafsack.. So kam er zu keiner
Zeit an den Rand der körperlichen Erschöpfung und hatte seine beste Phase ab
dem Sonnenaufgang und als den anderen Teilnehmern der Power ausging drückte er
mächtig auf die Tube. Hellwach musste er noch die letzten Stunden sein, da
seine persönliche Rundenzählerin nicht die beste
Sehkraft hatte, so kam es dann doch noch zum Schluss mit einer vergessenen
Runde was ihn sogar noch eine Platzierung nach hinten schob. Trotzdem eine
beachtlich Leistung mehr als 4 Marathon hinter einander zu laufen.
Altersklassensieger, wer dem Manfred
Huget vom Ausdauerteam Dornhan
das vorher gesagt hätte, Manfred
hätte ihn für verrückt erklärt. Seine Gedanken
wie er sich die 24 Stunden gestalten wollte waren, erst mal langsam ohne Eile 100 Kilometer hinter sich zu bringen. Das habe
ich schon in Biel geschafft war seine Erklärung, und was dann kommt ist reine
Zugabe. Auch er machte es sich öfters in der Umkleidekabine gemütlich, ruhte
und wärmte sich aus was seinen Kräfteverschleiß
in passable Grenzen hielt. Für Manfred waren die Letzten 6 Stunden die besten als er, das könnt ihr ruhig
glauben, in lockerem Schritt am schnellsten von uns fünf unterwegs war.
Sichtlich zufrieden saß Manfred bei der Siegerehrung beim Essen als er zu
seinem erstaunen aufgerufen wurde. Erst beim Gang in Richtung der Siegertreppe
bemerkte er dass nur noch der oberste
Platz leer war. 167,856 Kilometer, diese super Leistung machte ihn überlegen zum Alterklassensieger M 50 – 59. Das sagt
alles über Manfreds Leistung.
Letzter im Bericht, letzter
in der internen Tausendfüssler Wertung, ja das war ich der Franz
Leins aus Tumlingen und doch
schreibe ich nicht ohne Stolz von uns, von mir, denn zusammen haben wir 890,767
Kilometer in 24 Stunden zusammen erlaufen und ich war dabei. Probleme
hatten alle Teilnehmer/innen, denn die körperliche Überbelastung wirkt auf
jeden ein, wenn auch bei jedem in einer anderen Form. Eine Woche vor Basel habe
ich mir noch den Knöchel verstaucht und das war meine Tragik. Schon in den
ersten Stunden musste ich den Schnürsenkel
des öfteren lockern, da der Knöchel sich ständig verdickte. Die 100
Kilometermarke konnte ich in meinem Zeitlimit gut laufen und war sehr froh nach
zwei erfolglosen Jahren mal wieder 100 Kilometer am Stück gelaufen zu sein.
Danach folgte regelmäßiges Behandeln des Knöchels und auch der Rennarzt konnte
mir keine Linderung verschaffen so
dass ich mich abmelden wollte. Die freundlichen Rundenzähler/in ermutigten
mich, doch noch wenigsten die Schlussrunde mitzulaufen, Das Finale also. So nahm ich eine mehrstündige Auszeit und habe
mich anschließend geduscht und den Läufer/innen zugeschaut. Meine Lauffreunde
waren eifrig am Werke, doch Friedemann kam noch schlechter daher wie ich in der
Nacht. Er wollte von mir, dass ich bei der 200 Kilometermarke noch ein Foto von ihm mache und so holte ich
meine Startnummer und begleitete ihn bis zum Schluss, so dass ich doch noch auf
145 Kilometer kam.
Resümee: Ich konnte nur ein Stückwerk von uns, von mir, erzählen. Was jeder einzelne von uns im speziellen erlebt hat, gelitten hat, auch gefreut hat, das kann man nicht aufschreiben, das müsst ihr euch erzählen lassen. Auf jeden fall war es für uns ein klasse Event, also kommt mal wieder zu einem von unseren gemeinsamen Trainingsläufen.
Innerlich zufrieden und körperlich doch sehr ausgelaugt machten wir Läufer vom Ultralauftreff „nördlicher Schwarzwald“ uns nach der Siegerehrung gemeinsam auf die Heimreise mit der Frage, machen wir so was noch einmal ?
Noch ein Spruch von Hans Jürgen zum Wetter: Der Himmel klart zu einem Wolkenbruch auf.
Ergebnisse :
Friedemann Hecke |
203,437 KM |
Gesamtplatz 4 |
Hans Jürgen Schlotter |
202,187 KM |
Gesamtplatz 5 |
Albrecht Mayer |
172,050 KM |
Gesamtplatz 13 |
Manfred Huget |
167,856 KM |
Gesamtplatz 16 |
Franz Leins |
145,237 KM |
Gesamtplatz 33 |
Bericht: Franz Leins
Foto: Franz Leins