Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald
„Ultralauftreff Tausendfüsssssssssssler“
Vollmond-Marathon
Bericht von Hans Sütterlin, der gemeinsam mit Uli
Etzrodt an diesem Lauf teilnahm.
"Dunkel war's, der Mond schien helle, als ein Läufer blitzesschnelle
langsam um die runde Ecke bog…" So beginnt das Gedicht von Lewis Carroll aus dem
berühmten Buch "Alice im Vollmondland". Am 31. Juli, zu Vollmond, fand im
fränkischen Schnaittach, nahe bei Nürnberg, ein ungewöhnlicher Marathonlauf
statt. Kostenloses Camping an der Brauerei Wolfshöhe wurde angeboten, ein klarer
Fall für mein Wellblechmobil. Einmal im Monat zu Vollmond wird von der Brauerei
ein spezielles "Vollmondbier" (schmeckt ausgezeichnet) mit biologischen Zutaten
gebraut. Sauf Dich gesund! Start zum Lauf ist um 19.07 Uhr, eine Stunde nach
Mondaufgang, als Sollzeit sind 6 Stunden vorgesehen. Wie sich herausstellen
sollte, ist das für diesen Landschaftslauf nicht zu reichlich, selbst die
Siegerzeit lag über 3 Stunden. Im Hof der Brauerei war alles für eine Hocketse
vorbereitet, und ich löste gleich die Gutscheine für ein Freibier und den sehr
guten Eintopf ein.
Danach noch ein wenig hinlegen und schon war Zeit zum Start. Alle
Teilnehmer erhielten mit den Startunterlagen ein Radtrikot, auf dem gross die
Startnummerund der Name aufgedruckt waren, die Zeitnahme erfolgt über den Chip
auf der Startnummer. Unter den rund dreihundert LäuferInnen, die sich zum Start
einfanden, befanden sich auch eine Menge Ultraläufer und Marathonsammler.
Parallel wurden auch ein 15 km-Lauf und ein Nordic-Walking-Mar
athon veranstaltet. Nach dem Startschuss durch eine zünftige Gruppe
Vorderladerschützen in Tracht setzte sich das Feld in Bewegung. Wie ich später
hörte, musste kurzfristig die Strecke geändert werden, da die Genehmigung, durch
die in drei Dörfern an der Strecke stattfindenden Kirchweihfeste zu laufen,
nicht erteilt wurde. Dadurch erhöhte sichder Anteil an Feld- und Waldwegen
deutlich. Die Gegend nordöstlich von Nürnberg ist ziemlich dicht bewaldet, der
grosse Anteil von Kiefernwäldern auf Sandboden hat mich erstaunt, und liess, vor
allem bei der Wärme manchmal südländischeGefühle aufkommen. Die Strecke geht
sehr schön durch kleine Weiler und bald schon stellen sich die ersten Steigungen
ein. Ich überhole die ersten Nordic Walker, allerdings kommen mir wenig später
welche entgegen (sie waren 2 Stunden eher gestartet), denn inzwischen habe ich
Lauf erreicht, hier gibt es eine Schleife mit einem längeren Begegnungsstück.
Der einzige grössere Ort, der durchlaufen wird, bietet ein Highlight: Nach einer
Passage entlang einer Hauptstrasse und einem schönen Radweg entlang der Pegnitz
läuft man durch romantische Winkel der sehr schönen Altstadt und ein
Stadttor
über den mittelalterlichen Marktplatz. Dort sind die
Strassencafes voll besetzt, die Leute sitzen unter Sonnenschirm beim – welch
seelische Grausamkeit – Weizenbier, sparen aber nicht mit Beifall. An der
Strecke erstaunlich wenige Posten, allerdings reichen die mit Leuchtfarbe auf
den Boden gesprühten Pfeile aus. Allerdings habe ich des öfteren durch die nach
nun etwa 15 km schon aufkommende Einsamkeit des Langstreckenläufers ein ungutes
Gefühl, ob ich noch richtig bin und fürchte die nun bald einbrechende
Dunkelheit. Die Landschaft der östlichen Frankenalb weist keine hohen Berge auf,
aber viele Hügel geben auch Höhenmeter, und 15% auf wenigen Hundert Metern sind
auch eine Mörder-Steigung. Aber ich hatte sowieso nicht vor, auf eine gute Zeit
zu laufen, sondern hatte mich auf ein Ultra-Tempo mit Durchlaufen an den
Steigungen eingestellt. Dadurch
konnte ich den Lauf richtig geniessen. Mein alter Lauf- und
Spiessgeselle Uli Etzrodt war wie immer zu Anfang recht zügig losgelaufen, aber
ich konnte ihn schon bald überholen. Die nun folgenden kleinen Dörfer kannte ich
nicht mit Namen, durch die Streckenführung waren die Zuschauer nun nur noch an
wenigen Punkten präsent – die hereinbrechende Nacht tat ein übriges – aber dafür
umso lautstärker. Besonders hervorheben will ich in diesem Zusammenhang die
Kinder in Grossbellhofen, die bis nach Mitternacht an der Strecke ausharrten.
Leider läuft man bei vielen Marathons – so auch hier – oft von Feldwegen oder
Nebenstrassen kommend in den Ort hinein und auch wieder hinaus und weiss gar
nicht genau, wo man sich gerade befindet. Dabei ist das Kennenlernen von "Land
und Leuten" einer der Gründe, warum ich solche Landschaftsläufe gerne mache. In
Neunhof stand die zweite Schleife an, spätestens hier war die
Stirnlampe dringend nötig. Drei Steigungen rund um den Ort, eine davon auf
wurzelübersätem Pfad steil bergauf. Selbst mit Stirnlampe war die Orientierung
wegen der spärlichen Markierung nun manchmal schwierig, würde mich
interessieren, wie viele sich verlaufen haben. Hier sollte die Organisation sich
fürs nächste Jahr etwas einfallen lassen. Nichtsdestotrotz lief ich die meiste
Zeit ohne Licht. Nicht aus schwäbischer Sparsamkeit, sondern weil ich das Laufen
im Dunkeln liebe. Wer "nichts sieht", hat oft nur nicht an Dunkelheit gewöhnte
Augen. Und wenn ein blinder Läufer (!!) am Start ist, kann ich meine
Trittsicherheit auch trainieren. Dafür nehme ich lieber das Tempo noch etwas
zurück, einige LäuferInnen überholen mich (Hallo, Frau Werwolf!), an den
Steigungen "schlage" ich zurück. Ein letzter Kick von den Fans in Kleinbellhofen
(vielleicht 10 Häuser) und über eine mehr als holprige Wiese geht es eine steile
Böschung hinauf (daraus könnte man zwei Crossläufe machen) ins Ziel im
Brauereihof. Nach dem Durchlaufen des Zielbogens wie bei den "Grossen" erhalte
ich eine schöne Medaille und eine Flasche "Aqua Luna"-Wasser
(Vollmond-Abfüllung) in die Hand gedrückt. Viele LäuferInnen sind inzwischen
schon beim Verkosten des
Vollmond-Biers angekommen, da will ich mal auch nicht so sein. Meine
Zeit ist mit 4:52 std. nicht berauschend, aber in Anbetracht der Strecke und
meines Trainings bin ichzufrieden. Uli trifft eine knappe halbe Stunde nach mir
ein, er war nach seiner üblichen zwangsweisen Temporeduktion konstant
gelaufen.Fazit: Landschaftlich wunderschön, ein "Rundum-Sorglos-Paket" mit
Freibier, kostenlosem Camping und Funktionsshirt für 42 Euro, da muss man schon
mehr als Marathon laufen, um so etwas nochmal zu finden. Mängel, wie z.B. in der
Streckenmarkierung sind bei einer Premiere immer verziehen. Apropos Vollmond:
Trotz bstem Wetter (auch nach Einbruch der Dunkelheit noch über 20 °C) habe
ichselbigen nur zweimal kurz gesehen. Schleierwolken verhinderten die freie
Sicht, sonst wäre das Erlebnis perfekt gewesen. Nachklapp: Damit war der
Vollmond-Marathon aber noch nicht zu Ende. Am Sonntagmorgen wurde im Fraibad in
Schnaittach für 5 Euro Frühstück angeboten. Eine Super-Idee, Freibadeintritt
inklusive. Also war ich gleichnoch ein paar Meter "Ausschwimmen". Tun sonst nur
die Profis. Wenn ich mir ansehe, wie schlecht manche zu Fuss sind, fühle ich
mich richtig wie einer.
Bericht und Bilder:
Hans Sütterlin
LT Sulz am Eck