Ultramarathon-Lauftreff nördlicher Schwarzwald

„Ultralauftreff Tausendfüsssssssssssler“ 

         Gondo Event 30./31. Juli 2004 in Gondo (CH)

..............und alle Wege führen ins Ziel............................................

Vier Läufer/(in) vom Ultralauftreff „Nördlicher Schwarzwald“ nahmen erfolgreich beim zwei tägigem extremen Berg-Crosslauf über 76 Kilometern und 3800 Höhenmeter an der Schweiz-Italienischen Grenze in Gondo teil.

                             

             Brigitta Plathe, Thomas Kaiser, Jürgen Kaiser und Franz Leins

Einmal mehr machte uns unser Webmaster Jürgen Kaiser auf ein Laufabenteuer so „heiß“ dass wir nur noch zusagen konnten mit ihm mitzumachen. Er versprach uns

                                              ALL INKLUSIV“

und wir brauchten uns nur noch am 29.Juli bei ihm ins Auto zu setzten und los ging es.

Die Eckdaten waren uns bekannt - 76 Kilometer mit 3800 m Auf –und Abstieg, 2 Tage, 2 Pässe, 2 Schluchten, 3 Täler, 1 Goldmine-   NO LIMITS

Nach knapp 6 Stunden Autofahrt einschließlich der Eisenbahnverladung in Kandersteg kamen wir in dem schweizerischen Grenzdörfchen Gondo an. Schon bei der Begrüßung an der Anmeldung spürten wir die Herzlichkeit der Veranstalter und das bemühen uns den Aufenthalt angenehm zu machen. Als wir uns häuslich in dem Katastrophenschutzbunker, der uns zur Übernachtung diente einrichteten, wurden schon freundschaftliche Kontakte zu unseren Mitstreitern geknüpft. Das anschließende 3 Gänge Abendessen mit Rotwein, alles im Startgeld inbegriffen, war von der feinsten Sorte. So wohlgenährt begaben wir uns zur Nachtruhe.

Mit dem Frühstück begann der 1. Wettkampftag und als die Rennleitung zum Briefing aufforderte bekam man doch schon etwas Lampenfieber. Waren doch heute 40 Kilometer mit 1800 Höhenmetern quer durch die Bergwelt zu bewältigen. Punkt 8 Uhr nach einer kurzen Ansprache, zerriss der Startschuss alle Bedenken und wir mussten ran an das Event.

Zum Beginn die Startrampe rauf und schon waren wir inmitten der schönen wildromantischen 7 Kilometer langen Gondoschlucht. Während Brigitta das Rennen von hinten heraus begann war Thomas nicht zu bremsen und düste zügig los.

Franz und Jürgen hielten sich im hinteren Mittelfeld auf und machten schon von Beginn an mit der Digitalkamera schöne Bilder um den Lauf zu dokumentieren. Stetig bergauf mit teilweisen giftigen Steigungen auf Bergpfaden auf dem alten Napoleonweg kamen wir durch Bunkeranlagen und über Natur –und Stahlbrücken immer näher an den ersten Verpflegungsstand bei der Ortschaft Gabi. Anschließend nach einer kurzen kräftigen Steigung war der Stockalberweg unser ständiger Wegbegleiter der uns auch des Nachts noch verfolgte. Die nächsten 3 Kilometer sind laut Veranstalter mehr oder wenig flach, - sie werden es wohl wissen- wir erinnern uns nicht an das Flachstück, bis zum Simplon Dorf.

Hier in Simplon Dorf konnte man sich nochmals mit Getränk und Essen versorgen um auf angenehme Steigungen über saftige Wiesenwegen und durch malerische kleiner Häuseransammlungen auf eine Hochebene hinauflaufen. Hier oben hat man schon den Blick rauf auf den Bistinenpass der die höchste Erhebung  der ersten Etappe war. Zuvor war noch beim alten Hospitz das von Stockalber 1650 erbaut wurde bei Kilometer 18 eine weitere Verpflegungsstelle eingerichtet die man nicht auslassen durfte. Noch ein kurzes Stück flach und dann war aus mit lustig. Der 3 Kilometer lange Anstieg zum Bistinenpass hinauf ging gnadenlos in die Oberschenkel und hier entwischte Jürgen dem Franz und von Thomas war weit und breit nichts mehr zu sehen. Brigitta lief wie gewohnt konstant und kräftesparend auf dem steinigem serpentinenartigen Weg auf die Passhöhe mit seinen 2417 m.ü.M. Natürlich floss hier sehr viel Schweiß und die Höhenluft gab sein Tribut dazu. Doch oben angelangt wurden wir von den sehr freundlichen Helfer besten versorgt und der Rund um Blick auf die 4 Tausender schneebedeckten Gipfeln bei traumhaft schönen Wetter entschädigte uns für unseren Kraftaufwand.

 

So nun war knapp über die Hälfte der Strecke zurückgelegt und Bergablaufen der gnadenlosesten Art war angesagt. Einige der Teilnehmer und auch „Rinnen“ flogen förmlich den sehr steilen Berg hinab in das Nanztal. Als es etwas flacher zu Werke ging spürte man alles was unterhalb des Kniegelenkes war nicht mehr als das Eigene. Dennoch hatten wir noch die Zeit zum Bilder machen und die herrliche Gegend zu betrachten. Schon etwas erlösend war es als der Verpflegungsstand bei Kilometer 33 erreicht wurde.

O Mann, danach ging es schon wieder sehr sehr steil auf steinigen schmalen Wegen bergab und da war es um uns alle geschehen. Verlaufen ca. 4 bis 5 Kilometer vor dem Ziel. Alle, das waren außer uns ca. ¾ der Teilnehmer/innen. Zuerst der schnelle Thomas, der ganz verdutzt in die Wohnsiedlung von Brig einfiel. Zusammen mit zwei weitern „Verläufern“ kämpften sie sich querfeldein, besser gesagt quer durch eine Schlucht und durch ein Flussbett wieder auf die Originalstrecke, die er um in den Genuss der legendären Flussdurchquerung am Seil zu kommen, entgegengesetzt lief. Sein Endspurt fiel bescheiden aus, da er dachte, er wäre der einzige der Tausendfüßßßer der sich verlaufen hat. Er hörte schon das Gelästere von Franz und Jürgen. Die aber machten es nicht besser. Franz auch in der Siedlung Brig angelangt kämpfte sich mit 3 weiteren verlorenen „Seelen“ bei sengender Sonne auf der Straße zum Ziel nach Ried. Jürgen war der einzige der die 2 Kilometer und ca. 150 Höhenmeter wieder zurück auf die Originalstrecke lief aber jegliche Motivation verlor, da er das gleiche glaubte wie sein Bruder Thomas. Was Brigitta erlebte als sie der gleichen Irrweg nahm kann sich in die Reihe der Anekdoten einschreiben. Der Vater eines einheimischen Läufers erkannte sofort die brekäre Lage und nahm sie kurzerhand auf seinem recht betagten Moped mit und brachte sie wieder auf den richtigen Weg, wo sie noch auf Jürgen auflief, oder besser gesagt auffuhr. Beide finnischsten zusammen in Ried. Die Aufregung und der Ärger auch gegenüber der Rennleitung wegen der fehlenden Streckenmarkierung war angesichts der Kuriositäten bald gelegt. Die Strecke war gut ausgeschildert, doch ein Souvenirjäger nahm einfach eine Wegbeschilderung mit und so kam es wie es kam.

Eine vorzügliche Massage, ein 3 Gänge Menü und viele Geschichten beendete den 1. Wettkampftag mit all seinen Mühen und Nöten und wir begaben uns wieder zur Übernachtung in einen Luftschutzbunker.  

 

Nach einer recht ruhigen Nacht begann der 2. Wettkampftag mit der Geschäftigkeit der Teilnehmer/innen die mit uns das Nachtlager im Bunker teilten. Wir begannen den Tag etwas gemächlicher mit dem Frühstück und machten uns danach startklar. Große Bedenken plagten uns frühmorgens ob die Muskulatur auch imstande sein wird, die vor uns liegende Etappe mit seinen 36 Kilometern und 2000 Höhenmetern einigermaßen zu absolvieren.

Begonnen wurde um 8 Uhr mit dem Jagdstart, das heißt, der erste pünktlich danach der zweite mit seinem Zeitabstand von der 1. Etappe usw.. Ebenfalls mit dem ersten startete der 30 Kilometer Walkinglauf auf die fast gleiche Streckenführung. Der Rest, das war die Mehrzahl der Läufer/innen wurden um 8 Uhr 30 gemeinsam losgelassen und um 9 Uhr folgten die Gondo Runners die nur eine Etappe liefen.

Für uns war es schon erstaunlich, dass wir fast keine Anlaufschwierigkeiten hatten und den ersten 3,5 Kilometer langen Aufstieg nach Schallberg problemlos hinter uns bringen konnten. Wie am Vortag gestaltete sich die Renneinteilung von uns Vieren gleich. Thomas sprintete los, Franz und Jürgen hechelten hinterher und Brigitta lief ruhig und präzise wie ein Uhrwerk. Auf der Höhe von Schallberg war ein kurzer Halt um viel Wasser zu trinken da es hier schon sehr warm war.

Der Steile Weg hinab zum Weiler Grund ging übergangslos talaufwärts entlang der rauschenden Taverna über unzählige Holzbrücken die an teilweise sehr exponierten Stellen an den Berg angebracht waren. Die letzten 3 Kilometer hinauf auf den Simplonpass bei 2005 n.ü.M waren recht übel aber in einer einmaligen Naturlandschaft zu laufen. Jürgen und Franz brauchten für diese 11 Kilometer 2 Stunden und 3 Minuten. Thomas war etliches schneller und Brigitta ? sie hat nicht auf die Uhr geschaut.

Oben war wieder ausgiebige Verpflegung und vor allen Dingen Flüssigkeit angesagt, bevor es an dem imposanten Steinadler vorbei wieder in Richtung zum alten Hospitz ging und Jürgen sich vom Franz absetzte und eine Aufholjagd zu seinem Bruder startete. Weiter bis zum Simplon Dorf und nach Gabi ging es ständig bergab wobei man sich sehr konzentrieren musste um nicht zu stürzen denn die Wege waren sehr steinig und die Landschaft viel zu schön um einfach nur stur ein Wettkampf zu absolvieren. Gabi ist keine Frau sondern ein kleines Dörfchen und da waren wir erst 23 Kilometer unterwegs und hier trennte sich an einem rauschenden Gebirgsfluss die Strecke für die Walker. Rechts rum über den Fluss hieß es für uns, und was dann kam war die härteste Steigung des gesamten Events. Diese Extrastrapaze war nur 3 Kilometer lang aber über 500 Höhenmeter waren hinauf zum Furggu angesagt denn der Stockalberweg wich hier der gefährlichen Gondoschlucht aus.

Serpentinen auf Serpentinen folgten unaufhörlich, die Sonne brannte und der Aufstieg wollte nicht enden, Jürgen schloss auf Thomas auf, Franz total schlapp wurde von Brigitta geschluckt bevor der erlösende Passübergang bei Kilometer 26 und der letzte Verpflegungsstand erreicht wurde und Franz eine ausgiebige Massage bekam. Steil bergab auf sehr schmalen Saumwegen und mit rasantem Tempo liefen wir dem Zwischbergtal entgegen Jürgen lief dem Thomas davon, Brigitta dem Franz und Franz den andern hinterher so gut es ging. Das Zwischbergental und vorbei  an den alten Goldminen war nochmals ein landschaftlicher, wie auch ein läuferischer Genuss das diesem Event sozusagen die Krone aufsetzte. Mit einem steilen Abstieg an die Doveria und einer letzten Gegensteigung erreichten die Läufer/innen das Ziel in der kleine Ortschaft Gondo wo jeder einzeln vom Rennsprecher herzlich begrüßt wurde.

               

 

Nach frischer Dusche, Massage und im Festzelt ausgiebig gestärkt wurde jeder Finnischer persönlich bei der Siegerehrung vorgestellt und die Frauen mit einem Leib Bergkäse und die Männer mit 2 Flaschen Wein beschenkt. 

Wir vom Ultralauftreff nördlicher Schwarzwald und als Team die Tausendfüßßßler erlebten eine ausgezeichnete Organisation wo das Preis-Leistungsverhältnis mehr als in Ordnung ist. ALL INKLUSIV war keine Übertreibung und die gesamte Rennleitung hat mit ihrem persönlichen freundlichen Einsatz und das alles ehrenamtlich, uns Läufer/innen den 2 ½  Tage langen Aufenthalt so angenehm wie möglich gemacht. Dank an die gesamten freiwilligen Helfer/innen vom GONDO EVENT.

Für uns „Vier“ war es der erste Mehrtageslauf  und das noch auf so einer anspruchsvollen Strecke und wir waren zufrieden und zugleich überrascht wie gut wir das überstanden haben. Stürze, Fuß umgeknickt und Muskelkater waren schon nach 2 Tagen fast vergessen. Diesen Lauf vergessen wir aber nicht.

                    Ein Gruß noch an Jörg und Rene mit Frau,sowie Jörg und Wolfgang und an die Schweizerlaufkameraden Roland und Sepp .

 

Ergebnisse

                            1. Tag         2. Tag         Gesamt       Platzierung Gesamt

Brigitta Plathe        6:10:44        5:56:41        12:07:25                  7. Frauen

Thomas Kaiser      5:11:06        5:15:54        10:27:00                23. Männer

Jürgen Kaiser        6:10:44        5:11:18        11:22:02                32. Männer 

Franz Leins           5:14:44        6:07:45        11:22:29                33. Männer

Mannschaftsergebnis 6 . Platz

Bericht und Bilder Jürgen Kaiser und Franz Leins

http://www.gondoevent.ch/

 

 

 Zurück